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Renditeziel gesenkt:Deutsche Bank wird bescheidener

Ex-Chef Ackermann wollte noch hoch hinaus: 25 Prozent Eigenkapitalrendite sollte die Deutsche Bank unter ihm erwirtschaften. Die neuen Chefs sind bescheidener: Sie geben als Zielmarke 18 Prozent aus. Selbst für diesen Wert müssen sie zu ungewöhnlichen Maßnahmen greifen.

Anshu Jain und Jürgen Fitschen bauen die Deutsche Bank weiter um. Die neuen Chefs haben in Frankfurt präsentiert, wie das größte deutsche Finanzinstitut in den kommenden Jahren Geld verdienen soll. Ihr Plan trägt den Namen "2015+".

Deutsche Bank Overhaul

Renditeziele wachsen ab sofort nicht mehr in den Himmel: Deutsche Bank schraubt das Profitziel runter.

(Foto: Bloomberg)

Die Finanzbranche ist im Umbruch. Die Krise hat die Branche sehr unter Druck gesetzt. Die Staaten fangen zudem an, die Finanzindustrie stärker zu regulieren. Viele Banken in den USA und Großbritannien hatten deswegen schon Mitarbeiter entlassen. Im Sommer erst zog die Deutsche Bank nach und kündigte an, 1900 Stellen zu streichen. Der Großteil davon entfällt auf das Investmentbanking. Ackermann wollte kurz vor seinem Abgang keine schlechten Nachrichten mehr verkünden, das überließ er seinen Nachfolgern.

Vor der Krise hatte Ackermann ein Renditeziel von 25 Prozent ausgegeben. Der Wert wurde zum Symbol einer gierigen Finanzbranche, die die Welt in eine schwere Wirtschaftskrise stürzte. Die Nachfolger Jain und Fitchen geben nun ein neues Ziel aus: 12 Prozent Eigenkapitalrendite nach Steuern. Ackermanns "25 Prozent"-Ziel war vor Steuern und ist somit nur schwer mit dem neuen Wert zu vergleichen. Die Bank selbst schätzt, dass die neue Vorgabe 17, 18 Prozent vor Steuern entspricht.*

Die Eigenkapitalrendite zeigt, wie viel Gewinn im Verhältnis zum Eigenkapital hängenbleibt. Sie ist bei Finanzinstituten traditionell höher als bei Industrieproduktionen, weil Banken etwa keine teuren Anlagen besitzen.

Um ihre Renditevorgabe zu erreichen, wollen sie schrumpfen und sparen. Bis 2015 peilt das neue Führungsduo jährliche Einsparungen von 4,5 Milliarden Euro an. Die Stellenstreichungen sollen 350 Millionen Euro bringen. Weitere 1,7 Milliarden Euro will die Bank nun aus der IT und den Verwaltungsbereichen herausholen. Der Verkauf von 40 Immobilien soll die Kasse zusätzlich aufbessern.

Die Finanzkrise erfordere "Antworten, die teilweise schmerzhaft sein werden. Das ist nicht zu leugnen", sagte Fitchen. Die Deutsche Bank habe das Ziel, langfristig als Gewinnerin aus den fundamentalen Umwälzungen in der Finanzbranche hervorzugehen. "Der mittelfristige wirtschaftliche und regulatorische Ausblick ist herausfordernd."

Die neuen Spielregeln für Banken sehen vor, dass die Geldhäuser mit mehr Eigenkapital ausgestattet sind. Um das zu erreichen, können die Banken entweder mehr Kapital einsammeln - oder ihr Geschäft verkleinern. Wenn das Geldhaus schrumpft, braucht die Deutsche Bank weniger Eigenkapital. Die harte Kernkapitalquote soll bis März 2013 auf acht Prozent, bis Ende März 2015 auf mehr als zehn Prozent steigen.

Deutsche Bank will "Bad Bank" gründen

Eine Kapitalerhöhung schlossen die neuen Chefs abermals aus. Ackermann hatte bereits Kapital für die Bank eingesammelt. Jain und Fitschen präsentieren nun das Gegenstück: einen Schrumpfkurs. Die Deutsche Bank will dafür eine interne "Bad Bank" mit Vermögenswerten aufbauen, von denen sie sich in den nächsten Jahren trennen will. In der Finanzkrise haben Staaten "Bad Banks" gegründet, die wertlose Papiere geschluckt haben. Bei der Deutschen Bank handelt es sich vor allem um verbriefte Wertpapiere, die sich über die Jahre in ihrem Investmentbanking angesammelt haben und die nun nicht mehr zum Kerngeschäft zählen sollen - die Risiken in der Bilanz sind 135 Milliarden Euro schwer.

Risiken loswerden, Rendite runterschrauben - Jain und Fitchen wollen nachhaltiger spekulieren. Die Deutsche Bank hatte zuletzte schlechte Konzernergebnisse vorgelegt. Im zweiten Quartal brach der Vorsteuergewinn im Investmentbanking, der nach wie vor wichtigsten Sparte, um über 60 Prozent auf 357 Millionen Euro ein. Zum ersten Mal seit langem verdiente die Bank mit Privatkunden mehr. Im Konzern blieb am Ende weniger als eine Milliarde Euro übrig - knapp halb so viel wie im Vorjahr und ein Bruchteil dessen, was der große US-Konkurrent JP Morgan geschafft hat.

Die Vermögensverwaltung ist die größte Baustelle im Deutsche-Bank-Konzern. Der Verkauf großer Teile des Bereichs gelang nicht, verunsicherte aber die Kunden und führte zu massiven Mittelabflüssen. Nun will die Bank die Vermögensverwaltung komplett umbauen und das Geschäft mit privaten und institutionellen Kunden enger verzahnen.

*Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version wurde das neue Renditeziel "12 Prozent" mit Ackermanns Ziel "25 Prozent" verglichen. Das ist nicht korrekt. Denn Ackermanns Wert ist vor Steuern, der Wert der neuen Chefs nach Steuern. Die Deutsche Bank selbst schätzt, dass der neue Wert vor Steuern 17, 18 Prozent entspricht. Der Artikel wurde entsprechend aktualisiert.

© Süddeutsche.de/Reuters/dpa/bbr/bero/bavo

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