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Rente:"Bei Riester halten zu viele die Hand auf"

Verbraucherschützerin rechnet nicht damit, dass vor der Bundestagswahl neue Regeln für die vom Staat geförderte Riester-Rente kommen. Die Idee eines staatlich verwalteten Vorsorgeprodukts sieht sie dagegen im Aufwind.

Von Jonas Tauber, Berlin

Die von Versicherern dringend angemahnten neuen Regeln für die staatlich geförderte Riester-Rente wird es vor den Bundestagswahlen nicht geben, das erwartet der Verbraucherzentrale Bundesverband (VZBV). "Dass das vor den Wahlen im Herbst nicht mehr kommt, dürfte inzwischen klar sein", sagte Dorothea Mohn, Leiterin des Teams Finanzmarkt. Union und SPD hatten sich im Koalitionsvertrag eigentlich darauf verständigt, mit der Versicherungsbranche über die Schaffung eines Riester-Standardvertrags zu sprechen. "Leider ist der Prozess viel zu spät angegangen worden", so Mohn.

Die Finanzexpertin begrüßt allerdings, dass die Politik die einschlägigen Forderungen der Versicherungsbranche jetzt nicht umsetzt. Der Verband GDV hatte vor dem Hintergrund der Niedrigzinsen an den Kapitalmärkten vehement eine Lockerung der Garantie gefordert, dass Sparer mindestens ihre Beiträge herausbekommen. Komme diese Lockerung nicht, könnten einzelne Gesellschaften ihre Riester-Angebote bald vom Markt nehmen, warnt der Verband.

Die Riester-Rente ist umstritten. Kritiker monieren hohe Kosten zu Lasten der Rendite und der Steuerkasse, sie machen dafür die Versicherer und ihre Vertriebe verantwortlich. Für die Versicherer ist Riester mit mehr als 16 Millionen Verträgen dagegen ein Erfolgsmodell, an den hohen Kosten sei die aufwändige staatliche Zulagenverwaltung schuld. Sie fordern eine Stärkung der Förderung und eine Ausweitung auf Selbstständige.

Der VZBV macht sich dagegen für die Schaffung eines staatlich verwalteten, aber kapitalgedeckten Vorsorgeprodukts ohne Vertriebskosten stark. Für diese "Extrarente" sieht Mohn inzwischen mehr Rückhalt. "Ich bin optimistisch, dass die Chancen für unsere Idee gestiegen sind", sagt sie. Parteiübergreifend gebe es immer mehr Befürworter eines solchen Ansatzes ohne Vertrieb und Vermittlungskosten. "Bei Riester halten zu viele die Hand auf."

Es wäre gut, wenn Rente und Altersvorsorge im Bundestagswahlkampf zum Thema werden, findet Mohn. "Meine Hoffnung ist zuerst, dass man das System der gesetzlichen Rentenversicherung so stabil und umfassend wie möglich regelt", sagt sie. Bei der zusätzlichen Altersvorsorge müsse sichergestellt sein, dass jeder Euro in guten und renditestarken Produkten landet. Das klappe bei den aktuellen Riester-Produkten nicht, "weil diese zu sehr aus Anbietersicht und zu wenig aus Perspektive der Verbraucher konzipiert wurden".

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