Rüstungsindustrie Rheinmetall übernimmt Panzerbauer Stork

Der Ausbau der Rüstungssparte ist für Rheinmetall von großer strategischer Bedeutung. Der Wachstumsmotor "Defence" steigerte den Konzernumsatz um satte zehn Prozent.

Von Stefan Weber

Auch nach der Übernahme des niederländischen Panzerbauers Stork PWV bleibt der Rheinmetall-Konzern auf Expansionskurs. ''Wenn es ernsthafte Akquisitionschancen gibt, in denen wir einen strategischen Mehrwert für unser Geschäft sehen, werden wir uns verstärken'', sagte Rheinmetall-Chef Klaus Eberhardt der Süddeutschen Zeitung. Größere Schritte werde es dabei voraussichtlich so rasch jedoch nicht geben.

Der Bund kauft 405 Puma-Schützenpanzer zum Gesamtpreis von drei Milliarden.

(Foto: Foto: dpa)

Ausbau der Rüstungssparte "Defence"

Nach dem Kauf des Schweizer Zünderherstellers Zaugg Elektronik und der beabsichtigten Mehrheitsübernahme des südafrikanischen Munitionsherstellers Denel Munitions ist der Erwerb von Stork PWV bereits die dritte Akquisition innerhalb von sieben Monaten.

Die Übernahme ist für den Düsseldorfer Konzern von großer strategischer Bedeutung. Das niederländische Unternehmen ist ebenso wie Rheinmetall und der Münchner Konkurrent Krauss-Maffei Wegmann (KMW) an der ebenfalls in München beheimateten Artec GmbH beteiligt, die für die Bundeswehr und die niederländischen Streitkräfte derzeit 472 Exemplare des gepanzerten Transportfahrzeugs Boxer herstellt. Das Gefährt ist hinter dem von Rheinmetall und KMW produzierten Schützenpanzer Puma das derzeit größte Projekt in der europäischen Heeresausrüstung.

Umkämpfter britischer Markt

Mit der Übernahme von Stork PWV besitzt Rheinmetall in dem Artec-Konsortium künftig die Anteilsmehrheit; die Beteiligung erhöht sich von 14 Prozent auf 64 Prozent. Die übrigen Anteile hält KMW. Stork PWV ist verantwortlich für den niederländischen Anteil im Boxer-Programm, der 200 Fahrzeuge mit einem Auftragsvolumen von etwa 500 Millionen Euro umfasst.

Artec hofft, bald einen noch sehr viel größeren Auftrag zu erhalten. Das britische Verteidigungsministerium hat den Boxer bereits im Sommer 2007 als eines von drei möglichen Modellen ausgewählt, mit dem die Briten in den nächsten Jahren ihre Landstreitkräfte ausstatten wollen. Im Rahmen des 24 Milliarden Euro umfassenden Projekts Fres (Future Rapid Effect System) sollen 3000 bis 4000 Fahrzeuge - auch andere als eventuell der Boxer - für unterschiedliche Aufgaben bestellt werden. Ein Zuschlag für den Boxer wäre für die deutsche Rüstungsindustrie der Eintritt in den britischen Heeresmarkt im großen Stil.

Mit den Akquisitionen und dem vom Haushaltsausschuss des Bundestags gebilligten Kauf von 405 Puma-Schützenpanzern zum Gesamtpreis von drei Milliarden Euro verschieben sich die Gewichte bei Rheinmetall stark zugunsten des Rüstungsgeschäfts. Gemessen am Umsatz hat die Automobilzulieferung mit 2,25 Milliarden Euro im vergangenen Jahr zwar noch mehr auf die Waage gebracht als der Bereich Defence mit 1,76 Milliarden Euro. Aber der Anstieg des Konzernumsatzes um zehn Prozent auf knapp über vier Milliarden Euro resultierte vornehmlich aus den Rüstungsaktivitäten.

Exportchancen für den Puma

Mit 160 Millionen Euro hat diese Sparte 2007 erstmals mehr zum Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) beigetragen als der Bereich Automotive. Dort erwirtschaftete Rheinmetall lediglich ein Ebit von 120 Millionen Euro. An dem Puma-Auftrag, der sich über zehn Jahre erstreckt, sind Rheinmetall und KMW jeweils zur Hälfte beteiligt. Das Volumen kann sich durch geplante Zusatzausstattungen der Panzer um weitere knapp 580 Millionen Euro erhöhen.

Sobald die Bundeswehr 2010 die ersten Fahrzeuge einführt, steigen nach Einschätzung von Rheinmetall-Chef Eberhardt auch die Exportchancen für den Puma. ''Schon jetzt zeigen viele Nationen Interesse'', sagt er.Spekulationen, Rheinmetall sei auf dem Weg zu einem reinen Rüstungskonzern und werde das Automotive-Geschäft mittelfristig abgeben, weist der Vorstandschef zurück.

''Wir werden uns auch in Zukunft auf Automotive und Defence konzentrieren. Mit beiden Bereichen besetzen wir Spitzenpositionen in den jeweiligen Märkten. Und wir werden in beiden Sparten weiter organisch wachsen.''