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Raumfahrt:Bilder von Tankanlagen helfen, die Ölpreisentwicklung vorherzusagen

Das möchte auch die Raumfahrtagentur Esa, sie hat vor etwa 15 Jahren damit begonnen, ein Netzwerk von Business Incubator Centres (Bic) aufzubauen, um Know-how aus der Raumfahrt an junge Firmen weiterzugeben. Bis jetzt haben sich europaweit etwa 430 Start-ups gebildet, jährlich werden 140 Firmen unterstützt. "Ziel der Esa ist es, Raumfahrttechnologien zu kommerzialisieren und der Allgemeinheit zur Verfügung zu stellen", sagt Cornelia Gebath von der Esa Bic Bavaria in Oberpfaffenhofen. Das soll auch helfen, die hohen Investitionen zumindest zum Teil wieder einzuspielen. Schwerpunkte sind Satellitennavigation, Erdbeobachtung, Datenauswertung, aber auch Hardwareanwendungen. "Wir legen sehr viel Wert darauf, die Ideen der Start-ups zu fördern, um diesen zur Marktreife zu verhelfen." Gerade hat die Esa angekündigt, mit Airbus eine Nutzlastplattform namens Bartolomeo an die ISS anzudocken, um dort privaten Nutzern Experimente im All zu ermöglichen. "Ein wichtiger Schritt auf dem Weg zur verstärkten kommerziellen Nutzung der Raumstation", so die Esa.

Raumfahrt kann also ein Werkzeug für neue Entwicklungen und Geschäftsideen sein, eine Goldgrube für Start-ups gewissermaßen: Hedgefonds-Manager können zum Beispiel Bilder von Öltanks in den Raffinerien analysieren lassen, um hochzurechnen, wie sich der Ölpreis entwickelt, die Belegung der Parkplätze von Einkaufszentren kann etwas über deren Auslastung und Rendite aussagen. "Viele technologische Möglichkeiten, die wir der Raumfahrt verdanken, sind als Lösungen für Alltagsanwendungen angekommen, wie etwa autonomes Fahren", sagt Uli Fricke von Space-Starters. Darüber hinaus gibt es Start-ups wie Kaskilo in München oder in Berlin Space Technologies und Orbital Systems, die die Hardware liefern und ein Satellitennetz für das Internet der Dinge aufbauen oder mit Mikrosatelliten ihr Geld verdienen wollen. Es ist viel in Bewegung in der Branche.

Das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) und die Esa tragen dazu bei und loben Wettbewerbe für Gründer aus, wie etwa den Innospace Masters. Auch hier ist OHB ein Partner - neben dem Airbus-Konzern. Die Sieger erhalten unter anderem Preisgelder, Betreuung, Kontakte und technische Unterstützung.

Einer der Gewinner war 2016 das Unternehmen Vialight aus Gilching im Süden Münchens, das sich mittlerweile in Mynaric umbenannt hat und im Oktober an die Börse gegangen ist. Zwei der Gründer waren zuvor beim benachbarten DLR beschäftigt, Mynaric-Vorstandschef Wolfram Peschko stieß später dazu. Der 67-jährige Physiker ist mit Mynaric in den Markt für schnelle Laserkommunikationsnetze eingestiegen. Auf einer Grafik zeigt er Luftraum, Stratosphäre und Erdorbit, dazu Flugzeuge, Ballons und Satelliten mit Laserterminals von Mynaric - alles abhörsicher mit Bodenstationen verbunden, auch in entlegenen Gebieten. Peschko sieht darin einen riesigen Zukunftsmarkt, Stichwort Internet der Dinge: Maschinen gehen online, Fahrzeuge fahren zunehmend autonom, die Menge der Daten, die um den Globus gejagt wird, vervielfacht sich rasant. Dies sei günstiger, als Glasfaser im Boden zu vergraben, sagt Peschko. "Der Bedarf unserer Kunden liegt derzeit bei etwa zehn Gigabit pro Sekunde, in ein paar Jahren sind es wahrscheinlich 100 Gigabit."

Um bald die Serienfertigung der Laserterminals zu starten, hat er knapp 30 Millionen Euro an der Börse eingesammelt. Peschko erwartet, dass der Mynaric-Umsatz in fünf Jahren einen dreistelligen Millionenbereich erreicht und sich die Zahl der jetzt 50 Mitarbeiter verfünffacht hat. Er sieht vor allem Potenzial in den USA. "Die Unternehmen, mit denen wir sprechen, wollen Anfang der Zwanzigerjahre Konstellationen im All aufbauen, es geht um einige Hundert bis 1000 Satelliten". Da sind kurze Entwicklungszeiten wichtig. "Wir haben einen anderen Ansatz als klassische Space-Firmen, die von großen Staatsaufträgen leben und aufwendige Einzelanfertigungen herstellen", sagt Peschko. "New Space ist die Kommerzialisierung des Weltalls." Hinsichtlich der Finanzierung ist er selbstbewusst: "Es gibt nicht so viele Sachen, die ähnlich vielversprechend sind."

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