René Obermann Telekom-Chef stimmt Konzern auf harte Jahre ein

Wer nicht mehr wachsen kann, muss sich den Gewinn zusammensparen. Die Telekom verdient zwar dank eines drastischen Kürzungsprogramms im dritten Quartal mehr Geld, doch Unternehmenschef Obermann macht deutlich: Der Konzern wird es in den nächsten Jahren schwer haben.

Es läuft nicht gut für die Telekom: Das Unternehmen schrumpft. Konzern-Chef René Obermann stimmt die Angstellten darum auf weitere harte Jahre ein. Da der Preisverfall im Telekommunikationsmarkt anhalten werde, müsse die Telekom auch künftig sparen, sagte der Vorstandsvorsitzende bei der Vorlage der Zwischenbilanz für das dritte Quartal.

Für Lohnerhöhungen in der anstehenden Tarifrunde gebe es darum keinen Spielraum. Neben dem Preisdruck erwartet die Telekom auch negative Einflüsse aus dem wirtschaftlichen Umfeld.

"Wir müssen davon ausgehen, dass uns die konjunkturelle Entwicklung in den nächsten 24 oder 36 Monaten nicht gerade beflügeln wird", sagte Obermann.

Zudem sieht sich der Telekom-Chef vor einem Sättigungsproblem: Jeder zweite Inhaber eines Festnetzanschlusses verfügt inzwischen über einen Breitbandanschluss, und die Zahl der Mobilfunkkunden in Deutschland stagniert im Jahresvergleich.

Obermann bemängelte aber auch ein hausgemachtes Problem: Die "Vermarktungskraft bei innovativen Produkten" sei nicht ausreichend. An diesem Thema werde er "persönlich dranbleiben", kündigte der Konzernchef an.

Boom beim mobilen Internet

Da es derzeit an den nötigen Milliarden für eventuelle Zukäufe fehle, müsse die Telekom verstärkt organisch wachsen. Deshalb müssten neue Dienstleistungen wie cloud-basierte Internet-Anwendungen besser vermarktet werden.

Kräftige Zuwächse gibt es beim Internet-Fernsehen und auch beim mobilen Internet, weil sich Smartphones immer weiter verbreiten.

Bei dem "Entertain" genannten Fernseh-Produkt kommt nach Aussage Obermanns vor allem die neue Variante per Satellit gut bei den Kunden an. Die Geräte seien derzeit fast ausverkauft.

Das dritte Quartal bezeichnete Obermann als "ordentlich". Dank des laufenden Sparprogramms, das die Kosten in den ersten neun Monaten schon um 1,5 Milliarden Euro gesenkt hat, erzielte die Telekom trotz sinkender Umsätze eine Gewinnsteigerung. Das Konzernergebnis stieg um 14,6 Prozent auf 1,1 Milliarden Euro. Der Umsatz fiel allerdings auf Jahressicht um 4,1 Prozent auf 11 Milliarden Euro.

In diesen Rechnungen ist die zum Verkauf stehende US-Tochter T-Mobile USA schon nicht mehr mitgezählt. Obermann äußerte sich "sehr zuversichtlich", dass der Verkauf an den US-Telefonkonzern AT&T in der laufenden gerichtlichen Auseinandersetzung doch noch erlaubt werde. Das amerikanische Justizministerium ist gegen den Deal, weil der neu entstehende Konzern zuviel Marktmacht haben würde.

In den ersten neuen Monaten sank der Umsatz der Telekom um 5,8 Prozent auf 32,8 Milliarden Euro. Der ausgewiesene Gewinn ging um 14,1 Prozent auf 1,9 Milliarden Euro zurück.

Obermann setzt aber auf ein gutes viertes Quartal und gab sich zuversichtlich, die geplanten Ertragsziele erreichen zu können. Nach neun Monaten sei das angestrebte bereinigte Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) schon zu drei Vierteln erreicht, sagte er.