Die deutsche Urlaubsbranche erlebt gerade einen nie dagewesenen Aufschwung. "Wir haben noch nie ein solches Wachstum gesehen", sagte Norbert Fiebig, Präsident des Deutschen Reiseverbandes (DRV) bei einer Veranstaltung seiner Organisation in Frankfurt. Der Umsatz der Branche wuchs im Jahr 2017 um 8,2 Prozent, für 2018 sehen die Prognosen sogar noch positiver aus.
"Der Urlaub genießt weiterhin allerhöchste Priorität beim Konsum", stellte Fiebig fest. Niedrige Arbeitslosigkeit, eine gute Konjunktur und deutlich gestiegene verfügbare Einkommen sorgen für "eine ideale Ausgangslage", so das Marktforschungsunternehmen GfK. Außerdem sorgten die niedrigen Zinsen dafür, dass sich Sparen derzeit nicht lohne. Im Januar, dem wichtigsten Monat für Vorausbuchungen, lagen die Ausgaben etwa 18 Prozent über dem Vorjahresniveau, allerdings glaubt die GfK nicht, dass sich das Wachstum auch im Gesamtjahr halten lässt.
Die Deutschen haben 2017 für Privat- und Urlaubsreisen laut DRV insgesamt knapp 91 Milliarden Euro ausgegeben, knapp 65 Milliarden davon entfallen auf Vorausbuchungen für Reiseveranstalter, Hotels, Fluggesellschaften oder die Bahn. Und immer mehr reisen nach Griechenland. Das Land liegt mittlerweile bei den Buchungszahlen vor den Balearen und Kanaren und legt für den Sommer noch einmal um 40 Prozent zu. Insgesamt ist allerdings immer noch Spanien mit Abstand das beliebteste Ziel. Zwar zeichnet sich auch für die Türkei wieder deutliches Wachstum ab - doppelt so viele Urlauber haben im Januar für den Sommer vorausgebucht als im vergangenen Jahr. Dennoch ist die Krise noch lange nicht vorbei. Denn die aktuellen Trends deuten darauf hin, dass im kommenden Sommer immer noch nur noch halb so viele Deutsche ihren Urlaub in der Türkei verbringen werden wie im Jahr 2014. Ein deutliches Plus bei den Buchungen verzeichnet derzeit nach vielen mageren Jahren Ägypten.
Der Geschäftsreisemarkt wächst derzeit mit rund vier Prozent deutlich langsamer als die Privatreisen. "Die Verwerfungen im nationalen Markt sind immer noch spürbar", sagt Hans-Ingo Biehl, Hauptgeschäftsführer des Verbandes Deutsches Reisemanagement (VDR). Biehl kritisierte die höheren Flugpreise und das geringere Angebot, mit denen sich nach der Insolvenz von Air Berlin auf wichtigen innerdeutschen Flugstrecken Geschäftsreisende hätten plagen müssen. "Oft gibt es nur noch einen Anbieter oder gar keine Verbindungen mehr", so Biehl. Er kritisierte, die Pleite sei Teil eines breiteren Trends hin zu mehr Konsolidierung der Branche in Europa. Diese und die Allianzen der Fluggesellschaften "wirken sich negativ auf die Mobilität der Unternehmen aus", so Biehl. Viele würden deswegen, wo dies möglich sei, umsteuern und ihre Mitarbeiter nun bei innerdeutschen Reisen immer mehr auf die Bahn anstatt das Flugzeug buchen.