Altersvorsorge Kritiker sagen: Der Staat subventioniert die Versicherer, nicht die Sparer

Ein Hauptproblem der Riester-Rente sind die hohen Kosten. Insbesondere Versicherer berechnen ihren Kunden saftige Abschluss- und Verwaltungskosten. "Bei den Versicherern gibt es durchaus Anbieter, deren jährliche Kosten der Höhe der Zulagen entsprechen", sagt Verbraucherschützerin Becker-Eiselen. "In extremen Fällen können die Kosten höher sein als die jährliche Grundzulage." Bei der Allianz machten schon die Verwaltungskosten von 153 Euro jährlich die Grundzulage wieder zunichte, sagte sie.

Hinzu kommen noch die Abschlusskosten. Bei den meisten Gesellschaften liegen die Gesamtkosten bei mehr als zehn Prozent der eingezahlten Summe. Nicht selten zwacken Versicherer gar 15 Prozent und mehr der Summe ab, die Kunde und Staat zusammen einzahlen. Die Kosten fressen in den ersten fünf Jahren einen großen Teil der staatlichen Zuschüsse auf. Der Staat subventioniert indirekt die Versicherer und nicht die Bürger mit Niedrigeinkommen, sagen Kritiker.

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Das Wichtigste zur Altersvorsorge

Wer sich nur auf die gesetzliche Rente verlässt, kommt im Alter womöglich mit dem Geld nicht hin. Die wichtigsten Fragen und Antworten zu Riester- oder Rürup-Rente, betrieblicher Altersvorsorge oder Sparplänen.

Kleinlein: "Versicherer rechnen mit zu hoher Lebenserwartung"

BdV-Vorstand Kleinlein, von Haus aus Versicherungsmathematiker, kritisiert neben den Kosten auch die Kalkulationsmethoden der Anbieter. Sein Vorwurf: Versicherer rechnen mit einer zu hohen Lebenserwartung der Sparer. "Sie schlagen in der Lebenserwartungsbetrachtung sechs, zehn oder mehr Jahre drauf", sagt Kleinlein. Entsprechend verteilt sich die angesparte Summe auf einen längeren Rentenzeitraum. "Das mindert die Rente und macht das Produkt ineffizient."

Kleinlein ist kein Gegner staatlicher Zulagen: "Die Förderung könnte sinnvoll sein, wenn die Produkte vernünftig wären, aber die Produkte sind mies und ineffizient", sagt er. "Wir sollten nicht über die Zulagenförderung Produkte effizient machen, sondern umgekehrt effiziente Produkte fördern."

Das ganze System hat etwas Paradoxes. Die Bürger sollen privat vorsorgen, weil sich der Staat die Zuschüsse zur gesetzlichen Rentenversicherung nicht mehr leisten kann. Aber damit der Bürger privat vorsorgen kann, muss der Staat hohe Milliardensummen einschießen, die vor allem den Anbietern zugute kommen. Effektiv bei der Verhinderung der Altersarmut ist das System nicht, die meisten der Riester-Verträge, die heute in Kraft sind, laufen auf Zusatzrenten von weniger als 100 Euro im Monat hinaus. Riester sollte die Antwort auf die demografische Herausforderungen sein. Aber in der jetzigen Form ist die Reform gescheitert.

Reicht die Rente in Zukunft zum Leben? Wie kann ich zusätzlich vorsorgen? Wie ändert sich das Leben alter Menschen? Die neue SZ-Serie "Unsere Zukunft, unsere Rente" beschäftigt sich mit den wichtigsten Aspekten des Ruhestands.