Rettungspaket für Zypern:Russland lehnt Hilfe für reiche Anleger ab

Moskau äußert Mitgefühl für russische Anleger - will bei Verlusten durch das Rettungspaket für Zypern aber nicht eingreifen. Während vermögende Russen Verluste fürchten, hat die zyprische Staatsanwaltschaft nun Politiker und Unternehmen im Visier, die diese vermeiden wollten.

Die Regierung in Moskau will russischen Anlegern in Zypern nicht unter die Arme greifen. Sollten Russen im Zuge des geplanten Rettungspakets für den von der Staatspleite bedrohten Inselstaat Geld verlieren, wäre das sehr schade, sagte der Vize-Ministerpräsident Igor Schuwalow der Nachrichtenagentur Interfax zufolge in einem Fernsehinterview am Sonntagabend. "Aber die russische Regierung wird sich bei einer solchen Situation nicht einschalten."

Sollte allerdings ein Unternehmen, an dem der russische Staat beteiligt ist, viel Geld verlieren, sei man bereit, dies öffentlich und transparent je nach Fall zu prüfen. Konkrete Hilfen für Zypern seien damit aber nicht verbunden.

Im Rahmen des Rettungspakets für Zypern müssen Kunden der größten Bank Zyperns, der Bank of Cyprus, mit Verlusten von bis zu 60 Prozent ihrer Sparguthaben über 100.000 Euro rechnen. Ingesamt müssen sich vermögende Bankkunden sich mit einer Zwangsabgabe von etwa 30 Prozent an den Maßnahmen beteiligen. Auch viele Russen hatten ihr Geld in der Vergangenheit in das kleine Euro-Land im Mittelmeer gebracht, da Zypern als Steuerparadies mit niedrigen Steuern, hohen Zinsen und laxen Kontrollen galt.

Zyprische Politiker und Unternehmen unter Verdacht

Unterdessen prüft die Staatsanwaltschaft in Zypern ab diesem Dienstag Vorwürfe, wonach Politiker und Unternehmer Kredite von zyprischen Banken erhalten und diese nur zum Teil oder gar nicht zurückgezahlt haben sollen. Außerdem soll eine aus Richtern zusammengesetzte Kommission Gerüchten nachgehen, denen zufolge Insider kurz vor der mehrtägigen Bankenschließung große Summen von ihren Konten abgehoben haben sollen. Das Parlament hatte die Bildung dieser Kommission beschlossen.

Vergangene Woche hatten eine griechische Boulevardzeitung und ein griechisches Internet-Nachrichtenportal eine Liste mit Namen von Politikern veröffentlicht, die zwischen 2007 und 2012 Darlehen von den zwei in Schieflage geratenen Banken Bank of Cyprus und Laiki Bank erhalten haben sollen. Die griechische Presse berichtete nun zudem, zyprische und andere europäische Unternehmen hätten vor der Bankenschließung rund 700 Millionen Euro aus Zypern ins Ausland überwiesen.

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