Corona-Krise:Jetzt ist die Nullrunde amtlich

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Coronavirus: Ein Rentner in Argentinien während der Pandemie

Eine dritte Impfung soll den nachlassenden Impfschutz für Personen ab 70 Jahren auffrischen.

(Foto: Alejo Manuel Avila/DPA)

Für die Rentner im Westen gibt es keinen Cent mehr, für die im Osten eine Mini-Erhöhung. Eine Kürzung verhindert nur die Rentengarantie. Für 2022 sieht es aber schon wieder besser aus.

Von Thomas Öchsner

Es war im Prinzip schon klar, jetzt ist es offiziell: Rentner im Westen Deutschlands können sich in diesem Sommer erstmals seit Jahren nicht über eine Rentenerhöhung freuen. Wie erwartet gibt es für sie eine Nullrunde, während im Osten die Renten nur leicht steigen. Es hätte aber noch schlimmer kommen können: Eigentlich hätten die Renten 2021 sinken müssen. Das aber verhindert die gesetzliche Rentengarantie.

Normalerweise werden immer zum 1. Juli die Renten in West und Ost erhöht. So war es in den vergangenen zehn Jahren. Doch dieses Mal fällt die jährliche Rentenerhöhung aus - wie zuletzt 2010 nach der weltweiten Finanzkrise. Diesmal liegt es an der Corona-Krise, die zeitverzögert tiefe Spuren in der gesetzlichen Alterssicherung hinterlässt.

Vereinfacht gesagt: Sind die Löhne im Vorjahr gestiegen, steigen die Renten im Folgejahr. 2020 sind die Löhne aber infolge des pandemiebedingten Wirtschaftseinbruchs gesunken, nach Berechnungen des Statistischen Bundesamtes im Westen sogar um 2,34 Prozent. Hinzu kommt ein weiterer Faktor: Erhöht sich die Zahl der Rentner schneller als die der Beitragszahler, drückt dies auf die Höhe der Rentenanpassung. 2020 war das so. Die Renten hätten deshalb um weitere 0,92 Prozentpunkte sinken müssen. Unterm Strich ergäbe sich dadurch eine Rentenkürzung von mehr als drei Prozent. Diese wird aber durch die gesetzliche Rentengarantie verhindert.

Rente wird im Osten bis 2024 angeglichen

Im Osten gibt es eine Sondersituation: Hier steigen die Renten um 0,72 Prozent. Diese Erhöhung ist per Gesetz vorgesehen, da die Berechnung der Rente Ost schrittweise an die der Rente West angepasst wird, bis dann von Juli 2024 an die gesetzlichen Altersbezüge bundesweit einheitlich berechnet werden. Maßgeblich ist hier der Rentenwert. Er drückt die Höhe der Rente pro Monat aus, die ein Durchschnittsverdiener mit einem Jahr Arbeit erwirbt. Dieser Rentenwert steigt im Osten von 33,23 auf 33,47 Euro. Im Westen bleibt er bei 34,19 Euro. In den vergangenen fünf Jahren hatte es eher kräftige Rentensteigerungen gegeben, zuletzt im Westen von 3,45 Prozent und im Osten sogar von 4,2 Prozent.

Bundesarbeitsminister Heil sagte: Die Rentengarantie schütze "die Rentnerinnen und Rentner auch in schwierigen Zeiten vor Rentenkürzungen". Die Präsidentin der Deutschen Rentenversicherung, Gundula Roßbach, wies darauf hin, dass zwischen 2015 und 2020 die Renten im Westen um etwa 17 Prozent und im Osten um 23 Prozent angehoben worden seien. Die Rentner hätten "damit auch real mehr Geld in der Tasche, da die Rentenanpassungen spürbar höher waren als der Preisanstieg".

Roßbach rechnet im nächsten Jahr "wieder mit einer positiven Rentenanpassung für alle". Tatsächlich wäre 2022 eine deutliche Rentenerhöhung möglich, wenn es mit der Konjunktur 2021 aufwärts geht. Das erwarten zumindest viele Ökonomen. Sicher ist schon jetzt: Rentner müssen für die unterbliebene Rentenkürzung bei der nächsten Erhöhung keine Abstriche hinnehmen. Ein solcher Mechanismus war bei der Einführung der Rentengarantie eigentlich vorgesehen. Dies hat Bundesarbeitsminister Heil nun aber per Gesetz verhindert.

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