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Rohstoffabbau in Grönland:Rubine, versteckt im ewigen Eis

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Hofft auf Rohstoffboom: Grönland

(Foto: AFP)

Boom dank Eisschmelze: Grönland beherbergt Rohstoffschätze wie Rubine und Öl im Milliardenwert. Doch die Einwohner sind finanziell nicht in der Lage, die nötigen Häfen, Straßen und Kraftwerke zu bauen, um ihre Insel in eine Rohstoffmacht zu verwandeln. Die Chinesen schon.

Geologen wissen schon lange, dass tief unter dem arktischen Eis große Schätze verborgen liegen. Viele Meter unter dem Eis und der Erde liegen Eisen, Kupfer, Nickel, Zink, Seltene Erden und Rubine. Vor der Küste liegen zudem Öl und Gas unter dem Meeresboden.

Firmen aus den unterschiedlichsten Ländern profitieren von der investitionsfreundlichen Politik in Grönland und haben bereits über 1,7 Milliarden Dollar in potenzielle Förderprojekte investiert. Eine britische Firma sucht nach Eisenerz, die Schotten wollen das Öl unter dem Meeresboden, Australien jagt Seltenen Erden nach, die Kanadier graben nach Rubinen und auch chinesische Bergbaukonzerne wollen ein Stück vom Kuchen abhaben.

Die Eisschmelze der vergangenen Jahre hat den Rohstoffabbau in dem dänischen Territorium überhaupt erst möglich gemacht. Doch die 56.000 Einwohner der weltgrößten Insel sind wirtschaftlich nicht in der Lage, die nötigen Häfen, Straßen und Kraftwerke zu bauen, um die fischereilastige Volkswirtschaft in eine Rohstoffmacht zu verwandeln.

Seit 2009 ist die Insel deutlich unabhängiger von Dänemark geworden. So konnten die Einwohner selbst entscheiden, wie die Ressourcen des Landes genutzt werden sollten. Die Inuit, die dort heimisch sind, empfingen Rohstoff-Investoren mit offenen Armen.

Grönland will eines Tages komplett unabhängig sein

Die Inselbewohner wollen eines Tages komplett unabhängig sein, doch das ist ihrer eigenen Aussage nach nicht möglich, bis sie auch wirtschaftlich ohne Dänemark auskommen. Derzeit zahlt Dänemark jährlich noch Hunderte Millionen Dollar an Grönland und entsendet zum Beispiel Polizeikräfte dorthin.

Eine einzige Mine könnte die derzeit zwei Milliarden Dollar große Volkswirtschaft von Grönland verwandeln. Die Alternative gefällt den Einwohnern überhaupt nicht: Sie wären weiterhin von den dänischen Hilfsgeldern abhängig, die ein Drittel des jährlichen Haushalts finanzieren, sowie von der Fischerei, die 90 Prozent der Exporte ausmacht.

"Das ist gerade ein sehr dynamischer Zeitpunkt in der grönländischen Geschichte: historisch, politisch, wirtschaftlich und kulturell gesehen", sagt John Mair, Chef der Explorationsfirma Greenland Minerals and Energy.

Bergbaukonzerne suchen derzeit an über hundert Stellen nach Rohstoffen. Meist sind es kleinere Explorationsfirmen, die Neuland wie dieses erforschen, die Rohstoffvorkommnisse sowie die erwarteten Förderkosten dokumentieren und dann um die Unterstützung finanzstarker Investoren werben.

"Der Bergbau wird nach Grönland kommen", sagt die kürzlich gewählte Premierministerin Aleqa Hammond dem Wall Street Journal.

Grönland Rohstoffabbau

Grönlands Rohstoffreserven

(Foto: Grafik: Wall Street Journal)