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Rückkauf:Bund druckt wieder selbst

Alles auf Anfang: Der Bund holt sich die Bundesdruckerei zurück - rund acht Jahre nach dem Verkauf an einen privaten Investor. Die Begründung: sicherheitspolitische Interessen.

Thomas Fromm

Acht Jahre nach ihrer Privatisierung geht die Bundesdruckerei wieder an den Staat zurück. Wie das Berliner Unternehmen am Dienstagabend mitteilte, hätten sich Bundesfinanz- und Bundesinnenministerium mit den Gesellschaftern auf die Komplettübernahme des Herstellers von Reisepässen, Personalausweisen und Banknoten verständigt. Grund für die Entscheidung, die Druckerei wieder an den Bund zu verkaufen, sei die "Wahrung nationaler Sicherheitsinteressen" gewesen.

Alles in Ordnung? Frisch gedruckte Geldscheine werden mit der Lupe geprüft.

(Foto: Foto: dpa)

Die jüngste Geschichte der Bundesdruckerei ist die Geschichte einer fehlgeschlagenen Privatisierung. Im Jahre 2000 wurde sie vom damaligen Bundesfinanzminister Hans Eichel für rund eine Milliarde Euro an den Finanzinvestor Apax verkauft. Der Verkauf endete für das Unternehmen mit einem Schuldenberg, der es beinahe in den Bankrott trieb. Zudem geriet die Bundesdruckerei nach Einbrüchen im Telekommunikationsmarkt und hohen Belastungen bei der damaligen Tochter ORGA Kartensysteme GmbH immer stärker unter finanziellen Druck.

Zwei Jahre nach dem Verkauf stieg der Investor wieder aus; seitdem gehört der frühere Staatsbetrieb einem Treuhänder - und gilt heute als saniert. Inzwischen schreibt die Druckerei mit ihren weltweit 1300 Mitarbeitern nach eigenen Angaben wieder Gewinne. Details der Übernahme wurden am Abend nicht mitgeteilt, auch der Preis blieb zunächst unbekannt.

Sensible Daten

Aus mit den Verhandlungen befassten Kreisen erfuhr die SZ jedoch, dass der Bund für die Übernahme keine Barmittel zur Verfügung stellen müsse. "Der Bund wandelt einfach bisherige Darlehen in Eigenkapital um", hieß es am Abend. Kreisen zufolge soll es sich dabei um einen Betrag von 310 Millionen Euro handeln.

Vor allem das Innenministerium hatte zuletzt auf eine starke Position Berlins an der Bundesdruckerei gedrängt. Grund: Die Daten der Druckerei gelten als brisant; sie verfügt über Adressen, Fotos und Unterschriften der Bundesbürger.

Auch deshalb war man wählerisch: Mit deutschen Interessenten wie dem Elektronikkonzern Bosch, der Münchner Geldschein-Druckerei Giesecke & Devrient sowie dem TÜV Nord konnte man sich offenbar nicht auf einen Preis einigen. Ausländische Bieter wie das US-amerikanische Technologieunternehmen 3M oder der französische Elektronikkonzern Sagem bekamen wegen nationaler Sicherheitsbedenken schließlich eine Absage. Anfangs war noch von einer Minderheitsbeteiligung des Staates die Rede. Am Ende sei es "auf eine Komplettübernahme durch den Bund herausgelaufen", heißt es in Berlin.

Die Bundesdruckerei hat eine lange Historie. Sie startete bereits 1879 als "Reichsdruckerei" und zählt heute zu den weltweit führenden Anbietern von Dokumenten wie Ausweisen und Reisepässen. 2007 kam das Unternehmen nach eigenen Angaben auf insgesamt 292 Millionen Euro Umsatz.

"Bekenntnis zum Standort Berlin"

Mit dem Verkauf an den Bund seien nun die Voraussetzungen für eine erfolgreiche Weiterführung der Bundesdruckerei im Geschäft mit Banknoten gewährleistet, heißt es. "Der Erwerb der Bundesdruckerei GmbH schafft auch eine sicherheitspolitische Voraussetzung zur Vergabe der Herstellung des elektronischen Personalausweises an die Bundesdruckerei GmbH."

Das Unternehmen werde an seinem Standort in Berlin eine neue Produktionsanlage mit einem Gesamtwert von bis zu 50 Millionen Euro aufbauen. Hiermit solle ein "Bekenntnis zum Standort Berlin" gegeben werden.

© SZ vom 10.09.2008/dmo
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