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Automobilindustrie:Renault-Chef festgenommen - Aktie stürzt ab

Der Automanager Carlos Ghosn soll Steuern hinterzogen und Firmengelder missbraucht haben.

(Foto: AFP)
  • Carlos Ghosn, Chef der Autobauer Nissan und Renault, soll Steuern hinterzogen und Firmengelder missbraucht haben.
  • Die Staatsanwaltschaft in Tokio hat Ghosn festgenommen.

Der Autokonzern Nissan wird seinen Verwaltungsratschef Carlos Ghosn wohl noch in dieser Woche feuern. Denn die Staatsanwaltschaft Tokio ermittelt wegen Steuerhinterziehung und falscher Buchführung gegen den 64-Jährigen, der auch Chef des französischen Autobauers Renault ist. Dessen Aktie verlor zwischenzeitlich mehr als zwölf Prozent an Wert.

Eine interne Untersuchung von Nissan habe ergeben, dass Ghosn auch Firmengeld für private Zwecke missbraucht habe, teilte der Konzern mit. Maßgeblich in den Missbrauch von Firmengeldern soll auch der "repräsentative Direktor" Greg Kelly verwickelt sein.

Ghosn wurde am Montagabend Ortszeit von Tokioter Staatsanwälten verhört - und festgenommen. Sowohl Nissan als auch die Staatsanwaltschaft haben für den späten Abend Ortszeit eine Pressekonferenz angekündigt. Auch Kelly wurde festgenommen, melden japanische Medien.

Ghosn leitet Nissan seit 1999. Damals rettete der französische Autobauer Renault die japanische Nummer zwei aus finanziellen Schwierigkeiten. Der in Brasilien geborene Ghosn kam nach Japan und übernahm die Leitung von Nissan. Er wurde dort als "Cost-Cutter" bekannt, weil er massive Einsparungen umsetzte. Doch damit brachte er Nissan auf die Erfolgsspur zurück. Er galt bisher als der einzige Ausländer, dem es wirklich gelungen ist, einen japanischen Großkonzern erfolgreich zu führen.

Ghosn versteuerte plötzlich 30 Prozent weniger Einkommen

In den vergangenen Jahren stolperte Nissan allerdings immer wieder. Das Unternehmen meldete unter anderem falsche Abgas- und Benzinverbrauchswerte für mehrere Modelle. Darunter auch solche, die von Mitsubishi für Nissan gebaut wurden. Ghosn nutzte die Krise, Mitsubishi unter die Kontrolle von Renault-Nissan zu bringen. Er hält in der Allianz der drei Unternehmen die Fäden in der Hand.

Ghosn versteuerte 2016 ein Einkommen von 1,089 Milliarden Yen, umgerechnet etwa 8,5 Millionen Euro. In den Jahren zuvor jeweils etwa gleich viel. 2017 versteuerte er jedoch nur noch 735 Millionen Yen, etwa 5,7 Millionen Euro - also knapp 30 Prozent weniger. Das dürfte das Interesse der Staatsanwaltschaft und der Finanzbehörden geweckt haben. Für japanische Konzernchefs sind allerdings auch fünf Millionen Euro unvorstellbar hohe Summen.

Ghosn wurde in Japan bisher als Sanierer von Nissan wegen seines Erfolgs respektiert, gemocht haben ihn die Japaner aber nie. Er entließ hochqualifizierte Ingenieure und Facharbeiter. Das ist in großen japanischen Konzernen eigentlich tabu.

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