Riester-Rente Ein sanfter Stups und die Folgen

Den Ruhestand genießen: Das kann, wer fürs Alter vorgesorgt hat. Doch das richtige Produkt dafür zu finden, ist schwierig.

(Foto: Bernd von Jutrczenka/dpa)

Viele Versicherer verschleiern nach wie vor die Kosten, doch Riester-Renten werden günstiger.

Von Thomas Öchsner, Berlin

Wenn es darum geht, die Kosten von privaten Rentenversicherungen offenzulegen, sind die Versicherer Meister im Verschleiern. Daran hat sich offenbar auch seit Einführung des Lebensversicherungsreform-Gesetzes zum Jahresanfang 2015 nichts geändert. Dies geht aus einer Untersuchung des Instituts für Transparenz (ITA) in Berlin hervor, das die Tarife von 39 klassischen Angeboten für Privat-Renten und Riester-Renten von 2014 und 2015 miteinander verglich. Demnach sind die Kunden seit der Reform auch nicht viel schlauer als vorher. "Die Produktunterlagen sind zum Teil eine Zumutung für Kunden", sagt der Geschäftsführer des ITA und Autor der Studie, Mark Ortmann. Nach wie vor könne man die Unterlagen nicht verstehen und auch nicht die effektiven Kosten vergleichen. "Da ist es kein Wunder, dass immer weniger Menschen Altersvorsorgeprodukte abschließen."

Seit 1. Januar 2015 ist vorgeschrieben, dass Versicherer die Effektivkosten angeben müssen. Wie sie das tun, bleibt aber ihnen überlassen. Vergleiche bleiben deshalb weiter schwierig. Die Branche und der Gesetzgeber hätten die Chance vertan, bei den Effektivkosten für einen einheitlichen Standard zu sorgen, kritisiert Ortmann.

Es gibt aber Fortschritte: So haben die Versicherer 2015 verglichen mit 2014 ihre Gesamtkosten zumindest leicht gesenkt. Bei klassischen Renten-Policen sind der Untersuchung zufolge die effektiven Kosten im Durchschnitt um 0,9 Prozent zurückgegangen, bei den Riester-Rente-Angeboten sogar um 4,9 Prozent. Allerdings sind die Unterschiede zwischen den einzelnen Anbietern enorm: So gab es Versicherer, die bei Riester-Policen die Effektivkosten im Vergleich zum Vorjahr um fast 30 Prozent reduzierten, während ein Anbieter sie sogar um neun Prozent erhöhte.

Bei den Provisionen für die Vertreter hat sich laut Studie hingegen wenig geändert. Ziel der Bundesregierung war es, einmalige Prämien zu reduzieren und dafür die laufende Vergütung zu verbessern. Die meisten Versicherer zahlten aber weiter wie im Jahr 2014, heißt es in der Analyse. Ob sich die Anbieter ohne Eingriffe des Gesetzgebers in die gewünschte Richtung bewegen, sei fraglich, merkt Ortmann an.

Besser sieht es bei den einmaligen Abschlusskosten aus. Diese haben sich zumindest im Durchschnitt der untersuchten Tarife verringert. Der Experte kommt deshalb zu dem Schluss: "Mit kleinen Trippelschritten bewegt sich die Versicherungsbranche weiter, sanft vom Gesetzgeber gestupst, in Richtung Kunde. Es bleibt noch viel zu tun."