Roller Vespa Elettrica

(Foto: Piaggio)

Italiens Kultroller bekommen eine Lithium-Ionen-Batterie - so wird aus der alten Straßenikone auf ihre alten Tage noch ein sehr modernes Elektro-Vehikel. Der Hersteller Piaggio verspricht ein "zeitgenössisches Kunstwerk mit technischem Herz".

Von Thomas Fromm

Am Anfang sah die Wespe ja noch aus wie eine Ente, und deshalb nannte man das, was da 1946 über das alte Flugzeug-Fabrikgelände im toskanischen Pontedera rollte, "Paperino". Das Entchen. Aber dem Unternehmer Enrico Piaggio gefiel das Entchen noch nicht richtig, und so ließ er den Hubschrauber-Ingenieur Corradino D'Ascanio, der von sich sagte, dass er keine Motorräder mochte, das Entchen noch einmal überarbeiten. Der Meister stellte zwei sitzende Menschen in den Mittelpunkt, oder besser: ihre Sitzbank. Den Rest drapierte er darum herum, und als er dann fertig war mit dem Entchen, sagte Piaggio: "Sembra una Vespa". "Sieht aus wie eine Wespe."

Da war sie also, die Vespa. Ein Zweitakter für junge Liebes- und alte Rentnerpaare, für Männer und Frauen, für die Hipster in Rom und Mailand und für die Bauern aus den Ebenen der Emilia Romagna und den Hügeln des Piemonts. Für alle also. Der Unterboden schützte vor Dreck, der Rahmen vor Wind, und die Sitzhaltung war, anders als bei den herkömmlichen Motorrädern: unbedingt aufrecht. Piaggio baute nun günstige Roller statt Kampfbomber, und die Welt hatte eine italienische Ikone. Mehr als 70 Jahre später wird die Wespe nun elektrifiziert. Piaggio will im Oktober eine E-Vespa auf den Markt bringen, die Reichweite des Rollers, der von einer Lithium-Ionen-Batterie unter dem Helmfach in der Sitzbank angetrieben wird und es auf bis zu fünf PS bringen soll: 100 Kilometer. Wer sich auf die Elettrica einlässt, muss eine Aufladezeit von vier Stunden für die Batterie einkalkulieren. Ein Vespa-Roller, der sich über Bluetooth mit dem Smartphone verbinden lässt, der ein TFT-Display am Lenker hat und der, wie es heißt, eher zu den teureren Modellen im Piaggo-Portfolio gehören wird - die Italiener machen sich also bereit für die Zukunft. Das ist unternehmerisch vernünftig und wahrscheinlich auch allerhöchste Zeit, denn andere Roller-Hersteller - allen voran die Rivalen aus China - haben längst so etwas im Angebot. Allerdings waren deren Roller ja auch nie Kultobjekte. Geschweige denn Filmstars.

Die Vespa dagegen ist eine alte Diva. Vom großen Rom-Auftritt mit Audrey Hepburn und Gregory Peck in "Vacanze Romane" ("Ein Herz und eine Krone") über die Mod-Rockoper "Quadrophenia" bis zum Matt-Damon-Roller in "Der talentierte Mr. Ripley" - Vespas fuhren beständig durch die Filmgeschichte. Bei der elektrischen Vespa handele es sich nun um ein "zeitgenössisches Kunstwerk mit technischem Herz", heißt es aus Pontedera. Bei Piaggio hat man verstanden, was hier gerade auf dem Spiel steht.