Rücktritt des Aufsichtsratschefs Cromme kehrt Thyssen-Krupp den Rücken

Eine Ära endet: Gerhard Cromme, langjähriger Aufsichtsratschef des Stahlkonzerns Thyssen-Krupp, zieht sich komplett aus dem Unternehmen zurück. Vor allem dürfte die Wut der Aktionäre auf einen der mächtigsten Manager des Landes eine Rolle gespielt haben.

Lange hatte der Firmenpatriarch Berthold Beitz zu ihm gestanden, jetzt ist die Zeit von Gerhard Cromme doch zu Ende gegangen. Der langjährige Aufsichtsratschef des Stahlkonzerns Thyssen-Krupp zieht sich komplett aus dem Unternehmen zurück. Nach zwölf Jahren an der Spitze des Kontrollgremiums werde er zum 31. März den Posten niederlegen, teilte Thyssen-Krupp mit. Damit endet die Karriere des 70-Jährigen in dem Konzern. Er war lange das Gesicht der deutschen Stahlindustrie und einer der mächtigsten Manager Deutschlands.

Cromme ist seit 2001 Aufsichtsratsvorsitzender. Zuvor war er von 1986 an Vorstandschef der Krupp AG und ihrer Nachfolger.

Berthold Beitz, der ehemalige Generalbevollmächtigte des Dynasten Alfried Krupp, hat offensichtlich das Vertrauen in Cromme verloren. Der 99-jährige Beitz hat große Macht im Konzern, er besitzt ein Viertel der Anteile.

Der Aufsichtsratchef wurde in den vergangenen Monaten immer wieder für Fehlentwicklungen wie das milliardenschwere Desaster der Stahlwerke in Brasilien und den USA sowie Korruptionsfälle und Kartellverstöße mitverantwortlich gemacht. Zuletzt hatte Cromme auf der Hauptversammlung des Unternehmens in Essen sich der harschen Kritik der Aktionäre gestellt, damals aber einen Rücktritt ausgeschlossen (Ein SZ-Report erklärt die Probleme von Thyssen-Krupp).

Der Rückzug stößt deshalb bei Aktionärsvertretern auf Zustimmung. "Wir finden das richtig", sagte der Geschäftsführer der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW), Thomas Hechtfischer. Crommes Nachfolger als Aufsichtsratschef solle von außerhalb kommen, um den Neuanfang zu überwachen.

Auch seinen Posten als stellvertretender Kuratoriumsvorsitzender der Krupp-Stiftung wird Cromme aufgeben. Er erklärte, er wolle einen "personellen Neuanfang ermöglichen". Er wünsche Thyssen-Krupp, dass das Unternehmen "gestärkt" aus der derzeitigen Krise hervorgehe. Vorstandschef Heinrich Hiesinger würdigte Cromme: Der habe das Bild der deutschen Stahlindustrie entscheidend geprägt. Vor allem auf Hiesinger ruhen die Erwartungen, den Konzern von seinen Problemen der Ära Cromme zu befreien.

Im vergangenen Geschäftsjahr hatte der größte deutsche Stahlkonzern fünf Milliarden Euro Minus für das Geschäftsjahr 2011/2012 gemeldet. Ein derart verheerendes Ergebnis hatte es in der Unternehmensgeschichte noch nie gegeben. Als Reaktion hatte das Unternehmen reagiert und den halben Vorstand rausgeworfen: Gleich drei hochrangige Manager mussten Thyssen-Krupp verlassen.

Auch bei Siemens sitzt Cromme im Aufsichtsrat. Was Crommes Rücktritt bei Thyssen-Krupp für seine Zukunft dort bedeutet, wollte der Technikkonzern nicht kommentieren. Siemens äußere sich dazu nicht, weil das "eine klare Angelegenheit von Thyssen-Krupp" sei, sagte ein Sprecher.