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Einkommen im Alter:Vielen Rentnern geht es gut

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Altersarmut ist meist weiblich: Frauen sind im untersten Einkommenszehntel deutlich mehr vertreten als Männer.

(Foto: dolgachov/imago images)

Die Alterseinkommen sind zuletzt deutlich stärker gestiegen als die Lebenshaltungskosten. Viele Ruheständler profitieren zudem von Zusatzeinkünften.

Von Thomas Öchsner

Wer bei Google das Wort Altersarmut eingibt, kommt auf mehr als 1,1 Millionen Treffer. Darin spiegelt sich wider, dass viele Menschen in Deutschland, vor allem die Jüngeren, ein finanziell unsicheres Leben im Ruhestand befürchten. Die meisten Rentner heute müssen sich deshalb wohl keine Sorgen machen. Dies zeigt der neue Alterssicherungsbericht 2020 der Bundesregierung. "Die heutige Rentnergeneration", heißt es in der 275 Seiten starken Analyse, "ist überwiegend gut versorgt." Ihr Alterseinkommen habe sich in den vergangenen Jahren sogar "insgesamt günstig" entwickelt.

Steigen die Lebenshaltungskosten stärker als die Renten, können sich Ruheständler, die vor allem von der gesetzlichen Rente leben, weniger leisten. Von 2001 bis 2010 war dies oft so. In den vergangenen zehn Jahren stiegen dagegen die Altersbezüge deutlich stärker als die Inflationsrate. Rentner gewannen zuletzt an Kaufkraft - auch das bestätigt der neue Alterssicherungsbericht. Demnach belief sich 2019 das durchschnittliche Haushaltsnettoeinkommen aller Ehepaare und Alleinstehenden im Alter ab 65 Jahre auf 2207 Euro pro Monat, seit 2015 immerhin ein Plus von 14 Prozent. Die Preise für die Lebenshaltung stiegen im gleichen Zeitraum nur um 5,3 Prozent.

Beamte sind auch dank ihrer Pensionen von Altersarmut wenig gefährdet

Vom Konjunktur- und Jobboom in der letzten Dekade profitieren jedoch nicht nur die Alten: Der Zuwachs bei deren Einkommen entspreche etwa dem Einkommensplus bei der Gesamtbevölkerung, so die Regierungsanalyse. Im nächsten Jahr wird es aber wahrscheinlich düsterer aussehen: Fachleute rechnen, bedingt durch die Corona-Pandemie, mit einer Nullrunde bei den gesetzlichen Renten.

Ein älteres Ehepaar verfügt laut der Analyse im Durchschnitt über monatlich 2907 Euro netto, alleinstehende Männer über 1816 Euro, Frauen über 1607 Euro. Frauen sind im untersten Einkommenszehntel deutlich mehr vertreten als Männer. Altersarmut, die sich in den amtlichen Statistiken oft nicht ausreichend widerspiegelt, weil sich viele alten Menschen immer noch nicht beim Sozialamt melden, ist nach wie vor allem weiblich. Beamte sind auch dank ihrer Pensionen von Altersarmut wenig gefährdet: Ihr gesamtes Monats-Nettoeinkommen wird für Männer mit 2892 Euro und für Frauen mit 2423 Euro beziffert.

Der Bericht, den das Bundesarbeitsministerium alle vier Jahre erstellt, liefert neuen Stoff für die Diskussionen um die besten Rezepte im Kampf gegen künftige Altersarmut. So hat die gesetzliche Rente immer noch die größte Bedeutung für die Versorgung der alten Menschen. 18,5 Millionen Menschen mit mindestens 65 Jahren beziehen Renten aus der gesetzlichen Versicherung; fast drei Viertel aller an diese Generation gezahlten Altersleistungen stammen aus der Rentenkasse, wobei die durchschnittliche Leistungshöhe nicht allzu üppig ausfällt: Sie liegt dem Bericht zufolge bei gerade einmal 1082 Euro brutto und 969 Euro netto im Monat.

Die Zahl sagt allerdings wenig über das tatsächliche Einkommen aus. Zu groß sind die Unterschiede zwischen Männer und Frauen, Ost und West, Gering- und Besserverdienern. Außerdem verzerren besonders niedrige Renten für Selbständige oder Beamte, die früher gesetzlich versichert waren, den Durchschnitt. In dem Alterssicherungsbericht wird angemerkt: Ehepaare mit einer gesetzlichen Rente unter 250 Euro verfügten über "ein durchschnittliches Bruttoeinkommen von 4122 Euro. Für alle Haushaltstypen zeigt sich, dass ein geringer Rentenbeitrag mit vergleichsweise hohen Gesamteinkommen einhergeht. Geringe Rentenbeträge werden also in der Regel durch zusätzliche Einkünfte oder Einkommens des Ehepartners ausgeglichen."

Knapp ein Fünftel der älteren Ehepaare bezieht Einkünfte aus Vermietung und Verpachtung

So verfügen viele Ruheständler über Zusatzeinkünfte, etwa die Hälfte über eine betriebliche oder private Vorsorge. Ausgerechnet diejenigen, die im Alter vor allem auf zusätzliche Einkünfte angewiesen sind, sorgen jedoch besonders wenig vor. Private Renten zum Beispiel betragen in den alten Bundesländern bei Ehepaaren durchschnittlich 367 Euro pro Monat. Weiter verbreitet sind Zinseinkünfte, für Ehepaare im Westen des Landes monatlich immerhin 265 Euro, für Alleinstehende 210 Euro.

Deutlich höher sind die Einkünfte aus Vermietung und Verpachtung, die knapp ein Fünftel der älteren Ehepaare beziehen und über die jeder zehnte Alleinstehende verfügt: Hier beläuft sich der gesamtdeutsche Durchschnitt auf monatlich 1064 Euro (Ehepaare) und 771 Euro (Alleinstehende). Immerhin gut zwei Drittel der Ehepaare ab 65 Jahren und etwa jeder zweite Alleinstehende wohnt in den eigenen vier Wänden- ein großer finanzieller Vorteil im Alter: "Personen mit Wohneigentum weisen ein deutlich höheres verfügbares Einkommen auf als Mieter", so der Bericht.

Die Analyse beruht vor allem auf einer repräsentativen Befragung von mehr als 30 000 Personen und damit auch auf Selbstauskünften. Dabei sei zu berücksichtigen, dass "die Einkommen aus Vermögen von den befragten Personen tendenziell zu niedrig angegeben wurden". Die teilweise krassen Unterschiede, die es bei den Alterseinkommen gibt, könnten also noch höher sein.

© SZ

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