Tesla-Gründer Elon Musk Musk bleibt Tüftler und Schrauber

Ist es da eigentlich noch von Belang, dass Musk in der vergangenen Woche vom britischen Taucher Vernon Unsworth verklagt worden ist? Musk hatte ihn bei Twitter als "pedo guy" bezeichnet, als Pädophilen. Unsworth hatte es gewagt, während der Rettung der in einer Höhle gefangenen Fußballmannschaft in Thailand die von Musk angebotene Mission mit einem Mini-U-Boot als "PR-Stunt" zu bezeichnen, und natürlich hält ihn Musk deshalb für einen: schwachsinnigen Dummkopf.

Um sich diesem Elon Musk ein bisschen zu nähern, muss man immer wieder mal zu dieser Straßenecke in Los Angeles. Dort kommt man ihm nahe, ohne ihm zu nahezukommen.

Also dann, Space-X-Gelände, Ende Juli: Studententeams versuchen bei der "Hyperloop Pod Competition" selbstgebaute Kapseln möglichst schnell durch die luftbefreite Röhre zu jagen, es ist ein Wettkampf der Tüftler und Schrauber. Kurz nach drei Uhr kommt Musk in einem Model X von Tesla, Kennzeichen BCYB294, er trägt hinter den Kulissen ein Schlabbershirt mit dem Logo der Raumfahrtbehörde Nasa darauf, eine rosarote Sonnenbrille und Flächenbrandtreter-Schuhe. Er betritt ein Zelt, erst mal umziehen. Das machen viele Leute: bequem reisen und dann in präsentable Klamotten schlüpfen. Das Erstaunliche an Musk ist, wie er herauskommt: Schlabbershirt mit Space-X-Logo, schwarze Sonnenbrille, Flächenbrandtreter-Schuhe. Er sieht aus wie vorher, wie ein Tüftler und Schrauber, und es kann kein Zufall sein, dass er so aussieht.

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2023 soll die "Big Falcon Rocket" Yusaku Maezawa bis auf 200 Kilometer an den Mond heranbringen. Gute Neuigkeiten auch für den Raumfahrtunternehmer Musk, der gerade mit Negativschlagzeilen kämpft.

Musk geht immer ein bisschen nach vorne gebeugt mit extrem durchgedrücktem Rücken. Er treibt, das ist trotz Schlabbershirt zu sehen, ganz offensichtlich nicht besonders viel Sport, was ihn schon mal von anderen berühmten Tech-Chefs unterscheidet. Brian Chesky (Airbnb) ist Fitnessfreak, Mark Zuckerberg (Facebook) und Jack Dorsey (Twitter) sind Langstreckenläufer, Nick Woodman (Go Pro) surft, Jeff Bezos (Amazon) sieht mittlerweile so aus, als könnte er gemeinsam mit Russlands Präsidenten Wladimir Putin auf Bärenjagd gehen. Musk bleibt Tüftler und Schrauber.

"Es gibt genügend Menschen, die pessimistisch oder gar deprimiert in die Zukunft blicken. Ideen wie diese sind die wenigen Dinge, weswegen sich die Leute auf die Zukunft freuen dürfen", ruft Musk. Er ist ein fantastisch schlechter Redner, das gehört zum Image, er schert sich nun mal nicht um gefeilte Formulierungen, sondern um die Zukunft der Menschheit. Er sagt, und so was kann man sich nicht ausdenken: "Was wir hier sehen, das ist Zeug aus der Zukunft - das ist so aufregend wie die Mondlandung."

Träumt nicht jeder kleine Junge von Raketen und schnellen Autos?

Warum fällt einem ausgerechnet jetzt das Lied "Einmal um die ganze Welt" von Karel Gott ein und der unvergessene Refrain: "Einmal um die ganze Welt, und die Taschen voller Geld, dass man keine Liebe und kein Glück versäumt. Viele fremde Länder seh'n, auf dem Mond spazieren gehen - davon hab' ich schon als kleiner Bub geträumt." Musk ist ein Genie, gewiss, er ist aber auch einer, der die Taschen voller Geld hat. Mit dem Verkauf des Bezahldienstes Paypal im Jahr 2002 hat er nach Abzug von Steuern 180 Millionen Dollar verdient - und sogleich investiert: 100 Millionen in Space-X, 70 in Tesla, zehn in Solar City.

Nur mal so ein Gedanke: Was würde ein zehn Jahre alter Bub auf die Frage antworten, was er sich denn wünschen würde, wenn er genug Geld hätte? Könnte es sein, dass bei ziemlich vielen Jungs ein cooles Auto, eine Rakete und ein Tunnel auf der Liste stehen würden - bei manchen vielleicht sogar schon ein energieeffizientes und damit ultracooles Haus?

Zurück zur Straßenecke, April 2016. Es ist einer der wichtigsten Abende der Tesla-Firmengeschichte: Es gibt Champagner und Thunfisch-Tacos, die Leute tragen Smoking und Abendkleid. Es erinnert alles ein bisschen an diese Party im Buch "The Great Gatsby", auf der die Leute ihre eigene Großartigkeit feiern und verrückte Geschichten über den Gastgeber erzählen, einer junge Frau sagt zum Beispiel: "Ich glaube ja, dass Elon Musk ein Alien ist, das gekommen ist, um uns Menschen zu retten." Ein Alien! Niemand lacht, niemand tippt sich an die Stirn - alle nicken, als wäre dieses Erlöserszenario realistisch.