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Rückschlag für EADS:USA schreiben Tankflugzeug-Auftrag neu aus

Der europäische Raumfahrtkonzern EADS droht den wichtigsten Rüstungsauftrag seiner Geschichte in Amerika zu verlieren. Die USA werden einen 40-Milliarden-Dollar-Auftrag für die Lieferung von 179 neuen Tankflugzeugen neu ausschreiben. Damit erhält Boeing eine neue Chance, ein besseres Angebot vorzulegen.

Nikolaus Piper

Verteidigungsminister Robert Gates gab mit seiner Entscheidung einer Beschwerde von Boeing nach und folgte im übrigen den Empfehlungen des amerikanischen Rechnungshofs Government Accountability Office (GAO). Das neue , beschleunigte, Verfahren werde "transparent" sein, sagte Gates am Mittwochabend vor Journalisten in Washington. Er hoffe, dass bis Ende des Jahres feststehe, wer den Zuschlag bekommt. Die Konkurrenten EADS und Boeing können neue modifizierte Angebote abgeben.

Boeing und EADS konkurrieren erneut um den Milliardenauftrag.

(Foto: Foto: AP)

Die Bedeutung der Entscheidung zeigt sich darin, dass die neue Ausschreibung nicht mehr von der Luftwaffe, sondern vom Verteidigungsministerium selbst überwacht werden soll. Dafür verantwortlich ist der für das Beschaffungswesen zuständige Staatssekretär John Young. Young hatte bereits an der ersten Ausschreibung mitgewirkt.

Die Luftwaffe hatte den Auftrag für die Flugzeuge im Februar überraschend an ein Konsortium aus EADS und dem US-Rüstungskonzern Northrop Grumman vergeben. Das angebotene Flugzeug basiert auf einem Airbus. Der Auftrag ist der größte in der Geschichte der amerikanischen Luftwaffe. In den vergangenen 50 Jahren hatte Boeing sämtliche Tankflugzeuge der USA geliefert.

EADS-Partner Northrop Grumman hatte einräumen müssen, sich bei den Betriebskosten für das Tankflugzeug verrechnet zu haben. Dabei handele es sich aber nur um "kleinere Fehler", die keine Auswirkungen auf das Ergebnis hätten, erklärte der Konzern im vergangenen Monat. Der Rechenfehler könnte allerdings im Laufe des neuen Verfahrens noch eine wichtige Rolle spielen. Eine EADS-Northrop-Maschine soll während ihrer gesamten Betriebsdauer 108,01 Milliarden Dollar kosten, das Boeing-Modell nur 34 Millionen Dollar mehr.

Allerdings betonte die Luftwaffe immer wieder, dass es bei ihrer Entscheidung nicht nur um Kosten, sondern auch um bestimmte Qualitätsmerkmale des Flugzeugs gegangen sei. Ausschlaggebend war angeblich, dass das auf dem Airbus basierende Modell größer als das von Boeing ist und mehr Treibstoff und mehr Passagiere transportieren kann. Die Kritik des Rechnungshofes GAO ging allerdings wesentlich weiter. Die Luftwaffe habe "irreführende und unausgewogene Verhandlungen" mit Boeing geführt und das Unternehmen im Glauben gelassen, alle Anforderungen erfüllt zu haben.

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