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Rossmann-Drogerien:Der Herr der kleinen Preise

Dirk Roßmann - das ist eine Karriere im Tellerwäscher-Stil. Die Eltern betrieben eine kleine Drogerie in Hannover, die auf 20 Quadratmetern täglich 600 DM einbrachte.

Nach der Grundschule machte Roßmann daheim eine Drogisten-Lehre, und während der Bruder studierte, half er im Familienbetrieb mit. Er fand das in Ordnung, solange ihm nebenher genügend Zeit für Bücher blieb, seinen "Brücken zu anderen Welten".

Doch Roßmann war alles andere als ein verträumter Bücherwurm. Im Alter von 25 Jahren, konkret am 17. März 1972, eröffnete er seinen ersten Drogerie-Supermarkt. In Deutschland war gerade die Preisbindung gefallen, und in dem jungen Drogisten war der Unternehmer erwacht. "Mir war klar, jetzt tut sich was im Handel."

Scotchbritt-Schwamm für 1,19 DM

Sein Laden punktete von Anfang an mit Discount-Preisen, verkaufte zum Beispiel den Scotchbritt-Schwamm für 1,19 statt 1,50 DM. Am ersten Abend war sein Laden leergekauft, und das sei die Geburtsstunde des deutschen Drogeriemarktes gewesen: "Danach kamen nur noch Plagiate."

Ans Aufhören denkt Roßmann noch lange nicht. Er hat zwei erwachsene und "sehr am Geschäft interessierte" Söhne und ist zuversichtlich, dass Rossmann ein Familienunternehmen bleibt.

So ganz selbständig ist er seit vier Jahren nicht mehr. Die Drogeriemarkt-Tochter des Hongkonger Hutchison Whampoa-Konzerns besitzt 40 Prozent des Kapitals, mischt sich aber, versichert Roßmann, nicht ins Geschäft ein. "Sie werden keinen Chinesen im Haus entdecken."

Kein Jetset-Leben

Der Name Roßmann findet sich auf den Listen der 300 reichsten Deutschen, aber das Jetset-Leben, sagt er, liege ihm nicht. Er besitze weder ein Flugzeug noch ein Haus in Frankreich, und in der Bunten sei er auch nicht zu finden. Die eine oder andere Fernseh-Talkshow will er in den kommenden Wochen aber doch besuchen - um aus seinem prallen Unternehmerleben zu erzählen.