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Rentenbescheid:Kürzere Sätze, klarere Worte

Die Rentenbescheide in Deutschland werden verständlicher. Das neue Motto lautet: "Erläutern statt berechnen". Was für den Rentner wichtig ist, soll von Ende März an auf zwölf Basisseiten stehen.

Der Auftrag klingt ganz einfach: Ein Rentenbescheid soll darüber informieren, wann die Rente beginnt, wie hoch sie ausfällt und mit welchen Versicherungszeiten der Rentner seine Ansprüche erworben hat. Für eine Behörde, die stets darauf erpicht ist, sich nicht angreifbar und keine juristischen Fehler zu machen, ist das aber schwer umzusetzen. Rentenbescheide konnten deshalb manchmal bis zu 150 Seiten lang sein, 21 Anlagen enthalten und "schwer verständlich" sein, wie die Deutsche Rentenversicherung (DRV) selbst eingesteht. Doch inzwischen rückt die Behörde Schritt für Schritt vom "Fachchinesisch" ab.

Den Bescheid, den jeder bekommt, der zum ersten Mal eine gesetzliche Rente bezieht, ist nach Angaben der DRV bereits kürzer und einfacher, verständlicher und persönlicher geworden. Seit sieben Jahren arbeitet die Behörde daran. Geholfen haben dabei Sprachberater des Instituts für Verwaltungskommunikation bei der Verwaltungshochschule in Speyer. Nun sollen auch bis Ende März die Anlagen mit den für Laien äußerst komplizierten Berechnungen wegfallen. "Der Bescheid richtet sich jetzt mehr an Bürger statt an Juristen, aber natürlich so, dass er auch von Richtern grünes Licht erhält und justiziabel bleibt", sagt der Sprecher der Rentenversicherung. Beim Vereinfachen der Schreiben habe man sich an den Wünschen der Rentner orientiert. Das gesamte Reformprojekt will die DRV im kommenden Jahr abschließen.

1,35 Millionen Rentenbescheide verschickt die Behörde jedes Jahr. Ein Rentenbescheid basiert auf etwa 10 000 Textbausteinen, alle wurden nun sprachlich überarbeitet. Die Sätze werden kürzer, Fachbegriffe erläutert. Dadurch ändert sich vieles: Bislang war der Basisbescheid 18 Seiten lang, mit der Reform werden es von Ende März an nur noch zwölf Seiten sein. Auf der Seite eins stehen alle wichtigen Beträge wie die Höhe der Rente oder die Zuschüsse zur Kranken- und Pflegeversicherung. Es gibt ein kommentiertes Inhaltsverzeichnis. Die Bescheide sollen persönlicher und freundlicher wirken. Deshalb enthalten die Kopfzeilen zum Beispiel Namen anstatt nur Nummern.

1,35 Millionen Rentenbescheide...

... verschickt die Rentenversicherung jährlich. Was in Euro und Cent für die Rentner wichtig ist, soll nun auf der ersten Seite stehen.

Die Anlagen mit umfangreichen Zahlenkolonnen zur Berechnung der Rente fallen weg. Diese will die Rentenversicherung "durch verständliche Erläuterungen" ersetzen. "Von den seitenlangen Berechnungen fühlten sich viele Leute überfordert", sagt der Verwaltungswissenschaftler Burkhard Margies vom Institut für Verwaltungskommunikation. "Erläutern statt Berechnen" - so soll jetzt das neue Motto lauten. Wer dennoch die Anlagen mit den Berechnungen will, kann diese bei der Rentenversicherung anfordern.

Der Bundesverband der Rentenberater hatte kritisiert, dass die Anlagen nicht mehr im Bescheid enthalten sind. Dadurch sei die "Ermittlung der Entgeltpunkte, aus denen die individuelle Rentenhöhe berechnet wird, selbst für interessierte Laien nicht mehr nachvollziehbar". Die Rentenversicherung kann diese Kritik nicht nachvollziehen. Die Behörde wünscht sich, "dass auch die Rentenberater die Vereinfachungen und die besseren Lesbarkeit der Rentenbescheide positiv begleiten, auch wenn der neue Bescheid weniger Fragen aufwirft und das Beratungsaufkommen möglicherweise zurückgeht".

Mit der Reform will die Rentenversicherung etwa 30 Prozent weniger Seiten pro Bescheid produzieren. Das spart nicht nur Portokosten. Die Fachleute der Behörde hoffen auch darauf, dass weniger Beratungsgespräche nötig sein werden und die Zahl der Widersprüche zurückgehen wird. Dann wären auch die Verwaltungskosten geringer.

© SZ vom 10.03.2018
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