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Roboterindustrie:Deshalb ringt Gabriel um Roboterbauer Kuka

Robots covered in plastic sheets are seen at a plant of Kuka Robotics in Shanghai

Lieferbereit: Roboter im Kuka-Werk in Shanghai.

(Foto: REUTERS)
  • Die Bundesregierung möchte verhindern, dass der Augsburger Roboterhersteller Kuka von Chinesen übernommen wird.
  • Aus Berlin und Brüssel kommen Vorschläge, stattdessen einen deutschen oder europäischen Roboterbauer zu formen.
  • Mögliche Akteure, etwa Siemens, ABB oder verschiedene Autobauer, sind jedoch offenbar nicht interessiert.

Nach außen hin lässt sich Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) in Sachen Kuka nichts anmerken. "Man muss aufpassen, dass man jetzt kein Chinesen-Bashing macht", sagt er am Dienstagvormittag in Berlin. Am Ende müssten sowieso die Eigentümer entscheiden, ob sie ihre Aktien des Augsburger Roboterbauers Kuka an den chinesischen Haushaltsgerätehersteller Midea verkaufen. "Aber ich würde mich sehr darüber freuen, wenn es ein alternatives Angebot aus Deutschland oder Europa gibt, bei dem die Eigentümer die Wahl haben", sagte der Bundeswirtschaftsminister.

Was Gabriel am Dienstag noch nicht sagte: Hinter den Kulissen ist auch er längst dabei, die Chancen für ein solches Angebot zu eruieren. Nach Informationen der Süddeutschen Zeitung möchte Berlin ein Konsortium schmieden, das den Chinesen zuvorkommt. Am Mittwoch hat der Minister die Berichte bestätigt. "Es gibt die Bemühungen, ein alternatives Angebot zu formulieren. Ob es dazu kommt, werden wir sehen", sagte Gabriel.

Das Wirtschaftsministerium telefoniert gerade Europas Industrie ab

Seit der Midea-Konzern vor gut zwei Wochen 115 Euro pro Kuka-Aktie geboten und damit ein sehr hohes Angebot vorgelegt hat, telefonieren Minister und Staatssekretäre aus dem Bundeswirtschaftsministerium die europäische Industrie ab. Erst Siemens. Aber die Münchner, die selber komplette Fabriken bauen, haben abgewunken, an Robotik sei man derzeit nicht interessiert, hat man dem Minister mitgeteilt.

Mittlerweile stehen auch die Autobauer auf der Anrufliste der Regierung. Deutschlands führende Industrie soll dabei helfen, einen Investor für Kuka zu finden. Die Angst, die viele in der Politik und der Industrie umtreibt: Sensible Daten deutscher Unternehmen könnten am Ende in Chinas Ministerien landen, warnt ein Insider. Schließlich haben Ausrüster wie Kuka in einer digitalisierten Produktion künftig Zugriff darauf. Und sind diese Daten noch sicher, wenn Kuka einem chinesischen Investor gehört?

Midea ist zwar ein privates Unternehmen, das an der Börse in Shenzhen gelistet ist. Doch der Haushaltsgerätehersteller setzt offenbar bewusst auf die digitalisierte Fertigung. Der Grund: Seit etwa einem Jahr propagiert die Kommunistische Partei ihre sogenannte "Made in China 2025"-Strategie. Es ist das chinesische Pendant zur deutschen Industrie 4.0. Eines der Schlüsselelemente dabei ist die Digitalisierung der Produktion und mit ihr die Robotik. Chinesische Unternehmen, die dabei vorne liegen, dürften sich großzügige staatliche Subventionen und Aufträge erhoffen. Eine enge Kooperation mit Chinas Behörden wäre also vorprogrammiert.

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Öffentlich aussprechen möchte das in Deutschland jedoch niemand. Zu groß ist die Furcht, es sich mit der Führung in Peking zu verscherzen. Deutschlands Autoindustrie ist von keinem Markt so abhängig wie von China. Dasselbe gilt für den Kuka-Großaktionär Voith. Der schwäbische Industriekonzern hält derzeit eine Sperrminorität von 25,1 Prozent; außer einer Ermahnung an Kuka-Chef Till Reuter, die chinesische Offerte ergebnisoffen zu prüfen, ist nichts Kritisches aus Heidenheim an der Brenz zu hören. Das gilt auch für Sigmar Gabriel selbst. Schließlich fliegt in knapp zwei Wochen das halbe Kabinett nebst Kanzlerin nach Peking zu Konsultationen. Davor hätte man am liebsten das Problem Kuka gelöst - wie auch immer.