bedeckt München 17°

Reisebüros:Das Reisen wird immer komplexer

Die Menschen, die zu Susanne Bandura kommen, sind zum Teil langjährige Stammkunden aus der Gegend, sie schätzen die persönliche Beratung und kennen die Mitarbeiter im Reisebüro per Namen. Einige kommen auf Empfehlung von Freunden und Nachbarn, manche nennen der Reise-Expertin nur noch, wann sie für welchen Preis verreisen möchten und fragen: "Was empfehlen Sie?" Bandura stellt dann gezielte Fragen: Worauf genau legt der Kunde wert? Möchte er nur Strandurlaub oder gern gemischt mit Sightseeing? Gern eine Kreuzfahrt?

Tourismus Schöne Grüße aus dem Instagram-Hotel
Tourismus und Social Media

Schöne Grüße aus dem Instagram-Hotel

Viele Reisende posten in bunten Bildern, wie stilvoll sie übernachten. Hotels werden jetzt schon entsprechend geplant.   Von Evelyn Pschak

Weil das Reisen immer komplexer wird und stationäre Anbieter sich vom Internet abgrenzen wollen, müssen sie für das gleiche Geld mehr bieten als früher. Sie übernehmen den Check-in im Internet oder denken daran, frühzeitig alle Gepäckstücke anzumelden, um später hohe Kosten zu vermeiden. Sie richten ein Callcenter und eine Webseite ein, damit die Kunden auch außerhalb der Ladenöffnungszeiten buchen können. So macht es auch Bandura. Und sie drückt ihren Kunden nicht nur einen schnöden Ausdruck in die Hand, sondern verpackt die Reiseunterlagen in einer ordentlichen Mappe mit eigenem Logo. Manchmal sind es die kleinen Dinge.

Im vergangenen Jahr machten Reisebüros 26,4 Milliarden Euro Umsatz. Goldgruben sind sie deswegen aber nicht. Reisebüros verdienen ihr Geld durch Provisionen der Reiseveranstalter, die zwischen sieben und zwölf Prozent liegen. Ein Vermittler, der Reisen im Wert von einer Million Euro an die Menschen bringt, bekommt davon also etwa 100 000 Euro - vor Abzug der Personal- und Mietkosten. "Die Gewinnmarge von Reisebüros liegt vor Steuern bei etwa einem Prozent", sagt Martin Hein. Er besitzt ein Reisebüro mit fünf Filialen in Berlin und in Brandenburg und berät andere Reisevermittler. Um ihre Gewinnspanne zu steigern, lassen sich manche Reisebüros inzwischen für ihren Service bezahlen. Die Reisebüro-Allianz QTA beispielsweise verpackt Sitzplatzreservierungen und Flughafentransfers inzwischen in ein Paket mit mehreren Versicherungen und verdient damit nicht mehr nur am Veranstalter, sondern auch am Kunden.

Nur wenige Reisebüros arbeiten unabhängig. 95 Prozent sind Teil einer Kette, arbeiten - so wie Bandura - als Einzelunternehmer auf Lizenzbasis mit den Konzernen oder kooperieren im Verbund mit anderen Reisebüros. Das heißt aber nicht, dass alle das Gleiche anbieten. In den Fußgängerzonen und Einkaufszentren bauen Reisebüros vor allem auf Laufkundschaft und vermitteln Urlaube für die breite Masse. Jetzt im Sommer geht es oft nach Bulgarien, Ägypten oder auf die Kanaren. Abseits der belebten Ecken spezialisiert man sich dagegen eher: auf Singles, Sportler, Kreuzfahrten. Da ist das Kölner Reisebüro, das auf Reisen für lesbisch-schwule Gruppen spezialisiert ist oder der Luxusanbieter, der natürlich nicht "Reisebüro" heißt, sondern "Atelier" oder "Boutique".

Der Branche fehlt der Nachwuchs

Martin Hein, der Coach, sagt, ein Reisebüro brauche "eine klare Zielgruppe und ein erkennbares Konzept". Sein eigenes Geschäft sieht er als Generalist, präsentiert es aber als Wohnzimmer, in dem Lounge-Musik läuft, Kaffee serviert wird und die Kunden vor der Beratung gefragt werden, wie sie sich einen perfekten Urlaub vorstellen. Nicht allen Anbietern gelinge es, den Kunden zu zeigen, weshalb man ausgerechnet hier buchen sollte. "Die meisten Reisebüros leben heute von ihrer Substanz", sagt Hein. Solange die Stammkunden da sind, überlebt auch das Reisebüro. Viele junge Menschen aber steuerten das Reisebüro um die Ecke längst nicht mehr so selbstverständlich an - und das liegt nicht nur am Internet, glaubt Hein. "Wenn Sie in der Google-Bildersuche 'Reisebüro' eingeben, dann bekommen Sie manchmal das Grauen." Tatsächlich sieht ein Reisebüro meist so aus: drei Schreibtische in Eiche massiv, darauf ein Bildschirm und eine Topfpflanze, davor zwei Stühle und an der Wand ein paar Palmen- und Strandfotos.

Das schreckt nicht nur potenzielle Neukunden ab. Vor dreißig Jahren war es ein Traum junger Menschen, Reisen zu verkaufen. Auf einen Ausbildungsplatz kamen 50 Bewerber, viele hofften, so die Welt zu sehen. Heute werden sie abgeschreckt von niedrigen Gehältern und schlechten Arbeitszeiten. Dabei können viele Mitarbeiter noch immer Info-Reisen an exotische Orte machen. Gerade sei einer ihrer Kollegen in die Dominikanische Republik geflogen. "Für mich ist es immer noch der Traumberuf", sagt Bandura. Dann checkt sie das Ehepaar Breuer auf den Flug nach Bulgarien ein.

Politik Türkei Vom Urlaub in der Türkei profitiert nur das Regime

Tourismus und Demokratie

Vom Urlaub in der Türkei profitiert nur das Regime

Der drastische Verfall der Lira macht den Türkei-Urlaub jetzt noch ein bisschen günstiger. Aber man tut den inhaftierten Kritikern von Erdoğan und der Demokratie damit keinen Gefallen.   Kommentar von Monika Maier-Albang