TourismusMit diesen Tipps kann man Fehler bei der Urlaubsbuchung vermeiden

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Entspannung im kristallklaren Wasser von Koh Kood, Thailand, an einem sonnigen Nachmittag: Für viele Menschen ist der Urlaub die schönste, aber auch teuerste Zeit des Jahres.
Entspannung im kristallklaren Wasser von Koh Kood, Thailand, an einem sonnigen Nachmittag: Für viele Menschen ist der Urlaub die schönste, aber auch teuerste Zeit des Jahres. IMAGO/Zoonar.com
  • Die Reisepreise sind seit der Pandemie um etwa 50 Prozent gestiegen, viele Verbraucher geben mehr für Urlaub aus als für private Altersvorsorge.
  • Bei der Urlaubsbuchung sollten negative Hotelbewertungen nicht überbewertet und Katalog-Beschreibungen kritisch gelesen werden, um Enttäuschungen zu vermeiden.
  • Verbraucherschützer warnen vor Fake-Shops im Internet, die günstige Urlaubsunterkünfte und Eintrittskarten anbieten, aber kein echtes Produkt liefern.
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Die Preise für Reisen sind gestiegen, Onlinebewertungen können verunsichern. Um Geldbeutel und Nerven zu schonen, hilft es, die Tricks und Kostenfallen der Reisebranche zu kennen.

Von Sonja Salzburger

SZ bei Google bevorzugen

Die Reisepreise sind seit der Corona-Pandemie um etwa 50 Prozent gestiegen. Viele Verbraucher treffen mit ihrer Urlaubsbuchung die größte Konsumentscheidung des Jahres und geben mehr Geld für Urlaub aus als für ihre private Altersvorsorge. Ein paar Tipps, damit Reisende später nicht enttäuscht sind.

Negative Bewertungen nicht überbewerten

Onlinebewertungen sind enorm wichtig geworden. Für Verbraucher haben sie allerdings nicht nur Vorteile: „Der Kellner war total unfreundlich“, „Das Essen hat nicht geschmeckt“, „Ich habe auf der Matratze Rückenschmerzen bekommen“. Solche Kommentare können bei der Urlaubsplanung verunsichern, selbst wenn ein Hotel eigentlich gut passen würde und insgesamt einen Bewertungsdurchschnitt von vier oder fünf Sternen hat.

„Negative Informationen wiegen deutlich schwerer als positive“, sagt Kai-Markus Müller, Neurowissenschaftler und Professor für Konsumpsychologie. Für das Gehirn sei es über Jahrtausende sinnvoll gewesen, Negatives zu vermeiden, um zu überleben. Bei einem Urlaub sollte allerdings weniger das Vermeiden von Negativem als die Freude im Vordergrund stehen. Müller empfiehlt, vorher zu überlegen, welche Kriterien einem selbst wichtig sind, und gezielt danach suchen. Wer noch nie Rückenschmerzen hatte, kommt meist auch mit einer durchschnittlichen Matratze klar. Und wer Rad fahren will, muss nicht wissen, wie gepflegt der Tennisplatz ist.

Was auch hilft: nicht in die sogenannte kognitive Optimierungsfalle tappen, wie Müller es nennt. Menschen würden oft davon ausgehen, sie könnten immer noch mehr herausholen oder etwas optimieren. Häufig stimmt das aber gar nicht, weil sie vieles nicht unter Kontrolle haben. „Man glaubt, man kriegt Kontrolle durch das Lesen möglichst vieler Bewertungen, aber oft führt das nur zu mehr Stress“, so Müller. Ob ein Urlaub zum Beispiel schön wird, hänge bei Weitem nicht nur vom Hotel ab, sondern beispielsweise auch vom Wetter, der Stimmung innerhalb der Reisegruppe oder ob alle Mitreisenden gesund bleiben.

„Negative Informationen wiegen deutlich schwerer als positive“, sagt Kai-Markus Müller, Neurowissenschaftler und Professor für Konsumpsychologie an der Hochschule Furtwangen.
„Negative Informationen wiegen deutlich schwerer als positive“, sagt Kai-Markus Müller, Neurowissenschaftler und Professor für Konsumpsychologie an der Hochschule Furtwangen. Hochschule Furtwangen

Katalog-Beschreibungen richtig deuten

Werbung klingt oft besser als die Realität. In einem Reisekatalog heißt es zum Beispiel, der Strand des Tui-Kids-Clubs in Maspalomas auf Gran Canaria sei „nur einen Fußmarsch entfernt“. Das ZDF wollte in einer aktuellen Doku über den Reisekonzern mit einer Umfrage zeigen, was potenzielle Kunden darunter verstehen. Ergebnis: eine Art gemütlichen Spaziergang, vielleicht zehn Minuten oder eine Viertelstunde lang. Doch der Fußmarsch ist tatsächlich ein Marsch, der Weg zum Strand dauert rund 30 Minuten. Die meisten Befragten in der Sendung reagierten empört.

Dass Tui beschönigende Sprache verwendet, um Kunden anzuziehen, ist jedoch kein Skandal, sondern gängige Praxis, wenn man etwas verkaufen will, sagt Neurowissenschaftler Müller. Er empfiehlt, Katalog-Beschreibungen wie ein Arbeitszeugnis zu lesen, in dem Euphemismen ebenfalls üblich sind. Branchenkenner wissen: In einer „belebten Gegend“ müssen Gäste mit Partylärm oder Verkehr rechnen. Ein „naturbelassener Sandstrand“ bedeutet in der Regel, dass der Strand nicht regelmäßig gepflegt wird und um ein Zimmer mit „seitlichem Meerblick“ verkaufen zu können, muss nur irgendwo am Horizont ein kleines Stück vom Meer zu sehen sein. Um Enttäuschungen zu vermeiden, kann es helfen, sich die Lage des Hotels bei Google Maps anzuschauen, etwa um herauszufinden, wie das Haus zum Meer ausgerichtet ist, wie die Nachbarschaft aussieht und wie weit man zum Strand läuft.

Hotel-Klassifizierungen verstehen

Ob offizielle Sterne noch zeitgemäß sind, ist in der Reisebranche umstritten. Manche Ketten wie Motel One verzichten bewusst darauf. Hotelsterne folgen national unterschiedlichen Kriterien – ein Vergleich ist oft schwierig. In Deutschland hat der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband einen Katalog entwickelt, in dem genau festgelegt ist, was ein Haus beispielsweise erfüllen muss, um drei, vier oder fünf Sterne zu bekommen. Doch in Spanien oder Griechenland gelten andere Maßstäbe.

Viele Reiseveranstalter arbeiten mit eigenen Symbolsystemen. Dertour verwendet zur Hotel-Klassifizierung zum Beispiel Rauten. Tui, Alltours und Schauinsland vergeben Sonnen statt Sterne. Der ZDF-Doku „Die Insider“ zufolge dient das bei Tui auch dazu, Zwei-Sterne-Hotels als hochwertiger zu vermarkten, als sie sind. Der Reisekonzern bestreitet das und erklärt, das System basiere auf einer internen Qualitätsbewertung, die regelmäßig angepasst wird. Die Konkurrenten berichten Ähnliches. Urlauber sollten sowohl die offizielle Klassifizierung kennen als auch die des jeweiligen Reiseveranstalters und große Unterschiede kritisch hinterfragen – insbesondere dann, wenn ein Veranstalter einem Haus deutlich mehr Sonnen gibt, als Sterne an der Tür hängen.

Keine unnötigen Zusatzleistungen buchen

Wer seinen Kontostand schonen will, sollte darauf achten, nur Zusatzleistungen zu buchen, die er auch wirklich braucht. Vor allem bei Versicherungen gilt es, genau hinzuschauen. Eine Auslandskrankenversicherung ist unerlässlich. Auch eine Reiserücktrittsversicherung, die einspringt, wenn jemand aus einem triftigen Grund nicht reisen kann sowie eine Reiseabbruchversicherung, die zahlt, wenn jemand seine Reise aus gesundheitlichen Gründen abbrechen muss, empfiehlt die Verbraucherzentrale zumindest bei teureren Urlauben. Überflüssig ist hingegen oft eine Reisegepäckversicherung, die verlorenes, gestohlenes oder beschädigtes Gepäck ersetzt. Verliert oder beschädigt die Fluggesellschaft einen Koffer, kann sie dafür haftbar gemacht werden. Wenn aus einem abgeschlossenen Hotelzimmer etwas gestohlen wird, springt häufig die Hausratversicherung ein.

Auch Airlines und Reiseveranstalter langen mitunter kräftig zu, etwa für Gepäckstücke oder Sitzplatzreservierungen im Flieger. Wer beispielsweise bei einem Flug mit Tuifly vorab Sitzplätze auswählen will, zahlt je nach Kategorie etwa 20 bis 45 Euro zusätzlich pro Platz. Familien können sich aber entspannen: Auch ohne Sitzplatzreservierung werden Kinder immer neben einem Erwachsenen aus der gleichen Buchung platziert, versichert ein Sprecher. „Selbst wenn man erst am Flughafen eincheckt und es dort am Schalter nicht zu lösen ist, wird die Crew an Bord das Thema im Sinne der Gäste lösen.“

Nicht auf Fake-Shops hereinfallen

Wer im Netz nach Urlaubsreisen sucht, kann dabei auf Seiten landen, die auf den ersten Blick vertrauenswürdig aussehen, es aber nicht sind. Die Verbraucherzentrale warnt, dass immer mehr Fake-Shops im Internet auftauchen, die günstige Urlaubsunterkünfte sowie Eintrittskarten für Veranstaltungen oder Sehenswürdigkeiten anbieten. Die Kunden bekommen jedoch nichts für ihr Geld. Teilweise arbeiten die Betrüger mit geklauten Bildern sowie täuschend echten Kundenbewertungen und gefälschten Gütesiegeln. Im schlimmsten Fall erkennen die Betroffenen die Abzocke erst, wenn sie zum Beispiel schon am Urlaubsort angekommen sind und das gebuchte Apartment gar nicht existiert oder das vermeintliche Schnäppchen-Ticket beim Einlass zu einem Konzert nicht akzeptiert wird.

Verbraucherschützer empfehlen, vor jeder Buchung zu prüfen, ob der Anbieter seriös ist. Auffallend günstige Preise sind ein Warnsignal. Misstrauisch werden sollten Reisende, wenn das Impressum fehlt oder unvollständig ist. Auch ein Blick auf die Domain kann sich lohnen: Fake-Shops verwenden oft Internetadressen, die bekannten Markennamen ähneln, aber leicht abweichen, etwa durch zusätzliche Bindestriche oder Buchstabendreher. Der Fake-Shop-Finder der Verbraucherzentralen kann ebenfalls helfen, Betrüger zu identifizieren. Um Betrügern auf die Schliche zu kommen, kann es – anders als bei einer normalen Hotelsuche – tatsächlich helfen, sich auf Negatives zu fokussieren. Die Verbraucherzentrale rät, nach entlarvenden Erfahrungsberichten zu suchen, etwa indem man den Namen der Firma mit den Schlagwörtern „Fake“ oder „Betrug“ bei Google eingibt.

Wer sich gut informiert, realistisch plant und nicht in typische Fallen tappt, erhöht die Chancen, dass die schönste und oft auch teuerste Zeit des Jahres tatsächlich erholsam und noch lange in Erinnerung bleiben wird.

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Von Sonja Salzburger

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