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Rücktritt bei Thyssen-Krupp:Endlich, Herr Cromme

Gerhard Cromme tritt als Thyssen-Krupp-Aufsichtsratschef zurück

Gerhard Cromme: Bisher wies er alle Verantwortung für das Desaster bei Thyssen-Krupp von sich, jetzt übernimmt er endlich Verantwortung.

(Foto: dpa)

Der Rückzug war lange überfällig, Gerhard Cromme gibt bei Thyssen-Krupp seine Ämter auf. Zu tief war er verstrickt in die Korruptionsaffären und Milliardenverluste des Stahlkonzerns. Der nächste Schritt ist jetzt bei Siemens in München fällig.

Das ist ein Rückzug, der lange überfällig ist. Gerhard Cromme gibt alle Ämter bei Thyssen-Krupp auf und zieht sich auch aus der Krupp-Stiftung zurück - das ist richtig. Die Krise beim größten deutschen Stahlkonzern gefährdet inzwischen fast dessen Existenz: Milliardenverluste, verunglückte Investitionen in neue Stahlwerke, Korruptionsaffären, interne Querelen.

In dieser Situation ist ein Neuanfang nur ohne Cromme möglich, zu tief ist der langjährige Aufsichtsratsvorsitzende, zuvor viele Jahre selbst Konzernchef, in die Geschichte verstrickt. Er war es, der den bisherigen Kurs vorgegeben hat. Er ist es, der bisher alle Anschuldigungen zurückwies, die Schuld vor allem bei anderen suchte. Jetzt stellt sich Cromme seiner Verantwortung - endlich.

Natürlich hat der mittlerweile 70-Jährige seine Verdienste in der deutschen Wirtschaft. Er hat erst aus Krupp und Hoesch, dann unter Einbeziehung von Thyssen ein Großunternehmen geformt und mehrere Krisen bewältigt. Obendrein hat er Siemens als Chefaufseher nach dem Korruptionsskandal aus der bisher tiefsten Krise geführt und geholfen, die Traditionsfirma neu auszurichten. Doch die Chance für einen gesichtswahrenden Rückzug hat er lange verpasst. Nun verliert er in Essen alles. Was heißt das für München?

Noch ist Cromme Aufsichtsratsvorsitzender von Siemens. Natürlich hat die Krise bei Thyssen-Krupp nicht direkt etwas mit Siemens zu tun. Dennoch ist es fraglich, ob Cromme hier eine Brandmauer errichten kann. Schon wächst der Unmut auch in München. Cromme sollte aus den vergangenen Monaten gelernt haben und rasch sein Mandat hier aufgeben. Er ist schwer angeschlagen, ein Mann von gestern, eine Belastung. Auch Siemens hat Probleme und braucht frischen Wind.