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Russland:Der Preis der Sanktionen

Moskau - Das Geschäftsviertel "Moscow Business Centre"

Moskauer Skyline mit dem "russischen Manhattan", Moskwa City

(Foto: Maxim Shipenkov/dpa)

Der Mut der Vergangenheit kostet Geld in der Gegenwart: Viele westliche Unternehmen haben in Russland investiert, doch nun läuft das Geschäft auf dem wichtigen Exportmarkt schlecht. Die russische Schwäche wirkt ansteckend.

Auch in Chelsea und Kensington spürt man die ökonomischen Beben in Russland. In den schicken Stadtteilen im Südwesten Londons leben viele reiche Russen, und für Luxus-Immobilien sind sie eine der größten ausländischen Käufergruppen. Manche Briten nennen ihre Hauptstadt schon scherzhaft Londongrad.

Nun droht Russland eine Rezession, die Währung Rubel hat gegen den Euro und den US-Dollar massiv an Wert verloren und liegt auf dem tiefsten Stand aller Zeiten. Durch Kapitalflucht verliert Russland in diesem Jahr etwa 125 Milliarden Dollar, der niedrige Ölpreis führt dazu, dass die Einnahmen aus dem so wichtigen Rohstoffgeschäft um 100 Milliarden Dollar schrumpfen. Doch den Londoner Immobilienmarkt ficht das nicht an. Je mehr Krise in Russland, desto höher die Nachfrage.

Die Rubel-Milliardäre halten ihr Vermögen auch in Dollar, Euro und Pfund. Betongold in der britischen Hauptstadt gilt als sicherer Hafen, in dem Reiche aus Krisenstaaten ihr Vermögen ankern, fernab von politischen Unruhen oder Währungsturbulenzen in der Heimat. Londoner Immobilienmakler dürfen sich getrost als Profiteure der russischen Wirtschaftskrise bezeichnen. Doch dieses Phänomen ist eine Anomalie, die nicht verbergen kann, wie stark Russlands Malaise auch den Wohlstand im Rest der Welt mindern kann.

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Wladimir Putin vergleicht in seiner Rede an die Nation die Krim mit dem Tempelberg. Zum Schluss fügt Russlands Präsident noch eine Portion Patriotismus hinzu: "Wir sind bereit und gewillt, jede Herausforderung anzunehmen. Wir werden gewinnen."   Diskutieren Sie mit uns.

"Russland ist ein wichtiger Exportmarkt für deutsche Maschinenhersteller und Autos", sagt Stefan Bielmeier, Chefvolkswirt der DZ Bank. "Da wird die Nachfrage zurückgehen, weil diese Importe in Rubel viel teurer geworden sind." Dabei ist Russland für Deutschland nur das elftgrößte Exportzielland, doch schon in den letzten beiden Quartalen ist das Wachstum in Deutschland spürbar zurückgegangen, vor allem aufgrund der Wirtschaftssanktionen gegen Russland.

Westliche Unternehmen werden zögerlicher

Eine lange Phase des Aufschwungs könnte zu Ende gehen. Der Zusammenbruch des Ostblocks und die wirtschaftliche Öffnung Chinas und der Schwellenländer hat das globale Wirtschaftswachstum in den vergangenen 25 Jahren enorm gesteigert. Der Wohlstand hat zugenommen, und mit ihm die ökonomischen Verflechtungen zwischen den Ländern. Firmen haben in Russland und dem Rest der Welt investiert. Sie haben dort Produktionsstätten gebaut und sich neue Absatzmärkte erschlossen. Ganze Konzerne sind unternehmerische Risiken eingegangen - nun drohen politische Risiken.

Die Furcht vor zunehmenden Spannungen im Verhältnis zu Russland macht westliche Unternehmen vorsichtiger. Sie schieben Investitionen auf. Sie merken, dass ihr Mut in der Vergangenheit, für das Geschäft in Russland Geld in die Hand zu nehmen, nun in der Gegenwart Geld kostet. Ein Beispiel ist der britische Öl- und Gaskonzern BP.

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Die Währung und die Wirtschaft taumeln - auch wegen der Sanktionen gegen Russland. Vor allem aber ist das Land enorm von Einnahmen aus dem Ölexport abhängig, der Rohstoff ist derzeit sehr billig. Doch was, wenn die Preise weiter fallen?   Von Markus Zydra

Den Briten gehören 18,5 Prozent der Aktien am russischen Rivalen Rosneft. Im vergangenen Jahr kassierte BP dafür umgerechnet 700 Millionen Dollar Dividende. Doch dieser Betrag könnte sich nun mehr als halbieren, schätzen Beobachter. Rosneft erwirtschaftet Rubel. Die Währung hat in diesem Jahr gegen den US-Dollar 55 Prozent an Wert verloren. BP erhält dadurch weniger Dollar.

Der Pharmakonzern Stada, der in Russland produziert und verkauft, muss wegen des schwachen Rubelkurses zweistellige Umsatzrückgänge verkraften. Der Chemiekonzern BASF teilt mit, das Russland-Geschäft sei aufgrund des unsicheren wirtschaftlichen Umfeldes gegenüber dem Vorjahr rückläufig. Der Umsatz der BASF-Gruppe in Russland im Jahr 2013 betrug 1,4 Milliarden Euro von insgesamt 74 Milliarden Euro.

Der Gesundheitskonzern Fresenius hat seine Pläne für ein Gemeinschaftsunternehmen in Russland sogar gestoppt, aufgrund der veränderten politischen Rahmenbedingungen. Beim Energiekonzern Eon machte der russische Markt zuletzt fast zehn Prozent des gesamten Umsatzes aus. Der schwache Rubel nagt an der Gewinnspanne. "Das macht uns Sorgen", räumt Eon-Finanzchef Klaus Schäfer ein. Der Absatz in Russland ist bei Volkswagen zuletzt um 21 Prozent eingebrochen. Weil kaum noch einer Autos kauft, musste der Konzern in seinem Werk im russischen Kaluga schon die Bänder anhalten.