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Ein Jahr nach dem Aus von Opel haben nur wenige der einstigen Arbeiter einen neuen Job. Und das ist nicht die einzige Sorge in Bochum.

Von Varinia Bernau

Herbert Grönemeyer besang seine Heimatstadt Bochum in den Achtzigerjahre so: "Tief im Westen, wo die Sonne verstaubt, ist es besser, viel besser als man glaubt." Doch ein gutes Jahr nachdem dort der letzte Opel, ein Zafira, dunkelgrau, vom Band lief, ist es eher schlechter gekommen als viele damals noch geglaubt hatten. Das Werk beschäftigte 3300 Menschen, als der angeschlagene Autohersteller Opel es schloss. 260 von ihnen haben über eine vom Unternehmen mitfinanzierte Transfergesellschaft einen festen neuen Job gefunden, weitere 220 Beschäftigte sind in Qualifizierungen oder Praktika vermittelt worden. "Planmäßig verlaufen", nennt Hermann Oecking dies. Der Mann leitet die Transfergesellschaft, in der etwa 50 Berater versuchen, die Fabrikarbeiter in einen neuen Job zu bringen. Ein weiteres Jahr haben sie dafür noch Zeit. Aber selbst wenn auch das planmäßig verläuft: Längst nicht alle, für die das Aus von Opel in Bochum auch das berufliche Aus geworden ist, werden dann einen neuen Arbeitsplatz gefunden haben. Opel war ja nur der jüngste heftige Schlag, den die Stadt zu verkraften hat. Dabei war Bochum einmal der wirtschaftliche Motor dieses Landes. Doch dann brach erst der Bergbau weg, später auch die Industrien, die ihn eigentlich ersetzen sollten. Das Opel-Werk wurde 1962 im Stadtteil Laer gebaut - genau dort, wo vier Jahre zuvor eine Zeche stillgelegt worden war. Aus Bergmänner wurden Malocher, Fließband statt Tagebau: Der Stolz, den später Herbert Grönemeyer besang, blieb der Stadt erhalten.

Und nun? Die Stadt hat das Werksgelände, 700 000 Quadratmeter groß, übernommen und will dort neue Unternehmen ansiedeln - etwa ein Postverteilzentrum von DHL. Manche monieren, dass das allenfalls prekäre Jobs bringt. Vor allem aber wird es dauern. Nicht ohne Grund trägt die Gesellschaft, die den Wandel organisiert, den Namen "Bochum Perspektive 2022." Und der Zeitplan für die Umgestaltung des Geländes, ist bereits ins Stocken geraten: Ein Unternehmen, das bei einer von zwölf Ausschreibungen nicht zum Zug gekommen ist, hat Beschwerde eingelegt. Der Fall liegt beim Oberlandesgericht Düsseldorf, das im März entscheidet. So lange stehen die Abrissbagger in Bochum still.

Vom " Pulsschlag aus Stahl", wie Grönemeyer ihn einst besang, zu hören, "laut in der Nacht", von ihm ist nicht mehr viel übrig.

© SZ vom 13.01.2016

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