Robotersteuer:Alle Bürger sollten zu Miteigentümern von Unternehmen werden

Die Optimisten widersprechen. Untergangsprognosen hätten sich in der Historie stets als falsch erwiesen. Sie haben völlig recht. Allerdings weiß keiner, wie die Zukunft aussieht. Interessanterweise mahnen vor allem Technologie-Manager, die Gesellschaft müsse auf die Technologie reagieren. Schon vor Bill Gates forderten die Chefs von Siemens und der Telekom ein Grundeinkommen.

Finden Menschen weniger Arbeit, brauchen sie anderes Einkommen. Gleichzeitig kann der Staat weniger sozial handeln, wenn menschliche Arbeit weniger Steuern liefert. Weil die Folgen der Digitalisierung im Nebel liegen, also höchst negativ ausfallen könnten, müssen die Menschen neue Modelle konzipieren.

Nicht Roboter, sondern Gewinne müssen konsequent besteuert werden

Gates' Robotersteuer hat Tücken. Führt Deutschland sie ein, bremst das den Einsatz von Maschinen und sichert zunächst Stellen. Expandieren Roboter in anderen Ländern ungehemmt, verschwinden die deutschen Jobs doch. Außerdem vernichtet das Bremsen der Maschinen jene Vorteile, die Technik stets liefert: Maschinen machen den Menschen dort produktiver, wo beide zusammenarbeiten.

Effektiver als eine Robotersteuer wäre, die Gewinne der Firmen weltweit konsequent zu besteuern. Wenn Maschinen immer mehr Produktion und Dienstleistungen übernehmen, landet der Ertrag trotzdem auch bei der Allgemeinheit. Effektiv wäre es zudem, alle Bürger zu Miteigentümern der Unternehmen zu machen. Dann sind alle direkt an der Wertschöpfung der Maschinen beteiligt. Heute hält nur jeder zehnte Deutsche Aktien - bleibt das so, dürfte die Ungleichheit explodieren.

Kapitalismus für alle!

Alle Bürger als Kapitalisten, das klingt irreal? Das neue Zeitalter der Maschinen könnte solche Lösungen erfordern. So neu sind sie ohnehin nicht. Als die Industrialisierung im 19. Jahrhundert die Gesellschaft in Arbeiter und Kapitalisten spaltete, erdachte Karl Marx die klassenlose Gesellschaft. Befreit von der Lohnschufterei ermögliche sie jedem, "morgens zu jagen, nachmittags zu fischen".

Marx verband seine Vision mit einem ökonomisch impotenten Modell. Nun sind neue Lösungen gefragt, damit alle am Sieg der Maschinen teilhaben. Die Besitzer der Maschinen dürften allerdings selten so bereit sein wie Gates, ihre Gewinne zu teilen. Wie im 19. Jahrhundert zeichnet sich ein Klassenkampf ab, in dem die Masse für ihre Rechte aufstehen muss, will sie nicht im Elend enden.

© SZ vom 22.02.2017/vit
Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Kontakt und Impressum
  • AGB