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Rezession:Die Krise trifft Selbständige

80 Prozent der Angestellten und Beamten haben keine Einbußen. Auch arbeiten Beschäftigte öfter daheim.

Von Alexander Hagelüken

Die Corona-Krise trifft die Deutschen wirtschaftlich sehr unterschiedlich. Während die meisten Selbständigen weniger Umsatz machen, verlieren 80 Prozent der Arbeitnehmer und Beamten trotz des schweren wirtschaftlichen Einbruchs kein Einkommen. Gleichzeitig zeigt sich, dass Beschäftigte auf Dauer öfter von zu Hause arbeiten werden.

Nach einer Studie des Bundesgesundheitsministeriums über fünf Monate müssen zwei Drittel der Selbständigen durch Corona Einbußen hinnehmen. "Besorgniserregend ist, dass die Krise die Schwachen besonders hart trifft", so Clemens Fuest vom Ifo-Institut, das wie andere an der Studie beteiligt war. So mussten bei den Selbständigen 85 Prozent der alleinerziehenden Frauen ihre Tätigkeit einschränken oder ganz damit aufhören. Auch bei den Angestellten gab es Verlierer: Geringverdiener, Hauptschulabsolventen und Arbeiter mussten am meisten zurückstecken. "Diese Gruppen sollten im Mittelpunkt weiterer politischer Maßnahmen stehen", fordert Fuest.

Obwohl die Corona-Krise vielen Einschnitte abverlangte, gibt es offenbar generell Zustimmung zum Gesundheitskurs der Regierung. So halten nach den Befragungen zwei Drittel der Deutschen die Maßnahmen zur Bekämpfung der Pandemie für richtig. "Die Politik hat den Menschen in der Corona-Krise das Gefühl gegeben, dass sie sich um das kümmert, was die Mehrheit bewegt", sagt Forsa-Geschäftsführer Manfred Güllner. 40 Prozent halten eine zweite Infektionswelle für wahrscheinlich.

Auf Dauer verändern wird die Pandemie wohl, wie die Bürger arbeiten. So will nach einer Ifo-Befragung jede zweite Firma Home-Office stärker anwenden. In der Krise schickten drei von vier Unternehmen einen Teil ihrer Mitarbeiter zum Arbeiten nach Hause. "Für viele Unternehmen ging die Umstellung mit beträchtlichen Investitionen in digitale Infrastruktur und neue Kommunikationstechnologie einher. Diese Neuorganisation der Arbeit wird aller Wahrscheinlichkeit nach nicht vollständig rückgängig gemacht werden", so Oliver Falck vom Ifo-Institut. Mehr als die Hälfte der Beschäftigten können zeitweise von zu Hause arbeiten. Vor der Pandemie wurde dieses Potenzial nur zur Hälfte ausgenutzt.

Allerdings werden wahrscheinlich wenige Mitarbeiter nur Zuhause arbeiten. Zum einen belaste ein Mangel an sozialen Kontakten. Zum anderen brauche es für kreativen Austausch und den Transfer von Ideen und Wissen auch persönliche Begegnungen. Meist würden Beschäftigte deshalb wohl Präsenz in der Firma und Zuhausearbeit mischen. So ließen sich Autonomie und Flexibilität im Home-Office mit dem sozialen Austausch im Betrieb vereinen.

Bei den Unternehmen führt die Pandemie zu einem Digitalisierungsschub. 70 Prozent der Firmen können ihre Kernprozesse noch weiter digitalisieren, so eine Studie der Haufe Group. Die meisten wollen dies auch nach der Krise weiter forcieren. Bei Investitionen stehen demnach künftig drei Bereiche im Fokus: Digitalisierung, Personal und Marketing.

© SZ vom 14.07.2020

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