Rohstoff:Ölpreis nähert sich der 100-Dollar-Marke

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FILE PHOTO: Dust blows around a crude oil pump jack and flare burning excess gas at a drill pad in the Permian Basin in Loving County

Auf dem Öl-Markt herrscht eine generelle Angebotsknappheit - vor allem, weil der Verbund Opec+ seit Monaten seine Förderziele nicht einhält.

(Foto: REUTERS)

Die Kosten für den Rohstoff schlagen auch auf Sprit, Heizöl und Gas durch. Welche drei Faktoren die Entwicklung treiben.

Getrieben von Konjunktur, Knappheit und Ukraine-Krise steuert der Ölpreis zügig Richtung 100 Dollar und zieht die Kosten für Sprit und Heizöl mit nach oben. Am Montag wurde ein Fass (159 Liter) der für Europa wichtigen Nordseesorte Brent mit bis zu 96 US-Dollar gehandelt. Das ist das höchste Niveau seit dem Herbst 2014. Sprit ist derzeit sogar so teuer wie noch nie: Superbenzin der Sorte E10 kostete im bundesweiten Tagesdurchschnitt am Sonntag laut ADAC 1,739 Euro pro Liter. Bei Diesel waren es 1,655 Euro. Beides sind Höchststände.

Auch beim Heizöl macht sich der Anstieg weiter bemerkbar: Das Infoportal Heizoel24 gab den Durchschnittspreis bei einer Liefermenge von 3000 Litern am Montag mit 93,50 Euro je Liter an. Das ist nur knapp unter den Spitzenwerten aus den Jahren 2007 und 2012.

Treiber der Entwicklung ist vor allem der Ölpreis. Alleine seit Jahresbeginn ist er laut Fachleuten der Dekabank um etwa 25 Prozent gestiegen, auf Jahressicht sogar um 50 Prozent. Experten nennen vor allem drei Gründe dafür; zwei eher längerfristige und einen kurzzeitigen.

Der Preistreiber auf kurze Sicht sind die Spannungen an der ukrainisch-russischen Grenze. Die Erdölpreise reagieren immer stärker auf die Entwicklung, denn Russland ist einer der größten Ölförderer der Welt. "Falls es zu einer militärischen Eskalation kommt, sind weitreichende Sanktionen des Westens gegen Russland zu erwarten", sagt Rohstoffexperte Carsten Fritsch von der Commerzbank. Sollten diese Sanktionen den Energiesektor betreffen, könnten auch die Rohöllieferungen beeinträchtigt werden.

Gleiches gilt für Erdgas, das im Preis zuletzt ebenfalls stark gestiegen ist. Laut Fritsch ist Russland der größte Erdgasexporteur der Welt. Auch Kraftstoffmarkt-Experte Jürgen Albrecht vom ADAC erwartet im Falle einer Invasion noch einmal deutlich steigende Preise bei Öl und Sprit.

Die beiden längerfristigen Treiber des Ölpreises sind Angebot und Nachfrage. So herrscht auf dem Markt generelle Angebotsknappheit - vor allem, weil der von Russland und Saudi-Arabien angeführte Ölverbund Opec+ seit Monaten seine Förderziele nicht einhält. Zu den Gründen dafür gehören Produktionsengpässe in kleineren Opec-Ländern wie Angola, aber auch in größeren Staaten wie dem Irak. Dem steht eine steigende Nachfrage gegenüber. Auch wenn die Corona-Pandemie anhält, sind viele Beschränkungen des Wirtschaftslebens zurückgenommen worden. Auch ADAC-Experte Albrecht spricht von der Hoffnung auf eine anziehende Konjunktur und weltwirtschaftliche Erholung als Treiber des Ölpreises.

In einem Punkt, der regelmäßig als Horrorszenario Erwähnung findet, kann Albrecht allerdings beruhigen. "Ein Spritpreis von zwei Euro je Liter ist in weiter Ferne", sagt er. "Damit kann man mittelfristig nicht ernsthaft rechnen, denn dafür müsste der Ölpreis in Dimensionen von um die 150 Dollar pro Fass klettern." Hintergrund dafür ist, dass große Teile des Spritpreises an der Zapfsäule nicht direkt vom Ölpreis abhängen. Steuern, Kosten für den Vertrieb oder die CO₂-Bepreisung machen zusammen sehr viel mehr aus als der Preis des Rohstoffs. Dadurch kommen die Schwankungen des Ölpreises gedämpft an der Tankstelle an. Zudem sind die Aussichten für Dieselfahrer derzeit etwas besser. Der Kraftstoff ist im Winter wegen seiner Ähnlichkeit zum Heizöl typischerweise etwas teurer. Mit dem nahenden Frühling sinkt dieser Effekt allerdings wieder.

Für die Autofahrer sei die aktuelle Situation trotzdem schmerzhaft, sagt Albrecht. Wer sparen will, sollte laut ADAC bewusst günstige Tankstellen auswählen und in den Abendstunden tanken, wenn der Sprit in der Regel billiger ist. Zudem könnten deutlich mehr Autofahrer das günstigere Super E10 anstelle von E5 nutzen. Zudem fordert der Verkehrsklub, die Anhebung der Entfernungspauschale auf 38 Cent pro Kilometer vorzuziehen.

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