Rheinau:Für Rheinau ist es ein Versuch fast ohne Risiko

2017 ging Panian auf die Suche nach einem Schweizer Dorf, das sich auf das Experiment einlassen würde. In Rheinau, glaubt die Schweizerin, die teilweise in Berlin lebt, habe man nun das ideale Testgebiet gefunden: Einen Durchschnittsort, eine "Mini-Schweiz", klein und übersichtlich. Panian übergibt an das wissenschaftliche Team.

Die Forscher berichten von der Entkoppelung von Arbeit und Kapital, von selbstfahrenden Autos und einer gerechteren Entlohnung von Hausarbeit. Eine junge Mutter berichtet auf der Bühne von ihrem Plan, endlich wieder als Schneiderin tätig zu sein. "Ich glaube: Ganz viele Mamis hier in Rheinau könnten sich noch mal etwas Neues vorstellen. Mit dem bedingungslosen Grundeinkommen wäre das plötzlich möglich." Ein Blick ins Publikum zeigt: Die Frauen sind an diesem Abend leicht in der Überzahl, viele nicken bei diesen Worten.

Für die Gemeinde Rheinau ist der Versuch fast ohne Risiko. Das Geld soll per Crowdfunding, also Schwarmfinanzierung, zusammenkommen. Einzige Bedingung: Mehr als die Hälfte der Einwohner erklärt sich bereit, an dem Experiment teilzunehmen - für viele Rheinauer bedeutet das vor allem administrativen Aufwand.

Darf man sich mit dem Geld in die Karibik absetzen?

Das Durchschnittsgehalt der Schweiz liegt bei gut 6000 Franken (etwa 5500 Euro). Jeder, der mehr verdient als das Grundeinkommen, bekommt es zwar zu Beginn des Monats überwiesen. Ende des Monats allerdings muss er den vollen Betrag zurückschicken. "Es geht ja beim Profitieren nicht nur um finanzielle Vorteile", sagt Panian. "Ich bin überzeugt, wenn es in der Dorfgemeinschaft vielen Menschen besser geht, profitieren auch die davon, die kein Geld von uns bekommen."

Dann geht der Abend in die "heiße Phase" über. Mit buchhalterischer Genauigkeit wird gezeigt, wie ein Antrag auszufüllen ist, und vorgerechnet, wer unter welchen Umständen wie viel Grundeinkommen zu erwarten hat, die Rheinauer bekommen die Gelegenheit, Fragen zu stellen: Muss der Partner nach der Scheidung weiter Alimente zahlen? Antwort des Gemeindepräsidenten: "Ja. Und ich sage das, obwohl er ein Freund von mir ist." Bekommen Flüchtlinge auch Grundeinkommen? Darf man sich mit dem Geld in die Karibik absetzen? Und überhaupt: Wie viel muss man versteuern?

Am Schluss sind alle Fragen beantwortet, die Gemeinde verteilt Schokotaler in Form einer Goldmünze, in der Urne am Ausgang stapeln sich die Anmeldeformulare. Vor dem Gemeindehaus stehen kleine Gruppen zusammen, diskutieren über den Wert von Arbeit und die vielen Kameras, die sich plötzlich auf sie richten. Gemeindepräsident Andreas Jenni beantwortet die letzten Fragen, lädt dann alle ein, noch mit zum Blues-Konzert in den Klostergarten zu kommen. Dann lächelt er. "Ich glaube, das wird richtig gut."

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Oliver Noelting - Frugalist

SZ PlusAusgesorgt mit 40
:Ihm reicht's

Eine 40-Stunden-Woche am Schreibtisch? Für Oliver Noelting unvorstellbar. Er ist Anhänger des "Financial Independence, Retire Early"-Lebensmodells: Möglichst viel in kurzer Zeit sparen - und dann für Jahrzehnte einen sparsamen Ruhestand genießen.

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