bedeckt München
vgwortpixel

Elektroautohersteller:Faszinierend ist, dass Tesla so faszinierend ist

Das Gesicht von Faraday Future ist derzeit Nick Sampson, der von 2010 bis 2012 bei Tesla gearbeitet hat. Auch er bleibt sehr vage, was Faraday da eigentlich vorhat, er sagt lediglich: "Früher haben wir Musik gekauft, heute abonnieren wir sie. Ich muss nicht mehr ein bestimmtes Auto kaufen, ich kann immer genau das Modell wählen, das ich gerade brauche - die Autos von heute werden den Bedürfnissen der Menschen von heute nicht mehr gerecht." Sampson spricht von Tesla nicht als Konkurrenz: "Ich würde all diese Unternehmen als Verbündete bezeichnen. Je mehr Firmen mitmachen, desto mehr Kunden werden die Möglichkeiten erkennen."

Die wildeste Spekulation, die jedoch gar nicht mal so unrealistisch klingt: Faraday will elektrische und automatisierte Autos bauen, die der Kunde gar nicht kaufen soll. Er abonniert Kilometer pro Monate und bekommt jeweils das Fahrzeug geliefert, das er gerade braucht: ein sparsames Modell für die Fahrt zur Arbeit, einen SUV für den Familienausflug, einen Sportflitzer für das Date mit der Frau. Bei Tesla finden sie die Idee beeindruckend, O'Connell sagt: "Ich wünsche ihnen viel Glück, neue Mitspieler sind die Katalysatoren der Revolution."

Zurück in Fremont wird klar: Das Faszinierende an Tesla ist, dass dieses Unternehmen so faszinierend ist. Je größer der Hype um Tesla, desto größer der Hype um umweltfreundliche Fahrzeuge. Das Unternehmen hat als größenwahnsinniger Pionier die Revolution angeregt, selbst Musk glaubte zunächst, sein Projekt werde scheitern. Nun sprechen die Menschen über diese faszinierende Firma und animieren dadurch zum Mitmachen, zum Kopieren, zum Weiterdenken. Ganz ehrlich: Wer derzeit ein elektrisches Auto produziert, der ist cool. Also machen nicht nur ein paar traditionelle Autohersteller wie BMW mit, sondern auch Technologieunternehmen und neue Firmen wie Faraday Future, Atieva oder NextEV - die allesamt von Investoren aus China gefördert werden.

Tesla Einfach mal loslassen
Test
Autopilot im Tesla Model S

Einfach mal loslassen

Falls demnächst neben Ihnen ein Autofahrer freihändig vorbeirast, sitzt er wohl in einem Tesla. Der Autopilot des Model S funktioniert erstaunlich gut - bis ich die Autobahn verlasse.   Von Felix Reek

Natürlich kann Tesla scheitern, schließlich folgt im "Hype-Zyklus" auf den Gipfel der überzogenen Erwartungen erst einmal das Tal der Enttäuschungen. Es ist auch möglich, dass einer der Mitstreiter noch bessere Fahrzeuge bringt und Tesla deshalb kein bedeutsamer Mitspieler auf einem womöglich gewaltigen Markt wird. Wenn jedoch jedes Auto so angetrieben wird wie ein Tesla, dann profitiert das Unternehmen einerseits über die Batterieproduktion, andererseits kann die Welt dadurch tatsächlich ein besserer Ort werden.

Daran glauben sie bei Tesla, und wenn Elon Musk ehrlich war bei dem, was er bisher über nachhaltigen Transport gesagt hat, dann ist es ihm egal, ob Tesla letztlich finanziell erfolgreich ist - so lange die Revolution möglichst schnell vollzogen wird.

Wer die Fabrik in Fremont verlässt, der ist freilich nicht restlos überzeugt, dass Tesla einmal 700 Milliarden Dollar wert sein wird und dass ein Tesla-Fahrer jede Frau bekommen kann. Er hat jedoch erfahren, dass Musk und seine Mitarbeiter verrückt genug sind, die Welt verbessern zu wollen. Und der Besucher ist nun verrückt genug, es zu glauben, dass ihm der Roboter Wolverine zum Abschied zuwinkt.

Auto Die große Auto-Lüge
Essay

Die Deutschen und das Auto

Die große Auto-Lüge

Der Diesel-Skandal erschüttert den VW-Konzern - und eine ganze Auto-Nation. Die Liebe der Deutschen zum Pkw ist legendär. Stirbt nun der Mythos?   Essay von Marc Beise