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Riester-Rente:Teuer, unrentabel - weg damit

Berlin Senior Citizens' Week

Seniorenheim in Berlin - wie sollte man fürs Alter vorsorgen? Viele bezweifeln, ob das staatlich geförderte "Riestern" wirklich eine gute Idee ist

(Foto: Sean Gallup/Getty Images)

Politiker fordern die Abschaffung der Riester-Rente. Was ist dran an der Kritik?

Die Idee war eigentlich nicht schlecht. Um die Kürzungen bei den gesetzlichen Renten auszugleichen, hat die Bundesregierung 2002 den Aufbau einer privaten Altersvorsorge angeschoben. Mit der nach dem damaligen SPD-Arbeitsminister Walter Riester benannten Riester-Rente wollte sie vor allem Geringverdiener zum Sparen motivieren - durch staatliche Zuschüsse und steuerliche Vergünstigungen.

Angeboten werden sollten die Verträge über die private Versicherungswirtschaft - entweder als klassische oder fondsgebundene Rentenversicherung. Außerdem gibt es die Verträge als Banksparplan, als Investmentfondsvertrag und als Wohn-Riester zur Eigenheimfinanzierung.

Die Versicherungsbranche war begeistert - sie erhoffte sich mit der staatlich geförderten privaten Altersvorsorge ein Millionengeschäft. Auch Verbraucherschützer wie Finanztest empfehlen die Rente immer noch gern, zum einen wegen der Zuschüsse, zum anderen, weil der Gesetzgeber einen Kapitalerhalt eingebaut hatte: Die Anbieter müssen sicherstellen, dass Kunden zum Auszahlungszeitpunkt mindestens die eingezahlten Beträge plus die staatlichen Zulagen zur Verfügung stehen. Tatsächlich waren Riester-Verträge lange Zeit ein echter Kassenschlager.

Die Verwaltungskosten machen einen Großteil der Zuschüsse aus, das ist eine indirekte Subvention

Das hat sich geändert. Seit 2013 geht die Zahl der bestehenden Verträge zurück, Ende 2015 hatten etwa 10,9 Millionen Deutsche eine Riester-Rente im Versicherungsordner. Jetzt fordern Wirtschaftsexperten die Abschaffung des einstigen Verkaufsschlagers. Auch Politiker der CDU, die Versicherer gerne als Verbündete sehen, halten die Riester-Rente inzwischen für entbehrlich. Der Bundesvize der Christlich Demokratischen Arbeitnehmerschaft, Christian Bäumler, plädierte im Handelsblatt für eine Rückabwicklung. "Die Riester-Rente ist spätestens mit der Niedrigzinsphase an die Wand gefahren", sagte er. Was ist da schiefgelaufen?

Axel Kleinlein, Vorstandssprecher des Bunds der Versicherten, sieht die Schuld bei den Versicherern und bei der Politik. "Die Assekuranz hat es nicht geschafft, Riester-Renten verlässlich und effizient anzubieten, die Verträge haben sich als unrentabel herausgestellt", kritisiert er. Die Politik hingegen habe es versäumt zu überprüfen, ob die Angebote der Versicherer zukunftsfähig sind.

Häufigster Kritikpunkt: zu hohe Abschluss- und Verwaltungskosten. Immer wieder kritisieren Experten, dass diese Posten vor allem in den ersten fünf Jahren einen großen Teil der staatlichen Zuschüsse auffressen - der Staat also indirekt die Versicherer subventioniert. Auch die Versicherer kämpfen mit hohen Vertriebs- und Verwaltungskosten. Bei den meisten Gesellschaften liegen sie bei mehr als zehn Prozent der eingezahlten Beträge. Angesichts der niedrigen Zinsen fällt es so den Versicherern immer schwerer, den Kapitalerhalt für die Kunden zu garantieren. Weil es sich meist um kleine Verträge mit geringen monatlichen Einzahlungen handelt, kann die Assekuranz mit Riester-Renten kaum noch etwas verdienen.

Aus diesem Grund setzt sich der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft für eine Reform der Riester-Rente ein. "Um die Anreize zu verbessern und das System zu stabilisieren, sollte der Kreis der förderfähigen Personen um Selbständige erweitert werden", sagt ein Sprecher. Außerdem wollen die Versicherer, dass der Staat die Zulagen erhöht. Bei der Versicherungskammer Bayern hingegen versteht man die Debatte nicht. Für Jutta Krienke, Hauptabteilungsleiterin Produktentwicklung Leben, ist sie Teil eines früh begonnenen Wahlkampfs. "Die Riester-Rente ist ein gutes Produkt zum Einstieg in die private Altersvorsorge", sagt sie. "Wenn man jetzt eine Diskussion zu einer möglichen Abschaffung von Riester-Renten anstößt, sorgt das vor allem für Verunsicherung bei den Verbrauchern. Und erweist dem Plan des Staates, Menschen zur privaten Vorsorge zu animieren, einen Bärendienst."