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RWE-Chef: Jürgen Großmann:Vor einem Scherbenhaufen

Und nun wollen auch noch milliardenschwere Fonds auf der Hauptversammlung meutern. Ihnen stößt die Macht der Kommunen auf. Sie wollen verhindern, dass der Konzern in politische Manöver gezogen wird. Investoren wie die britische Fondsgesellschaft Legal & General wollen bei der Neubesetzung des Aufsichtsrats nicht länger dulden, dass den kommunalen Aktionären automatisch vier der zehn Sitze auf der Eigentümerbank zugestanden werden. Sie wollen den Einfluss und die Anzahl der Sitze rasch beschneiden.

Aktionäre gegen Aktionäre, Investoren gegen Manager und Manager gegen Politik und Aktionäre: Es wird turbulent beim Aktionärstreffen an diesem Mittwoch. Dabei ist die Unruhe ohnehin groß genug. 2011 wird zum Schicksalsjahr für RWE und seinen Chef. Noch immer hängt der Konzern stark vom schwierigen deutschen Geschäft ab. RWE muss sich auf eine neue, teurere Energiewelt einstellen. Strengere Klimaschutzziele, weiter steigende Rohstoffpreise, und das bei hart umkämpften Strompreisen.

Und nun legte die Bundesregierung mit dem Atommoratorium handstreichartig auch noch fast die Hälfte der CO2-freien Stromproduktion von RWE still. Für Großmann ist das Moratorium nicht nur eine persönliche Niederlage. Es hat handfeste wirtschaftliche Folgen. Der Konzern, der 60 Prozent seines Stroms aus klimaschädlichen Kohlenmeilern bezieht, muss künftig mehr für Zertifikate zahlen. Die Gewinne purzeln. Die Börse straft den Konzern mit Kursabschlägen ab. Seitdem Großmann im Amt ist, hat sich der Marktwert des Konzerns halbiert.

Eineinhalb Jahre vor dem Ende seiner Amtszeit steht der Konzernchef vor einem Scherbenhaufen. Ob er wirklich bis zum Ende seines Vertrages im September 2012 bleibe, sei nicht ausgemacht, heißt es aus dem Unternehmen. Im Konzern mit mehr als 70.000 Beschäftigten habe der Kampf um die Nachfolge begonnen. Viele erwarten ein internes Duell zwischen Rolf Martin Schmitz, 53, Vorstand Operative Steuerung, und dem Chefstrategen Leonhard Birnbaum, 43.

Schmitz, der die Stadtwerke als Miteigentümer im Rücken hat, räumen Manager die größten Chancen ein. Es könnte schnell gehen, heißt es. Noch in diesem Jahr werde wohl ein Nachfolger offiziell benannt. Das Unternehmen äußert sich nicht zu den Personaldebatten. Wie eng es werden würde, schwante Großmann offenbar schon vor Fukushima. Im Februar warnte er mit der Vorlage einer neuen Rekordbilanz: "Wenn man auf einem Gipfel steht, geht es in jeder Richtung bergab."

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