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Rocket Internet:Ein Erfolg - endlich

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Die Börse im Griff? Oliver Samwer brachte die Holding Rocket Internet im Oktober 2014 an die Börse in Frankfurt.

(Foto: Daniel Roland/AFP)

Auf so eine Nachricht haben die Investoren der Start-up-Schmiede Rocket Internet lange gewartet: Der chinesische Alibaba-Konzern übernimmt die Mehrheit an der Handelsplattform Lazada, die Rocket geformt hat.

Wäscheständer, Bücher, Schraubendreher: Was der Mensch so braucht, kann er sich bei Online-Anbietern bestellen. Aber obwohl das Netz global ist: Die Anbieter konzentrieren sich oft auf eine Region. In der westlichen Welt dominiert Amazon, in China Alibaba. In Ländern wie Indonesien, den Philippinen, Vietnam, Thailand und Malaysia hingegen gab es bis 2012 überhaupt keine regionalen Plattform - eine Marktlücke, wie geschaffen für das Team von Rocket Internet, das "ständig Ausschau hält nach neuen Trends", wie Oliver Samwer sagt. Samwer, 43, ist der Chef von Rocket Internet, der börsennotierten Firma, die in Start-ups investiert, um diese später möglichst gewinnbringend zu verkaufen.

Rocket baute also eine Art von Amazon-Klon in diesen Ländern auf, Lazada, und nun, nach vier Jahren, gibt es einen Teil-Ausstieg. Der chinesische Internethandels-Konzern Alibaba kauft Rocket 9,1 Prozent der Lazada-Anteile ab und zahlt dafür 137 Millionen Dollar, umgerechnet knapp 120 Millionen Euro. Rocket behält zunächst noch 8,8 Prozent Anteile an Lazada, Alibaba hat aber eine Kaufoption, von der die Chinesen in zwölf bis 18 Monaten Gebrauch machen können.

Dass diese Nachricht an die Öffentlichkeit gelangt, genau zwei Tage, bevor Rocket Internet seine Quartalszahlen vorlegt, ist mit hoher Wahrscheinlichkeit kein Zufall. Denn die Rocket Internet AG steht gewaltig unter Druck. Oliver Samwer hebt zwar hervor, "wir verfolgen eine mittel-und langfristige Strategie". Doch weil die Rocket-Aktie nach dem Börsengang 2014 so gar nicht abheben wollte, vielmehr ständig weiter absackte, wurden die Anleger nervös. Es gab Streit mit dem wichtigen Investor Kinnevik.

Da tut eine Erfolgsgeschichte wie die mit Lazada richtig gut. "Als wir vor vier Jahren dort angefangen haben, war da noch nichts", sagt Samwer stolz, "wir haben das Unternehmen von Grund auf aufgebaut." Übrigens auch mit einem Deutschen, Maximilian Bittner, als Gründer. Und Samwer ist sich sicher: "Es gibt nicht so viele Deutsche, Europäer, die so etwas auf die Beine bringen: Lazada hat 8000 Mitarbeiter." Unter der Führung von Alibaba soll es das wichtigste E-Commerce-Franchise in Südostasien werden.

Alibaba ist dabei kräftig eingestiegen: Die Firma des ehemaligen Lehrers Jack Ma kaufte auch anderen Eignern wie Kinnevik oder Tesco Anteile ab und steckte weitere 500 Millionen in Lazada. Kinnevik gab Anteile im Wert von 57 Millionen Dollar ab, Tesco strich 129 Millionen Dollar ein.

Die Anleger honorierten die lang ersehnte Erfolgsmeldung mit einem deutlichen Kurssprung für Rocket Internet. In der Spitze legten die Aktie um knapp acht Prozent zu, am Nachmittag war sie noch immer knapp sechs Prozent im Plus.

Samwer sieht den Erfolg in Südostasien auch als Beweis dafür, dass es deutschen Firmen durchaus gelingen kann, in Entwicklungs- und Schwellenländern Internetprojekte erfolgreich aufzubauen. "Rocket Internet, das ist nicht nur Berlin, nicht nur Zalando, Lieferheld und so weiter", sagt er. Samwer ist guter Dinge, dass er einen ähnlichen Erfolg in Afrika wiederholen kann. Rocket Internet ist beteiligt an der Handelsplattform Jumia, die in einer ganzer Reihe afrikanischer Länder aktiv ist. Vor kurzem erst konnte die Plattform 300 Millionen Dollar an Kapital einwerben, Geldgeber sind unter anderem der Versicherungskonzern Axa und die Großbank Goldman Sachs.