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Rolex und die Krise:In falschen Händen

Angst vor dem Wühltisch: Wegen der geringen Nachfrage nach Luxusuhren kauft der Hersteller Rolex die edlen Uhren von seinen Händlern zurück - um das Angebot zu verknappen.

Marc Badertscher

Rolex. Wer schätzt nicht das zeitlose Design? Die beruhigende Unzerstörbarkeit einer Cosmograph Daytona in Stahl mit schwarzem Zifferblatt für 10.400 Franken - gerade in der Krise.

Rolex, getty

Der Uhrenhersteller Rolex kauft seine Schmuckstücke zurück - aus Angst vor Dumpingpreisen.

(Foto: Foto: getty)

"Wir haben bisher alles verkauft, was uns Rolex geliefert hat", sagt René Beyer, Chef der gleichnamigen Zürcher Luxusuhren-Boutique. Doch offenbar läuft das Geschäft nicht überall gleich gut wie in der Zürcher Bahnhofstrasse. Auch bei Rolex - das Genfer Unternehmen gehört einer Stiftung - macht sich die weltweite Wirtschaftskrise bemerkbar. Verschiedene Händler berichten, Rolex habe begonnen, eigene Uhren zurückzukaufen. "Sie machen Rücknahmeangebote", heißt es. Zu viele Uhren warten in den Vitrinen auf Käufer, die Gefahr von Dumpingpreisen wächst, und damit leidet das Image des Luxusanbieters.

"Das wäre das Horrorszenario für Rolex", sagt ein Händler. Konkret nimmt der Uhrenhersteller Ware von konzessionierten Händlern zurück. Nur diese werden von den Genfern beliefert. Sie sind der offizielle Verkaufskanal, aber nicht der einzige. Und hier liegt das Problem: Tausende Händler weltweit ohne Konzession bieten ebenfalls echte Rolex-Uhren an, meist zu deutlich niedrigeren Preisen. "Natürlich erhalten wir die Uhren nicht direkt von Rolex oder den konzessionierten Händlern", sagt einer aus der Zentralschweiz. Das gehe meist über bis zu fünf Leute. "Am Anfang aber steht jeweils ein Konzessionär", sagt ein anderer Händler aus Deutschland: "Und auch die müssen schauen, dass ihre Lager geleert werden."

Heikel wird es für Rolex, wenn ein Vertragshändler in ernsthafte wirtschaftliche Schwierigkeiten gerät - in der Krise nicht unwahrscheinlich. Um zu überleben, verkauft er, was er kann. Auch zu Dumpingpreisen. Die Image-Abteilung beim Luxusuhren-Hersteller dürfte an diesem Szenario keine Freude haben.

Angst vor den schwarzen Schafen

Schwerpunkte der Rückkaufaktion sind offenbar Asien und Amerika. Gerade im Fernen Osten hat Rolex den Vertrieb in den vergangenen Jahren stark ausgebaut. Ein eben aus Asien zurückgekehrter Händler berichtet, man bekomme dort derzeit so viele Rolex, wie man wünsche. "Wenn Rolex in Asien in der Krise nicht schnell reagiert, geraten die Uhren rasch in falsche Hände", sagt er. In Japan werden beispielsweise etwa 30 Prozent der Luxusuhren über den Graumarkt an die Kunden gebracht. Über Mittelsmänner geraten billig verkaufte Uhren dann wieder zurück nach Europa, wo sie bei nichtlizenzierten Uhrenhändlern auftauchen. "Wir erhalten gegenwärtig viel Ware", sagt ein Händler in Deutschland. Das Angebot sei größer als früher, die Preise geraten unter Druck.

Genau aus diesem Grund interveniert Rolex. Über die gebotenen Rückkaufpreise ist bisher noch wenig bekannt. Ein Händler erzählt, sie lägen unter dem Einstandspreis. In Europa hat Rolex den konzessionierten Vertreibern noch keine Rücknahmeangebote unterbreitet. Die Lieferungen von neuen Uhren würden aber verknappt, heißt es. Und es sei auch schon die Mahnung ausgesprochen worden, Ware nicht zu billig abzugeben. Auch unter den von Rolex selbst belieferten Händlern gebe es schwarze Schafe, heißt es.

In der Branche wird das unkonventionelle Vorgehen von Rolex als "sehr gute Maßnahme" bewertet. Das Management behalte so die Kontrolle über das Marktgeschehen. Niemand beherrsche es so perfekt wie Rolex, das Angebot zu verknappen, sagen mehrere Branchenkenner übereinstimmend. Rolex selbst wollte zu den Rücknahmeangeboten an die Händler nicht Stellung nehmen.

© SZ vom 19.06.2009/tob

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