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Roland Berger:Sperrfeuer gegen einen Deal, der die Welt verändern sollte

In der Beratungsfirma Roland Berger trieb der Chef Martin Wittig ein Großprojekt voran und wollte beim Wirtschaftsprüferriesen Deloitte unterschlupfen. Doch dann meldeten sich seine Partner.

Franz Baden

Es klang alles so schön: Neuer Partner, große Geschäfte weltweit, die Konkurrenz geschockt - die Übernahme der Münchner Beratungsfirma Roland Berger durch den Wirtschaftsprüferkonzern Deloitte machte Schlagzeilen.

Überraschende Wende: Roland-Berger-Manager Martin Wittig

Überraschende Wende: Roland-Berger-Manager Martin Wittig

(Foto: dpa)

Doch am Samstag hat es in Frankfurt am Main eine überraschende Wende gegeben. 172 von 200 Partnern der Unternehmensberatung Roland Berger waren anwesend - und entschieden auf dem außerordentlichen Treffen, lieber unabhängig zu bleiben. Offenbar gab es nur eine Gegenstimme. Die Partner von Roland Berger hätten nach den Statuten dem Deal mit einer Quote von 75 Prozent zustimmen müssen, es hätten aber wohl angesichts der Schwere der Entscheidung 90 Prozent sein sollen.

"Die große Mehrheit hat sich entschieden, in Zukunft weiter den eigenen Weg zu gehen", heißt es aus Unternehmenskreisen. Das Kaufangebot wurde abgelehnt. Stattdessen kamen die Partner überein, mehr Kapital einzubringen, um im Kampf mit den Wettbewerbern Terrain zu gewinnen. Die genaue Summe liegt noch nicht fest, darüber soll beim turnusmäßigen Treffen der Partner am 10./11. Dezember entschieden werden.

Es habe immer zwei Optionen gegeben, so die interne Darstellung: Verkauf an Deloitte oder den unabhängigen Weg. Vorzeitig sei in der Presse darüber berichtet worden. Tatsächlich seien immer schon Kaufwünsche bei der Firma Roland Berger eingegangen. Die Offerte von Deloitte sei so interessant gewesen, dass der Gründer und Ehrenvorsitzende Roland Berger dem Chef Martin Wittig und den Aufsichtsratsvorsitzenden Burkhard Schwenker gebeten habe, sie genau zu prüfen.

Dies sei geschehen - mit dem eindeutigen Votum der Partner. Auch Wittig soll mit der neuen Lösung zufrieden sein. Er war als Chef des neuen Unternehmens Berger Deloitte Strategy Consultants (RBDSC) gesetzt.

Manche der Berger-Leute haben sich offenbar erinnert, wie lähmend einst die Geschäfte als Tochter der Deutschen Bank waren und wie schwer der Neustart war. Noch heute müssen Alt-Kredite für den Rückkauf bezahlt werden.

Martin Wittig hat als neuer Berger-Chef damit gleich in seinen ersten Monaten Schwerstarbeit zu verrichten. Er gewann den Ex-Bahn-Chef Hartmut Mehdorn sowie den langjährigen CDU-Politiker Ole von Beust als Berater und war ganz auf Expansion ausgerichtet. Noch vor kurzem erklärte er in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, in der Strategieberatung seien die großen Wirtschaftsprüfungsgesellschaften - so wie KPMG oder Deloitte - für ihn keine Konkurrenten.

"Allerdings buhlen sie mit uns um die gleichen operativen Projekte, etwa Prozessketten- oder Einkaufsoptimierung. Auch in der Restrukturierung konkurrieren sie mit uns", führte Wittig aus und erläuterte, der Kunde könne selbst entscheiden. Natürlich hätten die Wirtschaftsprüfungsfirmen ein anderes Honorarmodell, "das 50 Prozent niedriger ist als unseres".

In diesem Markt erschien dem Roland-Berger-Chef die diskutierte Allianz vorteilhaft. Deloitte sollte die Unternehmensberatung übernehmen und mit einem Teil des eigenen Beratungsgeschäfts zusammenführen.

Der Chef von Deloitte Deutschland, Martin Plendl, bestätigte ebenso wie Roland Berger entsprechende Verhandlungen.

Laut Manager Magazin sollten die Partner ihre Anteile an Deloitte verkaufen und anschließend Anteile der jeweiligen nationalen Deloitte-Gesellschaften zeichnen. Die Firma Roland Berger setzte 2009 rund 650 Millionen Euro um und beschäftigt weltweit etwa 2000 Mitarbeiter.

© sueddeutsche.de/odg

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