Luxusgütergruppe Richemont:Bling-Bling-Panik an der Börse

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Luxusgütergruppe Richemont: Eine Filiale der Luxusmarke Cartier in Tokyo, Japan. Cartier ist eine französische Schmuck- und Uhrenfirma des Schweizer Luxusgüterkonzerns Richemont.

Eine Filiale der Luxusmarke Cartier in Tokyo, Japan. Cartier ist eine französische Schmuck- und Uhrenfirma des Schweizer Luxusgüterkonzerns Richemont.

(Foto: Manngold /imago stock&people)

Inflation, geschlossene Läden in China und ein ausgesetztes Russlandgeschäft: Manager und Anleger des Cartier-Montblanc-Luxuskonzerns Richemont werden nervös.

Die Aktie des Schweizer Uhren- und Schmuckproduzenten Richemont ist am Freitag zeitweise um fast zwölf Prozent eingebrochen. Zu der Luxusgütergruppe gehören unter anderem Marken wie Chloé, Cartier oder Montblanc. Grund für den Kursrutsch dürfte vor allem die pessimistische Konjunktureinschätzung des Managements sein, die die Konzernspitze im Rahmen der Zahlen zum abgelaufenen Geschäftsjahr gab. "Auch wenn wir in puncto Covid das Schlimmste hoffentlich hinter uns haben, sehen wir uns einem globalen Umfeld gegenüber, das so ungewiss ist wie seit Jahren nicht mehr", sagte Verwaltungsratschef Johann Rupert am Freitag. "Uns stehen unbeständige Zeiten bevor."

Sein "Bauchgefühl" sage ihm, dass Chinas Wirtschaft länger leiden werde, als die meisten denken, meinte der Richemont-Gründer. Die konjunkturelle Erholung in der Volksrepublik werde langsamer vonstatten gehen als in anderen Ländern.

In China sind etwa 40 Prozent der Richemont-Geschäfte geschlossen

Der Kursrutsch stand im Widerspruch zu den guten Nachrichten des Unternehmens - 44 Prozent Umsatzwachstum bei deutlich gestiegener Rentabilität - und zeigt, dass die Besorgnis des Management bei den Anlegern auf bereits vorhandene Nervosität trifft.

Etwa 40 Prozent der Richemont-Geschäfte in China sind derzeit geschlossen. Der Chef der Konzernmarke Cartier, Cyrille Vignerons, erklärte, der Volksrepublik könnte eine "Wiederholung des Jahres 2020" bevorstehen, mit einer Beschleunigung der Covid-Infektionen. In einigen Ländern könnte zudem die Inflation zu politischen Demonstrationen führen. Es drohe das Risiko einer gesellschaftlichen Polarisierung, die den "Wohlfühlfaktor" dämpfen würde, der dem Luxuskonsum zugrunde liegt. "Ich bin besorgt über die Krise bei den Grundnahrungsmitteln", sagte der 71-jährige ehemalige südafrikanische Investmentbanker. "Es wird zu Engpässen kommen. Wenn es kein Brot gibt, randalieren die Menschen."

Die Aussetzung des Russlandgeschäfts schmälerte Richemonts Gewinn um 168 Millionen Euro. Einige Produkte im Land seien beschlagnahmt worden. Die gebuchten Rückstellungen deckten die Risiken in Russland jedoch ab. Richemont beendete das Jahr mit einem Barmittelbestand von 5,3 Milliarden Euro, was Rupert angesichts sich eintrübender Marktbedingungen als "Kraftquelle" bezeichnete. Im abgelaufenen Geschäftsjahr hat Richemont den Gewinn mehr als verdoppelt. Beim Mutterkonzern von Uhrenmarken wie Lange & Söhne und IWC erholte sich der Umsatz im Nachgang der Pandemie in Rekordumfang. Beim Betriebsergebnis indessen hatten Analysten noch mehr erwartet als die 3,39 Milliarden Euro, die letztlich zu Buche standen. "Vorsicht ist das Gebot der Stunde", sagte Finanzvorstand Burkhart Grund. Richemont kündigte eine Sonderdividende an.

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