US-Handelsbeauftragter Ein Mann nach Trumps Geschmack

Während Politiker in vergleichbaren Positionen ständig die Gunst des US-Präsidenten verlieren, darf Robert Lighthizer bleiben.

(Foto: dpa)
  • Am Donnerstag und Freitag gehen die Handelsgespräche zwischen China und den USA in die nächste Runde.
  • Auf US-Seite ist neben Finanzminister Steven Mnuchin wieder der US-Handelsbeauftragte Robert Lighthizer zuständig - Trumps Seelenverwandter.
Von Kathrin Werner, New York

Einer der überraschendsten Fakten über Robert Lighthizer ist, dass er nach fast zwei Jahren noch immer im Amt ist. Sonst übersteht es kaum jemand länger als ein paar Monate in der Regierung von Donald Trump, wenn er nicht mit dem US-Präsidenten verwandt oder verschwägert ist. Doch Trump respektiert Lighthizer. Er ist US-Handelsbeauftragter und als solcher zuständig für Trumps Handelsstreitereien.

An diesem Donnerstag und Freitag ist der 71-Jährige für eine neue Verhandlungsrunde in Peking und gemeinsam mit Finanzminister Steven Mnuchin dafür zuständig, dass es endlich Fortschritt gibt bei der Lösung des Handelskriegs mit China. Bis Ende Februar läuft eine selbstgesetzte Frist für die Verhandlungen, aber vielleicht bekommt Lighthizer ein paar Tage mehr Zeit: Trump sagte, er wäre möglicherweise bereit, die Frist etwas zu verschieben, falls eine Vereinbarung nahe sei.

Automobilindustrie China setzt Strafzölle auf US-Autos für drei Monate aus
Handelsstreit

China setzt Strafzölle auf US-Autos für drei Monate aus

Das Land geht im Handelsstreit einen Schritt auf die USA zu. Eine gute Nachricht auch für die deutschen Autohersteller.

Trump und Lighthizer sind Seelenverwandte, wenn es um Handelspolitik geht. Beide halten nicht viel von internationalen Institutionen wie der Welthandelsorganisation WTO. Beide halten Zölle für gute Werkzeuge, um ihre Ziele zu erreichen. Lighthizer sieht wie Trump in der Globalisierung eher die Nachteile für Amerikaner als ihre Vorteile. Vor allem haben sie einen gemeinsamen Feind: China.

Lighthizers Herkunft prägte sein Weltbild. Er wuchs im Mittleren Westen auf, in Ashtabula im Bundesstaat Ohio, einer Hafenstadt am Ufer des Eriesees. Es ist eine Gegend, in der die Menschen einst hart in den Stahlfabriken arbeiteten. Dann schloss eine nach der anderen. Maschinen übernahmen die Arbeit, Produktion wanderte ins Ausland ab, Menschen verloren ihre Jobs.

Lighthizers Familie ging es gut, sein Vater war Arzt und von den Fabrikschließungen nicht betroffen. Aber der schleichende Niedergang um ihn herum hat etwas ihm ausgelöst. Er hat eine Karriere daraus geschmiedet, die amerikanische Wirtschaft gegen Konkurrenz aus dem Ausland zu schützen. Er studierte Jura in Washington und blieb dort. Schon Ende der Siebzigerjahre diente er dem Parlament als führender handelspolitischer Rechtsberater. Während der Amtszeit von Präsident Ronald Reagan in den Achtzigerjahren war Lighthizer stellvertretender US-Handelsbeauftragter und stritt mit den japanischen Verhandlungspartnern über Japans Billigstahlexporte.

Aus internen Streitereien im Weißen Haus hält Lighthizer sich raus

Auch als er die Regierung verließ, blieb er seiner Mission treu. Als Anwalt vertrat er über mehrere Jahrzehnte hinweg US-Konzerne wie United States Steel gegen ausländische Konkurrenten, deren Dumping die USA angeblich Jobs kostete. Der Republikaner hat deshalb die Unterstützung vieler Linker, auch der Gewerkschaften.

Aus internen Streitereien im Weißen Haus hält er sich raus. Und auch in der Öffentlichkeit hält er sich zurück, was ihm Scherereien mit Trump erspart. Wie sein Chef misstraut er Reportern. Anders als sein Chef sucht er aber nicht ihre Anerkennung. Lighthizer gibt fast keine Interviews. Für ihn zählt nur, was Trump denkt. Und der US-Präsident, der sich für das größte Verhandlungsgenie hält, vertraut Lighthizers Verhandlungstalent. Knallhart ist er, wenn es um Deals geht. Einmal hat er den Vorschlag eines japanischen Gesprächspartners zu einem Papierflieger gefaltet und durch den Raum geschossen. So etwas gefällt Trump.

Laut Medienberichten hat der Handelszar ein lebensgroßes Porträt von sich selbst in seinem Haus, auch so etwas liegt Trump nicht fern. In einem Punkt allerdings könnten die beiden unterschiedlicher kaum sein: Trump hält nichts von Sport und ernährt sich von Fast Food und Coca Cola Light. Lighthizer dagegen ist Fitnessfan und Asket. Als junger Mann schwor er Zigaretten und Kaffee ab und verlegte sich darauf, heißes Wasser zu trinken.

Wirtschafts- und Finanzpolitik Warum sich China und die USA mit Zöllen überziehen

Handelsstreit

Warum sich China und die USA mit Zöllen überziehen

Spätestens am Donnerstag muss der Handelsstreit beigelegt sein, sonst wollen die USA ihre Strafzölle auf chinesische Produkte erhöhen. Antworten auf die wichtigsten Fragen zum Handelsstreit.   Von Claus Hulverscheidt