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Rohstoffgewinnung in der Tiefsee:"Die Ozeane sind der neue Wilde Westen"

Vorstoß in eine Welt voller Rätsel und Geheimnisse: Papua-Neuguinea vergibt die erste Lizenz für eine Mine am Meeresboden. Ein kanadisches Unternehmen will dort Gold und Silber fördern. Wissenschaftler und Meeresschützer fürchten um die unerforschten Lebensräume. Sie wollen den Tiefenrausch stoppen.

Papua-Neuguinea hat den Lauf der Weltgeschichte bisher nicht gestaltet. Das Inselreich im Pazifik war ein Spielball im Kräftemessen der Kolonialländer. Holländer, Deutsche und Briten rangen um die Vorherrschaft über das rohstoffreiche Land. Später lieferten sich Japan und die US-Marine erbitterte Gefechte. Erst jetzt hat Papua-Neuguinea Geschichte geschrieben, wenn auch weitgehend unbemerkt. Das bitterarme Land hat eine neue Front im globalen Kampf um Ressourcen eröffnet: die Tiefsee.

In der Tiefsee wimmelt es von Leben

Farbige Korallen in 1000 Metern Tiefe. Die Suche nach Rohstoffen in der teils noch völlig unberührten Tiefsee ist nicht unumstritten - Kritikern ist das Wissen, das in den Tiefen darauf wartet, gesammelt zu werden, wertvoller als Gold, Silber, Kupfer und Seltene Erden.

(Foto: dpa)

Die Regierung in Port Moresby hat die weltweit erste Lizenz für eine Mine am Meeresboden ausgegeben. Zwanzig Jahre lang darf die kanadische Aktiengesellschaft Nautilus Minerals wertvolle Metalle vom Grund der Bismarcksee fördern. "Solwara 1" heißt das Pilotprojekt. Es geht um gewaltige Reichtümer: Gold, Silber, Kupfer, später auch um Seltene Erden. Ein paar Fragen sind aber noch zu klären. Nach Branchenangaben gibt es Streit mit der Regierung von Papua-Neuguinea, die Partnerin von Nautilus bei diesem Projekt. Offenbar legen beide Seiten die Verträge unterschiedlich aus, ein ehemaliger Richter soll bald schlichten.

Nautilus - so wie das Tauchboot in Jules Vernes Roman "20 000 Meilen unter dem Meer" heisst die kanadische AG. Und nicht nur der Name des Unternehmens, das gesamte Projekt erinnert an die Phantasie des Schriftstellers. Seit 1997 versucht Nautilus die Schätze der Tiefsee zu bergen. Anfangs hatten Skeptiker den Firmenchef Stephen Rogers als Träumer verhöhnt. Minen auf dem Meeresgrund erschienen ihnen so praktikabel wie Förderstationen auf dem Mars - doch nun wird der Traum Realität. Rogers' Mission markiert den Beginn einer neuen Ära des Rohstoffabbaus. Im Gespräch mit der Süddeutschen Zeitung schwärmt der Nautilus-Chef von einem "historischen Moment" und der Pionierarbeit. "2014 wird die Förderung beginnen", sagt er und verspricht Papua-Neuguinea einen Geldregen. Mit 30 Prozent ist das Land an dem Projekt beteiligt.

Seit sich die Schwellenländer im Eiltempo industrialisieren, kennt die globale Rohstoffgier keine Grenzen mehr. Regenwälder werden abgeholzt, Flüsse vergiftet. Selbst im ewigen Eis wird nach Metallen gegraben und geschürft. Warum also nicht auf dem Meeresboden? Die Ölkonzerne haben es vorgemacht. Die Plattform Deepwater Horizon war ein Monument des technisch Möglichen - bis sie zum Menetekel der menschlichen Hybris wurde.