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Sahra Wagenknecht beim SZ-Führungstreffen 2011:"Im Klub der glücklichen Spermien"

Mit Sahra Wagenknecht in eine sozialistische Zukunft: Wie die Galionsfigur der Linken Führungskräften der Wirtschaft ziemlich gekonnt die Stirn bietet. Irgendwie müssen ihr manchmal alle recht gegeben, aber das geht natürlich nicht. Auf gar keinen Fall.

Also gut, diese Sache mit der Erbschaftssteuer. Die finden die Unternehmer beim Führungskräftetreffen der Süddeutschen Zeitung im Berliner Hotel Adlon dann doch nicht so lustig. Sahra Wagenknecht sitzt da oben auf dem Podium. Vizechefin von Partei und Bundestagsfraktion der Linken. Ehemals Vorkämpferin der kommunistischen Plattform in ihrer Partei. Seit einer Woche aber vor allem als neue Partnerin an der Seite von Oskar Lafontaine in den Medien.

BERLIN Fuehrungstreffen Wirtschaft 2011 / 3. Tag

Sahra Wagenknecht legte auf dem SZ-Führungstreffen ihre Gedanken zur Wirtschaftspolitik dar. Es gab auch ein bisschen Applaus.

(Foto: Johannes Simon)

Diese Wagenknecht also will ran an die Erbschaftsteuer. In ihrem Buch "Freiheit statt Kapitalismus" ist das nachzulesen. Ab einem Erbe von einer Million Euro greift die Wagenknecht-Steuer. Und zwar in Höhe von 100 Prozent.

Bis dahin war eigentlich alles ganz gut gelaufen für Wagenknecht. Ihre Analyse, dass die Märkte wieder gefesselt werden müssen. Dass es nicht sein kann, dass wenige Menschen immer reicher, immer mehr Menschen immer ärmer werden. Dass der Mittelstand Wohlstandverluste hinnehmen muss. Dass die deutsche Wirtschaft nur auf Kosten geringerer Löhne und Renten wieder ganz laut ihren Exportschlager singen kann. Alles sehen die Unternehmer im Saal ganz ähnlich. Der Satz, der an diesem Abend am häufigsten fällt: "Ich teile ihre Analyse."

Es gibt auch keinen Aufschrei als sie Sätze sagt wie: "Ich möchte eine andere Wirtschaftsordnung, und zwar eine sozialistische." Oder: "Wer heute noch Anhänger des Kapitalismus ist, da weiß ich nicht wie weit die Fähigkeit zur Reflexion entwickelt ist."

Im Gegenteil: Viele nicken, als Wagenknecht sagt, der heutige Kapitalismus biete eben nicht Wohlstand für alle, wie der Gottvater der sozialen Marktwirtschaft, Ludwig Erhard es wollte. Unwidersprochen stellt sie fest: "Die Löhne sollten steigen mit der Produktivität. Jetzt ist es umgekehrt." Und manche schauen erstaunt, als sie den Ordoliberalismus nach Walter Eucken verteidigt, wonach der, der den Gewinn hat, auch haften muss.

Im Unterschied dazu glaubten die modernen Neoliberalen, alle Regeln müssten weg, denn der Markt werde es schon richten. Wagenknecht: "Das hätte Eucken nie unterschrieben."

Nur bleibt offen, warum aus dieser Analyse heraus ausgerechnet der Sprung in den Sozialismus der einzige Weg sein soll. Irgendwie beschleicht einen ohnehin der Verdacht, Wagenknecht will eigentlich nur zurück zu den Wurzeln der sozialen Marktwirtschaft statt in eine sozialistische Zukunft.

Sie will den Kapitalismus überwinden, das sagt sie. Aber sie sagt auch, dazu müsse weder die Marktwirtschaft überwunden noch die Planwirtschaft eingeführt werden.

Also alles in Ordnung? Muss keiner Angst haben, dass alles verstaatlicht wird, sobald die Linke eines - wenn überhaupt dann vermutlich sehr, sehr fernen - Tages mal die absolute Mehrheit in Deutschland erringt?

Im Grunde ja, aber irgendwie dann doch nicht. Die Unternehmen sollen den Beschäftigten übergeben werden. Und Personenunternehmer sollen den Schritt mit ihrem endgültigen Ausscheiden aus dem kapitalistischen Leben gehen. Mit anderen Worten: Unternehmen werden nicht mehr an im Zweifel unfähige Erbprinzen- und Prinzessinnen weitergereicht. Die im Zweifel eh nur alles verkaufen, natürlich an "Private-Equity-Heuschrecken", wie Wagenknecht vermutet. Stattdessen geht das Unternehmen an die Beschäftigten.

Und was ist mit der Lebensleistung der Unternehmer?