Süddeutsche Zeitung

RWE: Klage gegen Atommoratorium:Was Herr Großmann darf

Mit seiner Klage gegen das Atommoratorium der Bundesregierung steuert RWE-Chef Jürgen Großmann den Energiekonzern ins Abseits. Das darf er, aber sehr klug ist es nicht.

Heribert Prantl

Jürgen Großmann ist jemand. Und wenn jemand durch die öffentliche Gewalt in seinen Rechten verletzt wird, steht ihm der Rechtsweg offen. Also darf Jürgen Großmann gegen das Atommoratorium der Bundesregierung klagen. Also darf sich der Vorstandsvorsitzende des Energiekonzerns RWE vor Gericht dagegen wehren, dass der Reaktor Biblis A vorläufig abgeschaltet wurde. Großmann darf versuchen, vor Gericht die Wiedereinschaltung dieser nuklearen Gelddruckanlage zu erzwingen. Es ist dies, wie man so sagt, sein gutes Recht.

Sehr klug ist es aber nicht, die Konfrontation zu suchen. Ein Vorstandsvorsitzender ist der oberste Vertreter der Interessen seiner Firma. Deren höchstes Interesse muss es sein, Zukunft zu gewinnen - also Energie in einer Weise zu produzieren, die ihr abgenommen wird.

Großmann ist dabei, diese Akzeptanz zu verlieren. Er steuert den Energiekonzern RWE in ein gesellschaftspolitisches und damit letztlich auch ökonomisches Abseits. Als er die Zahlungen von RWE an den Ökofonds eingestellt hat, berief er sich auf die Veränderung der Geschäftsgrundlage - wegen der von der Kanzlerin ausgerufenen Energiewende.

Die Folge einer solchen Veränderung der Geschäftsgrundlage ist es, dass die vertraglichen Regelungen angepasst werden müssen. Großmann aber passt nicht an, sondern er will mit dem Kopf durch die Wand.

Er weigert sich nämlich, die Grundlage des Energiegeschäfts von RWE den Verhältnissen nach Fukushima anzupassen. Wer das tut, der muss damit rechnen, dass die wirtschaftliche Grundlage für sein Geschäft entfällt. Ein sturer Vorstandsvorsitzender gefährdet nicht die Energiewende, sondern er gefährdet seinen Energiekonzern.

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Quelle:
SZ vom 21.04.2011/pak
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