Rücktritt von Procter-&-Gamble-Chef McDonald Der Pampers-Putsch

Der Konzern ist überall: Windeln, Rasierschaum und Haargel von Procter & Gamble sind in praktisch jedem Haushalt zu finden. Mitten im größten Umbau der Unternehmensgeschichte stürzt Firmenchef Robert McDonald über einen mächtigen Gegner.

Von Jannis Brühl

Meister Proper in der Abstellkammer, Gillette-Rasierschaum im Spiegelschrank, Pampers in der Wickelkommode. Und, wer's mag, das Parfüm der Popsängerin Avril Lavigne: Procter & Gamble hat die Haushalte dieser Welt infiltriert. Der Multi mit Sitz in Cincinnati in den USA ist einer der größten Konsumgüterkonzerne der Erde. Seine Produkte dominieren die Regale der Drogerien. Doch die Firma, die überall ist, steckt in einer Führungskrise. Weil ein mächtiger Investor ihren Chef Robert McDonald weggeputscht hat, mitten im größten Umbau der Konzerngeschichte.

Nach 33 Jahren im Unternehmen trat McDonald nun zurück. Er sollte den Konzern in die Zukunft führen und stellt sich jetzt als Platzhalter heraus. Alan George Lafley kehrt zurück an die Spitze, er leitete Procter & Gamble schon einmal von 2000 bis 2009 - und gilt im Unternehmen als Legende.

Der neue Chef, der schon einmal Chef war: Alan George "A.G." Lafley 

(Foto: REUTERS)

McDonald scheiterte vor allem daran, dass Procter & Gamble in Schwellenländern Probleme hat, mit dem Konkurrenten Unilever mitzuhalten. McDonald hatte ein Restrukturierungsprogramm im Volumen von zehn Milliarden Dollar aufgelegt, Tausende Mitarbeiter mussten gehen.

Jetzt also wieder der 66-jährige Lafley. Er steht für Erfolg, kaufte Firmen wie Gillette und das deutsche Unternehmen Wella, das Haarpflegeprodukte herstellt. Zu seiner erneuten Berufung sagte er nun: "Sie riefen an, die Pflicht rief, und ich habe sofort zugesagt."

Zu viel Zeit mit anderen Unternehmen verbracht?

McDonald musste auch aufgeben, weil sich ein mächtiger Wall-Street-Manager in die Personalpolitik des Unternehmens eingemischt hat: Bill Ackman, Manager des Hedgefonds Pershing Square. Der Milliardär besitzt etwa ein Prozent der Anteile an Procter & Gamble. Seit vergangenem Sommer hat er McDonald immer wieder kritisiert. Er warf dem Konzernchef nicht nur vor, die Produktivität nicht genügend zu steigern, sondern auch, dass dieser seinen Hauptberuf vernachlässige. Ackman will ausgerechnet haben, dass McDonald ein Viertel seiner Zeit für die Arbeit in den Aufsichtsräten anderer Unternehmen aufwende. Ackman forderte, sich auf Kernprodukte zu konzentrieren, statt die Palette immer weiter auszubauen. Als McDonald Ende April ein mageres Umsatzwachstum von zwei Prozent vorlegte, stieg der Druck nochmals. Anfang Mai forderte Ackman, der Aufsichtsrat solle sich nach einem neuen CEO umsehen, wenn die Zahlen bis Ende Juni nicht besser würden. Nicht einmal mehr bis dahin haben die Aufseher McDonald nun Zeit gelassen.

Hedgefonds-Manager Ackman macht oft Ärger. Solche Typen wie er heißen an der Wall Street activist investor - einer, der nicht nur Aktien hält und auf Dividende hofft, sondern der sich aggressiv in die Unternehmenspolitik einmischt. Ohne Rücksicht auf Verluste. Zuletzt brachte er den Aktienkurs von Herbalife ins Taumeln, einem US-Diätmittelhersteller. Dessen Vertriebsmodell nannte er ein "Pyramidensystem" und hat nach eigenen Angaben eine Milliarde Dollar gegen die Aktie gewettet. Herbalife verteidigt ihren Vertrieb, bei dem oft kleine Händler zuerst direkt von Herbalife Produkte erstehen müssen, bevor sie sie an die Konsumenten weiterverkaufen. Der Konzern spricht von "Multi-Level-Marketing". Auch beim Einzelhändler JC Penney setzte Ackman vergangenes Jahr seine Personalforderungen durch.

Macht oft Ärger: Hedgefonds-Manager Bill Ackman

(Foto: REUTERS)

Bis jetzt liegt Ackman mit seiner Wette allerdings daneben. Mit diesem "Shareholder-Aktivismus" selbstbewusster Großaktionäre müssen sich immer mehr Unternehmen auseinandersetzen. Daniel Loeb vom Hedgefonds Third Point brachte vergangenes Jahr mit einem offenen Brief Yahoo-Chef Scott Thompson zu Fall, in dem er Thompson nachwies, seinen Lebenslauf geschönt zu haben. Der Investor David Einhorn setzte vor kurzem Apples Chef Tim Cook unter Druck: Er forderte von Firmenchef Tim Cook, sofort ein paar Milliarden der gigantischen Barreserven auszuschütten. Nach längerem Streit knickte Cook ein. Er sagte zu, mehr Geld an Aktionäre auszuschütten.

Kritiker dieser aggressiven Investoren-Strategie sagen, dass sie Investoren schadet, die ihre Aktien als langfristige Anlagen sehen. Schütteten Manager nicht kurzfristig genug Geld an Großaktionäre, würden sie von diesen gestürzt - zum Schaden zurückhaltenderer Anteilseigner.