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Finanzen:Wie ältere Menschen ihre Reise günstig versichern können

Wenn Altwerden doch immer so einfach wäre: Die Australierin Irene O'Shea im vergangenen Dezember bei einem Fallschirmsprung über Südaustrialien - damals war sie 102 Jahre alt.

(Foto: BRYCE SELLICK; MATT TEAGER/AFP)
  • Reiserücktrittsversicherungen und -krankenversicherungen verlangen mehr Geld, wenn ihre Kunden älter als 65 Jahre sind.
  • Denn mit dem Alter steigt die Wahrscheinlichkeit, dass ein Versicherter wegen einer Krankheit die Reise absagen muss.
  • Es gibt aber immer noch Versicherer, die keinen Altersaufschlag erheben.

Ermäßigte Museums- und Theaterbesuche, günstigere Tickets für den öffentlichen Nahverkehr - Senioren erhalten vielerorts Vergünstigungen. Auch Reiseveranstalter und Hotels bieten oft preiswertere Tarife für die Altersgruppe 65 plus an. Ganz anders sieht das bei den Versicherungen für die Urlaubsreise aus. Hier steigen die Preise mit dem Erreichen des 65. Lebensjahrs oft sprunghaft an.

Diese Erfahrung musste auch ein Kölner machen. Der Geschäftsführer einer kleinen Firma, der auch privat viel reist, erhielt im Oktober vergangenen Jahres Post von der Europäischen Reiseversicherung, die inzwischen in Ergo Reiseversicherung umbenannt wurde. Die Gesellschaft teilte ihm mit, dass der Jahresbeitrag für seine Reiserücktrittspolice steige, weil er 65 Jahre alt geworden war. Die Police bietet ihm Schutz für den Fall, dass er eine Reise etwa aufgrund einer Erkrankung nicht antreten kann - die Versicherung zahlt dann die Stornogebühren. Die Erhöhung fiel happig aus, statt 69 Euro im Jahr sollte er jetzt 119 Euro zahlen.

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Die Ergo sah sich nicht in der Lage, zu dem konkreten Fall Stellung zu nehmen. Versicherer begründen höhere Preise für ältere Kunden in der Regel damit, dass sie höhere Schäden verursachen. In der Rücktrittsversicherung steigt mit dem Alter die Wahrscheinlichkeit, dass ein Versicherter wegen einer Krankheit die Reise absagen muss.

Einige Anbieter staffeln die Alterszuschläge sogar

Die Rücktrittsversicherung ist nicht die einzige Reiseversicherung, bei der die Anbieter mehr Geld verlangen, wenn die Kunden ein gewisses Alter erreichen. Preiserhöhungen sind auch in der Reisekrankenversicherung üblich, je nach Anbieter ab 60, 65 oder 70 Jahren. Normalerweise ist eine Police für eine Einzelperson, die das ganze Jahr gültig ist, zwischen acht und zwölf Euro zu haben, weiß Kim Paulsen vom Bund der Versicherten. "Durch den Alterszuschlag verteuert sie sich um 15 bis 80 Euro", sagt er. Bei Familienverträgen, die regulär zwischen 20 und 30 Euro kosten, erhöhen sich die Preise um 14 bis 159 Euro. Einige Anbieter staffeln die Alterszuschläge. "Ab 60 Jahren erhöhen sich die Preise ein bisschen, ab 65 Jahren etwas mehr und ab 70 Jahren wird es richtig teuer", erklärt Paulsen.

Senioren, die mit starken Preiserhöhungen konfrontiert sind, rät Paulsen, zu kündigen und einen günstigeren Tarif zu suchen. "Wichtig ist, erst dann zu kündigen, wenn eine neue Police abgeschlossen ist", sagt er. Denn in einem Punkt sind sich Versicherer und Verbraucherschützer einig: Niemand sollte ohne Reisekrankenversicherung in den Urlaub fahren. Zwar haben gesetzlich Krankenversicherte Anspruch auf Leistungen ihrer Kasse, wenn sie auf Reisen im europäischen Wirtschaftsraum erkranken und die Hilfe eines Arztes benötigen. Gleiches gilt in Ländern, mit denen Deutschland ein Sozialversicherungsabkommen hat wie mit der Türkei. In Ländern wie den USA gilt das aber nicht.

Auch innerhalb der EU aber kann es passieren, dass sie auf den Kosten sitzen bleiben, wenn sie ausschließlich auf den gesetzlichen Schutz setzen. Denn die Kassen erstatten nur Leistungen auf dem Niveau des Ziellandes. Fällt die Behandlung umfangreicher aus oder gerät der Reisende an einen Privatarzt oder eine Privatklinik, wird er selbst zur Kasse gebeten. Zudem übernimmt die gesetzliche Krankenversicherung nicht die Kosten eines eventuell nötigen Rücktransports nach Hause. Auch bei privat Krankenversicherten ist das nicht immer abgedeckt.

Wenn genug Menschen versichert sind, braucht es keinen Alterszuschlag

Eine Reisekrankenversicherung übernimmt dagegen die Kosten für die Rückführung. "Verbraucher sollten einen Tarif wählen, der einen Rücktransport schon dann erstattet, wenn er medizinisch sinnvoll und vertretbar ist, und nicht nur dann, wenn er medizinisch notwendig ist", sagt Paulsen. Besonders gute Tarife für Einzelreisende bieten laut einer Untersuchung der Zeitschrift Finanztest die DKV, die Ergo, die Hanse Merkur, die Würzburger Versicherung unter der Marke Travelsecure und die Vigo.

Einer der wenigen Versicherer, der laut Finanztest keinen Alterszuschlag erhebt, ist die Debeka. Bei ihr kostet die Reisekrankenversicherung für Einzelpersonen acht Euro im Jahr - unabhängig vom Alter. Der Versicherer verzichtet schon seit Einführung des Tarifs im Jahr 1988 auf Alterszuschläge - obwohl auch bei der Debeka ältere Kunden mehr und höhere Schäden melden. "Wir versichern über 1,2 Millionen Menschen gegen Krankheiten auf Reisen", erklärt ein Sprecher der Debeka. "Bei so einem großen Kollektiv funktioniert der Risikoausgleich sehr gut, da müssen wir nicht nach dem Alter differenzieren." Das heißt: Weil jüngere Menschen weniger Schäden melden, gleicht das die steigenden Schäden im Alter aus. Auch in der Reiserücktrittsversicherung erhebt die Debeka keine Zuschläge.

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