Rüstung:Börse freut sich auf die Italiener

Hensoldt

Das Logo des Rüstungskonzerns Hensoldt ist an der Firmenzentrale in Taufkirchen bei München zu sehen.

(Foto: Lino Mirgeler/picture alliance/dpa)

Leonardo übernimmt ein Viertel der Anteile an der Rüstungsfirma Hensoldt.

Von Caspar Busse

Alessandro Profumo, 64, ist in München kein Unbekannter. Von 1995 bis 2010 war der Genuese Chef der italienischen Großbank Unicredit, er übernahm und integrierte in dieser Zeit unter anderem die Münchner Hypo-Vereinsbank. Seit Mai 2017 leitet Profumo das große italienische Technologie- und Rüstungsunternehmen Leonardo, jetzt ist er zurück in Bayern. Am Wochenende hat er bekannt gegeben, dass Leonardo mit 25,1 Prozent bei der Hensoldt AG einsteigt. Der Hersteller von sensibler Rüstungselektronik, ein ehemaliger Bereich des Airbus-Konzerns, hat seinen Sitz in Taufkirchen bei München.

Die Hensoldt-Aktie reagierte am Montag morgen mit einem Kurssprung um zwischenzeitlich mehr als zehn Prozent. Am Mittag notierte das Papier noch immer bei einem Hoch von mehr als 16 Euro. Seit vergangenem Mittwoch, als es erste Spekulationen über einen neuen Großaktionär gab, ist die Aktie damit um nahezu 25 Prozent gestiegen. Der Leonardo-Einstieg unterstreiche Hensoldts grundsätzliche Attraktivität, teilten Analysten mit. Vom Quartalsbericht Anfang Mai erhoffen sie sich mehr Klarheit, auch, ob die Italiener möglicherweise noch mehr vorhaben und noch weiter aufstocken wollen.

Erst im vergangenen Dezember war die Bundesregierung bei Hensoldt eingestiegen. Das Bundeskabinett hatte den Erwerb einer Sperrminorität von 25,1 Prozent beschlossen. Für den Einstieg des Bundes waren rund 400 Millionen Euro bereitgestellt worden. Das Verteidigungsministerium hatte zur Begründung auf "sicherheitspolitische Aspekte" verwiesen. Hergestellt werden von Hensoldt unter anderem Hightech-Kameras für Tornado-Flugzeuge, Panzer-Periskope und Radarsysteme für den Eurofighter. Leonardo, das zu 30 Prozent dem italienischen Staat gehört, musste für die Beteiligung 600 Millionen Euro zahlen.

Hensoldt, eigentlich 1892 vom Optiker Moritz Hensoldt gegründet, der Zielfernrohre für die Gewehre der preußischen Armee herstellte, ist die ehemalige Radarsparte des Luft- und Raumfahrtkonzerns Airbus. 2017 hatte der amerikanische Finanzinvestor KKR das Unternehmen übernommen und dafür etwa 1,1 Milliarden Euro bezahlt. Beschäftigt werden mehr als 5000 Menschen, der Umsatz liegt bei gut einer Milliarde Euro. Im September vergangenen Jahres hatte KKR Hensoldt an die Börse gebracht, dabei waren die Aktien zu zwölf Euro ausgegeben worden. Das Unternehmen liefert auch Technologien für Kryptotechnik und Sensorik, bei denen die Bundesregierung einen Zugriff "unfreundlicher Mächte" verhindern will, dazu gehört EU-Mitglied Italien natürlich nicht. Hensoldt-Chef Thomas Müller begrüßte den Einstieg der Italiener. Leonardo-Chef Profumo verspricht sich von der Beteiligung eine noch engere Kooperation.

© SZ vom 27.04.2021
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