Rücktritt von Telekom-Chef:Gemischte Bilanz

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Obermanns Bilanz fällt gemischt aus. Er selbst verwies am Donnerstag auf das gute Mobilfunknetz der Telekom, das tatsächlich als das beste in Deutschland gilt. Und er sagte: "Ich habe alles gegeben." Trotzdem sinken die Umsätze. Einerseits muss die Telekom Milliarden in die Hand nehmen, um die Netze auszubauen. Andererseits aber verdienen das Geld andere - vor allem die großen Internetkonzerne aus den USA.

Auch Obermann will aus dem ehemaligen Staatskonzern ein Unternehmen machen, das es mit einem der wendigen Start-ups aus dem Silicon Valley aufnehmen kann. Er will neue Geschäfte für die Telekom erschließen: das vernetzte Haus, das vernetzte Gesundheitswesen, Fernsehen und Internetportale. Diese Innovationen erklärte er zur Chefsache. Doch dabei geht es nur langsam voran. Er selbst nannte das einmal eine Kärrnerarbeit. Manche hätten sich von ihm mehr erhofft. Sein Nachfolger Höttges hingegen sieht Obermann da als Vorbild: "Ich wünsche mir seine Intuition beim Thema Innovationen - und seine Geschmeidigkeit."

Die beiden Männer verbindet auch eine persönliche Freundschaft. Sie gehen gemeinsam joggen, besuchen sich in den Ferien. Auch den Übergang wollen die beiden im nächsten Jahr zusammen vorbereiten.

Höttges soll auch interessante Angebote von anderen Konzernen erhalten haben. Als ewiger Zweiter hätte er diese womöglich irgendwann angenommen. Der Wechsel kommt in turbulenten Wochen. Gerade erst schockierte Obermann die krisengeplagten Aktionäre mit einer unerwartet heftigen Dividendenkürzung. "Es gibt nie den richtigen Zeitpunkt. Alles ist im Fluss", sagte Obermann.

Sein Nachfolger hat nun bei der Telekom Großes vor: "Wir wollen den Umsatzrückgang stoppen, wir wollen von 2014 an wachsen. Dafür investieren wir massiv." Allein für vier Milliarden Euro will die Telekom ihr Mobilfunknetz in den USA modernisieren, weitere sechs Milliarden Euro sollen in den Breitband-Ausbau in Deutschland fließen. Zuletzt machte der Konzern mit seinen 236 000 Mitarbeitern einen Jahresumsatz von etwa 43,5 Milliarden Euro.

Seit 2000 ist Höttges bei der Deutschen Telekom. Bei deren deutscher Mobilfunktochter war er zunächst Finanzgeschäftsführer, später übernahm er den Vorsitz der Geschäftsführung. 2006 rückte er in den Konzernvorstand für das deutsche Festnetzgeschäft. Drei Jahre später folgte der Wechsel an die Spitze des Finanzressorts des Konzerns. Dabei war der 50-Jährige bereits in die wichtigen Projekte eng eingebunden, etwa, als die Telekom ihr britisches Mobilfunkgeschäft in ein Gemeinschaftsunternehmen mit France Telecom einbrachte.

"Dieses Unternehmen zukünftig führen zu dürfen, ist für mich Ehre und Verpflichtung zugleich", sagt Höttges. So spricht einer, der sich demütig gibt, aber auch ganz glücklich ist.

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