Reisebüros:Guter Rat kostet

DER Touristik führt als erster Konzern eine Beratungsgebühr in Reisebüros ein.

Von Lea Hampel, München

Zunächst waren es einzelne Reisebüros, nun zieht der erste Konzern nach: DER Touristik verlangt von Kunden eine Servicepauschale für die Beratung und Buchung von Reisen. Der Betrag wird bereits seit Anfang November in den Agenturen des Konzerns erhoben. Es gibt eine Basis- und eine Premium-Variante, die nach dem Preis der Gesamtreise variieren. Darüber hinaus können Einzelleistungen kosten. Sitzplätze zu buchen wird beispielsweise mit fünf Euro berechnet, die Anmeldung für die Teilnahme an einem Ausflug während einer Kreuzfahrt kostet zehn Euro.

Hintergrund des Schrittes ist, dass die Betreiber von Reisebüros seit Beginn der Corona-Pandemie unzählige Buchungsvorgänge wesentlich häufiger als normalerweise bearbeiten müssen - weil sich Reisewarnungen ändern, die Hygienevorschriften für bestimmte Regionen angepasst werden, Hotels schließen oder Flugverbindungen wegfallen. Für Reisebürobetreiber, die in der Regel von Provisionen leben, bedeutet das in diesen Zeiten: mehr Arbeit für oft weniger oder kein Geld. Bisher waren es vor allem unabhängige Büros, die schon zuvor und seit der Pandemie verstärkt auf Servicepauschalen zwischen rund 30 und 80 Euro zurückgegriffen hatten und hoffen, damit zumindest einen minimalen Teil ihres Aufwands entschädigt zu bekommen.

Innerhalb der Branche wird zwar seit einigen Jahren über Gebühren debattiert, sie sind aber trotz der Krise nach wie vor umstritten - nicht zuletzt aus der Angst heraus, damit mehr Kunden zum digitalen Buchen zu verleiten. Für DER Touristik ist der Schritt zum einen sinnvoll, weil der zur Rewe Group gehörige Konzern nicht nur zahlreiche Marken unter seinem Dach vereint, sondern auch 500 Reisebüros noch selbst betreibt. Und weil dem Konzern, wie zahlreichen Unternehmen der Branche, seit März ein großer Teil der Einnahmen fehlt. Im Gegensatz aber zu kleinen selbständigen Unternehmen und großen Mitbewerbern wie Tui und FTI hat das Kölner Traditionsunternehmen, abgesehen vom Kurzarbeitergeld, bisher keine staatliche Unterstützung in Anspruch genommen.

© SZ/shs
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