Es ist sein Vermächtnis. Und deshalb ist klar, dass Thomas Rabe, 60, der Noch-Chef des Fernsehkonzerns RTL, sein großes Projekt noch ins Ziel bringen will. Im vergangenen Sommer hatte RTL die Übernahme des deutschen Abosenders Sky verkündet. Noch steht die Genehmigung der europäischen Wettbewerbsbehörde aus, doch die soll nun offenbar bald kommen. „Ich bin sehr zuversichtlich, dass die EU-Kommission zustimmen wird“, sagt Rabe am Donnerstag. Er gehe davon aus, dass die Freigabe schon „zu Beginn des zweiten Quartals“ kommen könnte, fügt er an. Das wäre also vielleicht schon im April.
Der Optimismus von Rabe ist überraschend, denn Wettbewerbsbehörden mögen es eigentlich nicht, wenn ihre Entscheidungen öffentlich vorweggenommen werden. Aber offenbar hat RTL bereits viele und intensive Gespräche in Brüssel geführt, die offizielle Anmeldung des Übernahmevorhabens sei dann vor zwei Wochen erfolgt. Alles sei „sehr gut vorbereitet“, heißt es. „Es gibt so gut wie keine Überschneidungen“, ist sich Rabe sicher.
Sky Deutschland mit Hauptsitz in Unterföhring bei München gehört derzeit zum amerikanischen Medienkonzern Comcast, der sucht aber bereits seit Längerem nach einem Käufer. Sky hat unter anderem einen größeren Teil der attraktiven Pay-TV-Rechte an der Fußball-Bundesliga, zeigt aber in seinem Streamingdienst Wow auch Filme und Serien. Die Kunden sind eher männlich und älter und zahlen höhere durchschnittlich Abo-Gebühren als die bei RTL Plus, dort ist die Kundschaft jünger und weiblicher.
RTL Plus hat jetzt sieben Millionen Abonnenten
Es geht um viel. Denn die Übernahme von Sky wäre nicht nur eine der größten Transaktionen des RTL-Mutterkonzerns Bertelsmann seit Langem. Sie ist für RTL auch von hoher strategischer Bedeutung. Das Streamingangebot RTL Plus habe derzeit in Deutschland etwa sieben Millionen zahlende Kunden, Tendenz steigend, teilt das Unternehmen mit. Sky kommt gleichzeitig auf etwa fünf Millionen. Zusammen mit Sky wäre RTL damit mit zwölf Millionen Abonnenten auf dem Streamingmarkt in Deutschland die Nummer drei hinter Marktführer Netflix und Amazon Prime. „Unsere Stärke sind lokale Inhalte“, glaubt Rabe.
Rabe ist in Personalunion auch Chef des Mutterkonzerns Bertelsmann und wird auch dort den Job noch in diesem Jahr aufgeben. Er hatte in den vergangenen Jahren das Streaminggeschäft von RTL aufgebaut. In diesem Jahr soll RTL Plus nun erstmals operativ Gewinne machen, teilt er mit. Geplant sei ein positives Ergebnis zwischen 25 und 50 Millionen Euro, 2025 lag das Minus noch bei 47 Millionen Euro. Der Streamingumsatz soll bei 600 bis 650 Millionen Euro liegen, da ist Sky noch nicht eingerechnet. Durch die Übernahme soll es Synergien von 250 Millionen Euro im Jahr geben. Ob dazu auch Personal abgebaut werden muss und wenn, in welchem Ausmaß, ist offen. „Streaming wird der wichtigste Treiber für weiteres Gewinnwachstum in den kommenden Jahren sein“, sagt Rabe.
RTL hat 2025 einen Umsatz von sechs Milliarden Euro und einen Gewinn von gut einer Milliarde Euro gemacht. Darin enthalten ist auch der Erlös aus dem Verkauf der TV-Aktivitäten in den Niederlanden. Der operative Gewinn ist 2025 gesunken. Seit Langem geht das Geschäft mit linearen Fernsehsendern zurück, die Werbeeinnahmen sinken. RTL war früher immer der größte Gewinnbringer für den Bertelsmann-Konzern. Der Heimatmarkt von RTL ist Deutschland, dort wurde zuletzt die Zeitschriftentochter Gruner + Jahr eingegliedert. Derzeit werden rund 600 Jobs abgebaut. Die Privatsendergruppe Pro Sieben Sat 1, die in schweren Problemen ist und gerade von der italienischen Berlusconi-Firma MFE übernommen wurde, sei zum Beispiel gar kein Konkurrent mehr. „Wir schauen in Deutschland nicht auf Pro Sieben Sat 1, sondern auf die amerikanischen Streamer“, sagt der RTL-Chef.
Zur Zukunft der RTL-Aktivitäten in Ungarn betont Rabe, es gebe keine Pläne für einen Verkauf. RTL investiere vielmehr massiv. Gerüchte, dass RTL in Ungarn verkaufen wolle, würden bewusst gestreut, meint Rabe, um Kunden und Mitarbeitende zu verunsichern. Immer wieder heißt es in Ungarn, Viktor-Orbán-nahe Unternehmen wollten RTL erwerben. Die Deutschen gelten in Ungarn als eines der letzten politisch unabhängigen Medienunternehmen.


