Ernő Rubik:Ein Mann und das 43-Trillionen-Projekt

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Ernő Rubik ist emeritierter Architekturprofessor. Für seine Studenten, so erzählt er es zumindest, erfand er einst den Zauberwürfel. (Foto: dpa)
  • Der Ungar Ernő Rubik erfand einst den Zauberwürfel mit seinen 43 Trillionen Kombinationsmöglichkeiten.
  • Für ihn hat der Würfel nicht nur einen digitalen Reiz, sondern ist auch ein Kunstobjekt.
  • Vor 40 Jahren entdeckte ein Spieleerfinder den Würfel auf einer Spielwarenmesse und machte ihn weltweit bekannt.

Von Jonas Schulze

Egal wohin Ernő Rubik reist, seine Erfindung ist immer vor ihm da. Auf der Nürnberger Spielwarenmesse drängen sich die Besucher um seinen Stand. Die meisten hoffen auf ein Autogramm. In der rechten Hand hält Rubik einen Zauberwürfel, in der linken einen schwarzen Filzstift. Bevor er den Stift ansetzt, dreht er den Würfel um 90 Grad. Und dann schreibt er; aber nicht von links nach rechts, sondern von oben nach unten. Der Linkshänder Rubik hat eine Technik entwickelt, bei der seine Hand die Buchstaben nicht verwischt.

Ernő Rubik ist Erfinder, emeritierter Architekturprofessor und einer der berühmtesten Ungarn. Heute ist er an den Ort gekommen, an dem sein Erfolg vor etwas mehr als 40 Jahren begann. Hier, auf der Nürnberger Spielwarenmesse hatte der Spieleerfinder Tom Kremer den Würfel entdeckt und beschlossen, das Spiel aus dem damaligen Ostblock auch im Westen bekannt zu machen. Kremer erwarb die Markenrechte und verkaufte sie an eine amerikanische Spielzeugfirma. Die Amerikaner hofften auf eine Million verkaufte Exemplare, was sich als gewaltige Fehleinschätzung herausstellte. Statt der geplanten Million wurden schon im ersten Jahr 30 Millionen Stück verkauft. Heute ist Rubiks Cube, der seit 1980 unter dem Namen seines Erfinders vermarktet wird, Teil der Popkultur und wurde weltweit über 450 Millionen Mal verkauft.

"Wenn man den Würfel gelöst hat, ist man noch lange nicht fertig"

Auf der Nürnberger Messe drängen sich Journalisten um den 75-jährigen Erfinder. Rubik ist etwa 1,70 Meter groß, hat kurze graue Haare und ist sonnengebräunt. Er lächelt, zieht die Mundwinkel nach oben, aber von den Fotografen hält er so viel Abstand wie möglich. Mit leiser Stimme erzählt er von seiner Zeit als Architekturprofessor in Budapest. Den Würfel habe er erfunden, um das räumliche Denken seiner Studenten zu verbessern. Die Idee habe er im Frühjahr 1974 gehabt und dann aus Holz den ersten Prototypen gebaut. Das Herzstück der Erfindung sei die sternförmige Mechanik, die eine Rotation um drei Achsen ermögliche. Die Erfindung bekannt zu machen, sei aber der schwierigste Teil gewesen. Von der Patentanmeldung bis zur Produktion seien fast drei Jahre vergangen. Werbung habe es im damals sozialistischen Ungarn nicht gegeben und auch auf die Produktion habe er kaum Einfluss gehabt. Trotzdem schaffte der Zauberwürfel den Sprung über den Eisernen Vorhang. Er wisse nicht, ob er der erste Dollarmillionär im Ostblock gewesen sei, sagt Rubik. Das schönste an seiner Erfindung sei aber, dass seine sechs Enkelkinder gut versorgt seien.

Rubik glaubt, dass der Erfolg des Würfels damit zusammenhängt, dass er an der Schwelle vom analogen zum digitalen Zeitalter erfunden wurde. "Als Geduldsspiel hat der Würfel einen digitalen Reiz", sagt Rubik. "Die Lösung beruht auf Algorithmen." Gleichzeitig sei er aber auch ein analoges, physisches Objekt. Der Würfel weckte auch das Interesse vieler Mathematiker, die versuchten den effizientesten Lösungsweg zu finden. Keine leichte Aufgaben bei mehr als 43 Trillionen Kombinationsmöglichkeiten. Im Jahr 1982 wurde die erste Rubiks-Weltmeisterschaft ausgetragen und der Würfel wurde zum Wettkampfobjekt. Der Weltrekord liegt heute bei 3,47 Sekunden, ein Mann aus China hält ihn.

Rubik selbst macht sich nichts aus Geschwindigkeit. Beim ersten Mal habe er über einen Monat gebraucht, um den Würfel zu lösen. Für ihn ist der Würfel kein Rätsel, sondern ein Spiel und ein Kunstobjekt. "Wenn man den Würfel gelöst hat, ist man noch lange nicht fertig", sagt Rubik. Auf die Frage, warum der Zauberwürfel auch heute noch so viele Menschen fasziniert, hat er eine einfache Antwort: "Die Oberfläche der Welt hat sich verändert", sagt Rubik, "aber unsere Gefühle, unsere Sehnsüchte sind immer noch dieselben wie vor Tausenden Jahren."

© SZ vom 31.01.2020 - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
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