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Reisen:Unterwegs zu guten Taten

Die Touristikindustrie bietet ihren Kunden die Möglichkeit, zugunsten von Entwicklungsprojekten zu spenden.

Der Tourist zerstört, was er sucht, indem er es findet. Der Schriftsteller Hans Magnus Enzensberger ist mit diesem Satz oft zitiert worden. Damit der Tourist beim Reisen kein schlechtes Gewissen zu bekommen braucht, gibt es von Reiseveranstaltern initiierte wohltätige Stiftungen, die gerade dort Gutes tun sollen, wo besonders viele Urlauber hinfahren und die Welt nachhaltig verändern.

Die Tui als der größte unter den Tourismuskonzernen gründete 2011 die Tui Care Foundation mit Sitz in den Niederlanden. Sie widmet sich der Bildung von jungen Menschen wie beim Eco-Kidz-Projekt in Südafrika, dem Schutz von Natur und Umwelt in Urlaubsregionen und setzt sich dafür ein, dass auch die lokale Bevölkerung vom Tourismus profitiert. In diesem Jahr stehen der in den Niederlanden ansässigen Stiftung dafür mehr als vier Millionen Euro zur Verfügung, im Jahr 2020 sollen es zehn Millionen Euro sein.

Einiges davon kommt bei Veranstaltungen zusammen, neuerdings können auch deutsche Tui-Kunden bereits bei der Buchung spenden, so wie das in Großbritannien schon länger möglich ist. Als Kuratoriumsmitglied konnte die Stiftung die frühere CSU-Bundestagsabgeordnete Dagmar Wöhrl gewinnen, die Rechtsanwältin und Unternehmerin leitete im vorigen Bundestag den Ausschuss für Entwicklungspolitik.

Andere Reiseunternehmen tun ebenfalls Gutes. So fördert der Studienreise-Spezialist Studiosus über seine Studiosus Foundation, einen eingetragenen Verein, derzeit 36 Projekte. Der Verein wurde 2005 gegründet, nach dem Tsunami in Südostasien.

Auch die Reisebranche insgesamt gibt sich umweltbewusst. Sie trifft sich in dieser Woche zur Jahrestagung des Deutsche Reiseverbandes im Sultanat Ras Al Khaimah, die Flugzeit beträgt sechs Stunden. Mit 32,35 Euro könne jeder Teilnehmer seinen Anteil an den Emissionen vollständig kompensieren, versprechen die Veranstalter. Das Geld geht an eine Solarstromanlage in der Dominikanischen Republik und ein Biomassekraftwerk in Indien.

© SZ vom 06.12.2017
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