Rocket Internet Abschied von der Börse?

Rocket Internet ging im Oktober 2014 mit viel Tamtam an die Börse. Nun scheint das Unternehmen eine andere Strategie zu verfolgen.

(Foto: Jens Kalaene/dpa)

Die Start-up-Fabrik steht offenbar vor einem Strategiewechsel.

Gut viereinhalb Jahre nach dem Börsengang spielt die Start-up-Schmiede Rocket Internet einem Magazinbericht zufolge einen Rückzug vom Parkett durch. Die Vorbereitungen für eine Privatisierung liefen, im Aufsichtsrat sei bereits über das Projekt gesprochen worden, berichtet das Manager Magazin unter Berufung auf Eingeweihte.

Rocket-Chef Oliver Samwer glaube, dass er fern der Börse wieder ungestörter als Investor agieren könne. Ein Team arbeite gerade die sinnvollste Struktur für einen Deal aus, die liquiden Mittel lägen bei 3,6 Milliarden Euro. Als wahrscheinlichste Option gelte ein Aktienrückkauf, an dessen Ende Samwer mindestens 75 Prozent der Anteile halten sollte. Eine Entscheidung gebe es aber noch nicht.

Das Berliner Unternehmen wollte sich zu dem Bericht zunächst nicht äußern. Börsianer nahmen die Nachrichten positiv auf: Die Rocket-Aktie legte am Donnerstag um fast acht Prozent zu auf 26 Euro und war damit einer der Spitzenreiter im Nebenwerte-Index M-Dax. Insgesamt ist die bisherige Entwicklung an der Börse aber eine Enttäuschung: Zum Debüt im Oktober 2014 hatte der Ausgabepreis bei 42,50 Euro gelegen.

Samwer hält selbst oder über seine Stiftung etwa 44 Prozent der Aktien. Weitere Großaktionäre sind United Internet und der britische Fondsmanager Baillie Gifford. Ob sie verkaufen würden, ist dem Bericht zufolge unklar. Samwer selbst hatte im November noch betont, die Börsennotierung von Rocket bringe unterm Strich Vorteile. So habe das Unternehmen dadurch Zugriff auf verschiedene Kapitalquellen.

Rocket Internet versteht sich zum einen als Inkubator, der jungen Start-ups mit Geld und Wissen unter die Arme greift, zum anderen als Investor in bereits größere Firmen. Einige haben in den vergangenen Jahren ebenfalls den Sprung an die Börse geschafft, etwa der Online-Versender Zalando, der Essenslieferdienst Delivery Hero oder der Kochbox-Versender HelloFresh. Der Online-Modehändler Global Fashion Group steht in den Startlöchern.

Auf der Suche nach vielversprechenden Investments erkundet Rocket Internet auch andere Geschäftsfelder. Die Start-up-Fabrik macht inzwischen auch Immobiliengeschäfte und will künftig technologische Versicherungs- und Gesundheitsdienstleistungen anbieten. Das sieht eine Satzungsänderung vor, die die Hauptversammlung vor Kurzem beschloss. Bei dem Aktionärstreffen wurde auch die Sorge laut, dass die Firma den Mietenanstieg in Berlin befeuern und dadurch das Ansehen des Unternehmens Schaden nehmen könnte. Als Geldgeber für Gründer sieht sich das M-Dax-Unternehmen wachsender Konkurrenz ausgesetzt. Es sei schwieriger geworden, Gründer und Ideen zu finden, um mit ihnen Unternehmen aufzubauen, sagte Samwer.